Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wegen Privatzoo: Peta zieht gegen Kreisverwaltung vor Gericht

Der Tierpark Rockenhausen 2024, als Peta das Veterinäramt des Donnersbergkreises zu den Flop 5 der Republik kürte.
Der Tierpark Rockenhausen 2024, als Peta das Veterinäramt des Donnersbergkreises zu den Flop 5 der Republik kürte.

Die Tierschutzorganisation Peta klagt gegen den Donnersbergkreis. Der Vorwurf: Die Behörde verweigere Akteneinsicht zu den Zuständen im Tierpark Rockenhausen.

Der privat betriebene Zoo von Andreas Spieß in Rockenhausen ist ein Dauer-Reizthema – in der Nordpfalz und darüber hinaus. Besucher, Bürger und Behörden kritisieren immer wieder Zustände und Haltungsbedingungen der Anlage in Rockenhausen. Doch egal, was er auch verändere und verbessere: Der Tierpark werde sein Schmuddel-Image einfach nicht los, klagt Eigentümer Spieß. Die Anlage mit rund 100 Arten, darunter vielen Exoten, ist sein Herzensprojekt. Seit 2006 betreibt der Kerzenheimer den Zoo, und in sein Lebenswerk hat er viel investiert: Zeit, Arbeit, Ideen, Fürsorge und vor allem Geld. Von mehr als zwei Millionen Euro ist die Rede. Dennoch wirkt der Tierpark, auf einem Parkplatz zwischen Tedi-Markt, Spielothek und Tankstelle, wenig ein- und eher ausladend.

Der einst über Wochen ausgebüchste Affe Udo aus dem Zoo. Er sorgte 2021 für Schlagzeilen.
Der einst über Wochen ausgebüchste Affe Udo aus dem Zoo. Er sorgte 2021 für Schlagzeilen.

Im Januar 2023 veröffentlichte die Tierschutzorganisation Peta nach einem Whistleblower-Hinweis Bilder und Videomaterial, die die Missstände im Tierpark zeigten. Der Vorwurf von anonymer Seite: Exotische Tiere würden dort in zu engen, maroden, barackenartigen Gehegen leben, Vorgaben des seit 2014 bestehenden Säugetiergutachtens, das eine Mindestgröße für Käfige und Ställe vorschreibt, würden missachtet und „deutlich unterschritten“.

Natürlich sei der Platz beschränkt, die „Vorgaben entsprechen aber den Mindestanforderungen“, sagte Andreas Spieß dazu schon im vergangenen Jahr auf RHEINPFALZ-Anfrage. Bei den Auflagen gebe es keinen Toleranzbereich, entweder seien die Gehege groß genug – oder nicht. Und manchmal sind sie es eben auf den Meter genau. Ausreichend halt und exakt nach Vorschrift, so der 52-Jährige.

Kritik an Hygiene, Temperatur, Nahrung,

Eine Mitarbeiterin von Peta dokumentierte nach dem Whistleblower-Hinweis selbst die Tierhaltung. Dieser Besuch warf bei den Tierschützern weitere Fragen auf. Zusätzliche Kritikpunkte waren: mangelhafte Hygiene- und Temperaturbedingungen, fehlende Nahrung und Grünflächen. Andreas Spieß dementierte. Als die Whistleblower vor Ort filmten und fotografierten, da erwischten sie „einen ganz ungünstigen Moment“, erzählt er, „inmitten einer großen Reinigungsaktion, die jährlich stattfindet“. Die Gehege sahen für ein paar Stunden kahl, kalt und ungemütlich aus, gibt Andreas Spieß zu.

Peta bat im Januar 2024 dennoch die Kreisverwaltung Donnersberg als zuständige Kontrollbehörde um Akteneinsicht gemäß Landestransparenzgesetz. Dieser Antrag wurde teilweise bewilligt – und teilweise verweigert. Auch auf Nachfragen im Sommer 2024 blieben Fragen unter anderem zu Gehegegrößen, Kontrollen und Auflagen unbeantwortet, sagt Yvonne Würz, Peta-Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche, auf RHEINPFALZ-Nachfrage, – und schiebt hinterher: „Die Auskunftsverweigerung passt ins Bild, denn offenbar hat es die Behörde jahrelang versäumt, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die die miserablen Zustände in dem Zoo nachhaltig verbessern. Die Auskünfte wurden zum Teil mit absurden Begründungen verweigert – beispielsweise zur Größe der Innengehege, da diese für das Zoopublikum nicht einsehbar seien“, erklärt Biologin Würz.

