Rockenhausen / Kerzenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tierpark Donnersberg: Ein Zufluchtsort für geschundene Kreaturen

Tierpark Donnersberg in Rockenhausen: zutrauliche Lemuren mit Andreas Spieß .
Tierpark Donnersberg in Rockenhausen: zutrauliche Lemuren mit Andreas Spieß .

Auf einem Parkplatz in Rockenhausen hat ein Kerzenheimer vor rund 20 Jahren den Tierpark Donnersberg eröffnet. Wer diesen Minizoo mittlerweile bewohnt – und warum.

In Südamerika werden die Regenwälder für die Anlage von Ölpalmen-Plantagen abgeholzt, um die steigende Nachfrage nach Palmfett zu befriedigen. Bei der Ernte mit den riesigen Maschinen werden Wickelbären, Faul- und Gürteltiere geschreddert. Oder sie verbrennen, wenn die Flächen zur Erzeugung von Humus angezündet werden. Einige dieser Geschöpfe werden von Tierschutz-Organisationen gerettet. „Solche Aktivitäten haben mich inspiriert, mich für die Nachzucht von Exoten einzusetzen“, sagt Andreas Spieß. Der Kerzenheimer, der auf einem Bauernhof aufwuchs, hat von klein auf einen Bezug zu Tieren gehabt. Seit fast 20 Jahren betreibt der Kfz-Meister und Tierpfleger nun schon einen kleinen Zoo in Rockenhausen.

Dieser wirkt auf den ersten Blick wenig einladend. Der Eingangsbereich ließe sich sicherlich schöner gestalten. Befremdlich wirkt auch der Standort: Der Tierpark befindet sich auf einem Parkplatz neben einem Tedi-Markt und einer Spielothek, gegenüber einer Tankstelle. Oft werde ihm vorgeworfen, dass die Anlage „mitten in der Stadt“ sei. Dabei lägen etwa die Zoos in Berlin und Frankfurt auch so, meint Spieß. Wieso die Gehege auf einer Asphaltfläche stehen, erklärt er so: Bevor aus dem einstigen Aldi, dem nachfolgenden Teppichladen Spangenberg schließlich Tedi wurde, habe er dort auf 2000 Quadratmetern das Erlebnis-Zoo-Fachgeschäft Futera betrieben. „Nach einigen Jahren monierte das Veterinäramt, wir hätten zu viele Tierarten und müssten deshalb einen Zoo anmelden“, so Spieß.

Eine halbe Million Euro investiert

Er habe eine halbe Million Euro und unzählige Arbeitsstunden investiert, um die zoologische Anlage aufzubauen. „Wenn ich die Aufwendungen der letzten zehn Jahre hochrechne, dürfte ich auf eine Summe von circa 2,5 Millionen Euro kommen“, überschlägt Spieß. Die 2006 eröffnete Nachzuchtstation beherbergte einst 350 bis 400 Tiere. „Bis heute habe ich das auf etwa die Hälfte reduziert. Ich muss daran denken, wer die Pflege nach mir weiterführt“, so der 52-Jährige, dessen Sohn die väterliche Autowerkstatt übernommen hat und sich nur darauf konzentrieren will. Aktuell bewirtschaftet Spieß den Park mit Ehefrau Nicol und drei Helfern. Ehrenamtliche, die mitmachen wollen, seien gerngesehen, so der „Zoo-Direktor“, dessen Unternehmen eine anerkannte Bundesfreiwilligenstelle und eine offizielle Ausbildungsstätte ist.

