Eisenberg
Schule sucht Mitarbeiter für Gesundheit der Kinder
Ein Lehrer pro Klasse? Gibt es in der Pestalozzischule in Eisenberg nicht. Das ist nur einer von mehreren Bausteinen, durch die sich die Grundschule von anderen abhebt. Sie ist außerdem Medienkompetenzschule, Europaschule, Teilnehmerin der Programme Demokratie lernen und Start Chancen und hat etliche weitere Schwerpunkte, von denen die Kinder profitieren sollen. Davon ist Rektor Markus Fichter überzeugt, denn es gehe individuell um jedes einzelne Kind. Das neueste Vorhaben: Die Schule sucht eine Fachkraft, die möglichst in Vollzeit anwesend ist und die Gesundheit der Kleinen im Blick hat.
Dreiteiliges Leitmotiv
Diese Entscheidung hängt laut Fichter mit der Erkenntnis zusammen, dass es Eltern gibt, die mit der Gesundheitspflege ihres Nachwuchses überfordert sind. „Manche Kinder haben bis zu 70 Fehltage im Jahr“, sagt Fichter und verweist nicht nur auf körperliche Probleme, sondern auch auf psychische Belastungen. Darüber hinaus sei künftig ein Rückzugsraum geplant, falls mal ein Kind akut erkrankt – oder sich verletzt. Bislang haben die Lehrer und die drei Schulsozialarbeiter solche Fälle auffangen müssen. Sie sollen durch die neue Kraft entlastet werden. Geplant ist laut Rektor, die Stelle „von null auf zu entwickeln“ und damit einen weiteren Baustein aufzubauen, um das Wohl aller Kinder noch besser im Blick zu haben.
Darauf setzt die Pestalozzischule schon seit vielen Jahren, wie Fichter sagt. Seit 20 Jahren gebe es bereits das Leitmotiv, das drei Punkte umfasst: Erstens sei sie eine „Schule für alle“. Das heißt unter anderem, auch Kinder mit Förderbedarf sind in die Regelklassen integriert und bekommen individuelle Unterstützung – genau wie alle übrigen Kinder. Zweiter Baustein ist „Schule, ein Team“: Neben Lehrern sind in jeder Klasse interdisziplinäre Kräfte eingesetzt, darunter Ergotherapeuten, Heiltherapeuten, pädagogische Fachkräfte und Sozialpädagogen. Jeder bringe seine Perspektive ein, sodass verschiedene Ansätze in den Unterricht einfließen. Drittens ist es eine „Schule in Bewegung“, die laut Fichter über den Tellerrand schaut. Gemeint ist damit kein Sport, sondern die stetige Weiterentwicklung.
Kinder lernen durch Bewegung
Wobei auch Sport und Bewegung im Alltag der Kinder eine große Rolle spielen, beispielsweise durch die Disce-Methode. Für sie gibt es im Gebäude sogar einen eigenen Raum, aber auch Bewegungsstrecken, die bei Bedarf überall genutzt werden können. Für die Umsetzung zuständig ist Aline Klusen, Lehrerin und Ergotherapeutin. Sie bezeichnet die Discemotorik als „Lernen mit Bewegung“, und zwar immer am Stand des jeweiligen Kindes orientiert.
Deshalb seien auch nur wenige Schülerinnen und Schüler gleichzeitig auf dem Parcours. Konkret sieht das so aus: Die Kinder holen sich eine Aufgabe und bewegen sich konzentriert über Hindernisse, um zur Lösung zu kommen. Der Vorteil, wie sie sagt: „Es zeigt, dass Lernen Spaß macht.“ Außerdem stärke das System die Selbstwirksamkeit und rege die Motivation der Kinder am Lernen an. Wie ernst die Schülerinnen und Schüler das nehmen, zeigt sich anhand des Geräuschpegels im Raum: Es ist mucksmäuschenstill.
Projekt ermöglicht Freizeiterlebnisse
Ein weiterer, für Schulen eher untypischer Ansatz ist das Projekt Start Chancen, das in den Händen der Schulsozialarbeiter liegt. Eine Aktion davon: die Funnection, ein Wort, das den Spaß mit der Verbindung verknüpft. Ziel ist laut Schulsozialarbeiterin Valerie Neser, die sich mit für das Projekt zuständig zeichnet, Kinder sozial schlechter gestellter Schichten in ihren Talenten zu fördern und Interessen zu wecken. Dafür finden über ein halbes Jahr hinweg Freizeitausflüge statt, bei denen auch Kinder aus besser gestellten Haushalten involviert sind. „Es geht darum, das mal zu erleben, aber auch Freundschaften zu fördern“, sagt Neser. Und das funktioniere auch. Wie Fichter ergänzt, seien erst kürzlich Fördergelder gesichert worden, sodass die Funnection auf sicheren Füßen steht.
Nicht zuletzt ist die Pestalozzischule auch digital und praktisch gut aufgestellt: In jedem der knapp 90 Quadratmeter großen Klassenzimmer gibt es sogenannte Active Boards, also moderne, interaktive Tafeln. Darüber hinaus hat die Schule 250 iPads für den Unterricht gesponsert bekommen, damit die Kleinen auch selbst Medienkompetenz lernen. Die analoge Arbeit kommt ebenfalls nicht zu kurz: Hinter den Tapeten befinden sich Magnetfolien an der Wand, die Gestaltungsspielraum ermöglichen – und eine Imkerklasse lernt den Umgang mit Bienen.
Platzprobleme sollen sich bald lösen
Spricht Fichter von seinem Schulkonzept, ist ein gewisser Stolz herauszuhören. „Viele wollen hierher pilgern“, sagt er schmunzelnd mit Blick auf das Interesse von außen. Er schränkt aber ein, dass die Zuteilung der Kinder über den Schulbezirk läuft. Nach seinen 25 Jahren als Rektor habe er selbst viel gestaltet, aber auch einen gut bereiteten Boden von seinem Vorgänger übernommen. Darüber hinaus dürfe auch jede Lehrkraft Ideen einbringen und so Neues wagen. „Wir wollen uns als Schule der heutigen Gesellschaft und Kultur anpassen“, sagt Fichter.
Was nun noch fehlt, ist Platz. Derzeit wird eine Klasse in der Aula unterrichtet, weil die Kita „Bunte Welt“ im Grundschule-Pavillon vorübergehend untergebracht ist. Zieht sie im Sommer aus, wird laut Fichter der Pavillon saniert und mit Fördergeldern entsprechend pädagogisch gestaltet, sodass die bunte Lernwelt für die Kinder weiter wächst.