Selten hierzulande: Im Tierpark Donnersberg gibt es auch Honigdachse.
Selten hierzulande: Im Tierpark Donnersberg gibt es auch Honigdachse.
Ein Faultier im Tropenhaus des Tierparks Donnersberg.
Ein Faultier im Tropenhaus des Tierparks Donnersberg.
Auch Lemuren gibt es im Tierpark Donnersberg.
Auch Lemuren gibt es im Tierpark Donnersberg.
Ein Bewohner des Tierparks Donnersberg bei einem entspannten Nickerchen.
Ein Bewohner des Tierparks Donnersberg bei einem entspannten Nickerchen.
Eine Echse im Tropenhaus des Tierparks Donnersberg.
Eine Echse im Tropenhaus des Tierparks Donnersberg.
Bewohner des Tierparks Donnersberg werden mit frischem Obst gefüttert.
Bewohner des Tierparks Donnersberg werden mit frischem Obst gefüttert.
Meerschweinchen im Tierpark Donnersberg werden mit frischem Gemüse gefüttert.
Meerschweinchen im Tierpark Donnersberg werden mit frischem Gemüse gefüttert.
Zutrauliche Ziegen mit Andreas Spieß im Tierpark Donnersberg in Rockenhausen.
Zutrauliche Ziegen mit Andreas Spieß im Tierpark Donnersberg in Rockenhausen.
Bewohner des Tierparks Donnersberg werden mit frischem Obst gefüttert.
Bewohner des Tierparks Donnersberg werden mit frischem Obst gefüttert.

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Die Tiere sind oft aus schlechter Haltung gerettet oder waren ausgesetzt. Es sind auch Exemplare darunter, die bei der verbotenen Einfuhr konfisziert wurden oder nach Katastrophen wie der Flut im Ahrtal plötzlich keine Bleibe mehr hatten. Die Gelbbrust-Aras etwa haben zehn Jahre lang in einem Keller gehaust. Noch deutlich länger waren die Nacktaugenkakadus in einem Minikäfig gefangen. „Die zwei Servals wurden im vierten Stock eines Hauses in Frankfurt beschlagnahmt. Man hatte ihnen die Schwänze kupiert, sie falsch gefüttert und mit ihnen Musikvideos gedreht“, erzählt Spieß.

Seine große Hündin, die den kleinen Zoo bewacht, sei „Abfall“ gewesen, sollte „entsorgt“ werden. „Von den Exoten sind rund 80 Prozent vom Aussterben bedroht“, sagt er und betont, dass oberstes Ziel seiner Bemühungen der Artenschutz sei. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, selten gewordene Kleintiere aus aller Welt nachzuzüchten“, erklärt der Betreiber. Der Nachwuchs werde europaweit an Zoos abgegeben. Wenn dann genügend Individuen einer Art vorhanden sind, nehmen diese an Auswilderungsprogrammen teil.

Peta macht dem Kerzenheimer Vorwürfe

Die Organisation Peta wirft dem Kerzenheimer eine nicht artgerechte Haltung der Exoten vor. Angeblich vegetierten sie in viel zu kleinen Käfigen ohne Grün vor sich hin und seien teils verhaltensgestört. Wer sich vor Ort umsieht, gewinnt einen völlig anderen Eindruck. Die Tiere wirken gesund und gut genährt. Zweimal täglich gibt es frisches Futter. Obst und Gemüse wird von elf Supermärkten abgegeben. Keinesfalls sind die Zoobewohner menschenscheu und sozial auffällig. Extrem zutraulich sind die Lemuren. Spieß führt auch gerne Leute mit Behinderungen in deren Gehege, wo sie auf Tuchfühlung gehen können.

Die Exoten haben jeweils Außen- und Innenbereiche. Zudem sind die Gehege viel größer, als man beim flüchtigen Hinschauen vermutet, weil sie Durchgänge in die benachbarten Käfige haben. Auch im Tropenhaus ist das so. Spielzeug und Klettermöglichkeiten sind vorhanden und Pflanzenbewuchs ist überall dort, wo er laut Spieß für die Bewohner zur angenehmen Umgebung gehört. Die auf der Roten Liste stehende Fischkatze zum Beispiel lebt in einem regelrecht zugewucherten Gehege, weil sie es so mag. Eine Erle bei den Kapuzineraffen dagegen hatte nach 14 Tagen keine Blätter mehr und war kurz darauf auch ihre Rinde los. „Und bei den Honigdachsen hat Vegetation gar keine Chance. Innerhalb von einem Tag haben die alles zerstört“, erzählt Spieß von den nachtaktiven Mardern, die sich unterirdische Bauten anlegen.

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