Betreiber Andreas Spieß mit seinen handzahmen Lemuren.
Betreiber Andreas Spieß mit seinen handzahmen Lemuren.

Im April 2025 reichte Peta deshalb beim Verwaltungsgericht Neustadt Klage ein. Der Rechtsweg soll Zugang zu Informationen schaffen. Die 14-seitige Klageschrift liegt der RHEINPFALZ vor. Für Ende November ist eine mündliche Verhandlung angesetzt. „Wir erwarten endlich umfassende Antworten und Maßnahmen“, sagt Würz. Zudem behalte sich Peta vor, Strafanzeige wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu erstatten. Die Tierschutzorganisation meldet deutschlandweit jährlich Hunderte Fälle von Tierquälerei an Behörden, fordert diese zum Handeln auf – und zu rechtlichen Konsequenzen. Im Februar 2024 kürte Peta das Veterinäramt des Donnersbergkreises zu den Flop 5 bundesweit.

Lutz Schowalter, Pressesprecher der Kreisverwaltung, sagt zu den Vorwürfen und der Klage: „Entgegen dem Eindruck, den Peta erweckt, ist das Veterinäramt in diesem Fall entsprechend der rechtlichen Möglichkeiten aktiv.“ Eingesehen werden dürften Informationen auf Antrag dann, wenn es keine entgegenstehenden Belange gebe. Die Rechte Dritter, öffentliche Belange oder behördliche Prozesse dürfen nicht betroffen sein. Sind diese tangiert, scheidet die Möglichkeit der Einsichtnahme aus, so Schowalter. Kurzum: „Auf Antrag von Peta wurde im rechtlich möglichen Rahmen Einsicht gewährt.“ Daher sieht die Kreisverwaltung der Klage in Neustadt „sachlich und unaufgeregt entgegen“. Notwendige Stellungnahmen gegenüber dem Gericht gebe der Kreis aktiv ab.

Wenige Beschwerden pro Jahr bei der Behörde

Peta fordert schon länger die Schließung des Zoos in Rockenhausen. Die rund 200 dort lebenden Tiere sollen in Auffangstationen und andere geeignete Einrichtungen gebracht werden. Dafür hat die Organisation Unterstützung angeboten. „Denn es sind in unseren Augen erschreckende, miserable Verhältnisse dort“, sagt Yvonne Würz.

Etwa zwei bis vier Beschwerden hierzu erhalte die Kreisverwaltung jährlich, mehr nicht. „Wir kontrollieren den Tierpark engmaschig, und dies bereits seit Jahren regelmäßig“, sagt Lutz Schowalter. Die Häufigkeit der Kontrollen werde aufgrund einer Risikoanalyse, Anzahl und Art der untergebrachten Tiere sowie Hinweisen auf Nichteinhaltung bestimmt. Es habe mal Beanstandungen aufgrund der Gehegegrößen, zu großen Temperaturschwankungen oder unzureichenden Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere gegeben. Wenn die Mitarbeiter des Veterinäramtes die Nicheinhaltung rechtlicher Vorgaben feststellten, dann gebe es „schriftliche Auflagen, die auch durch die Behörde kontrolliert“ würden, so Schowalter. Ansonsten könnten Strafmittel eingesetzt werden.

Artenschutz-Nachwuchs für europäische Zoos

Andreas Spieß betont unterdessen, dass seine Tiere oft aus schlechter Haltung gerettet seien oder zuvor ausgesetzt waren. Manche wurden auch bei verbotenen Einfuhren konfisziert und zu ihm gebracht, oder er hat Tiere nach Katastrophen wie der Flut im Ahrtal aufgenommen, weil sie plötzlich zu niemandem mehr gehörten. Viele seiner Exoten seien vom Aussterben bedroht. Er bemühe sich um Artenschutz, sagt Spieß, den Nachwuchs gebe er europaweit an Zoos ab. Für den Betreiber waren die Whistleblower-Aktionen, die Demonstrationen, Bilder im Internet und die negative Berichterstattung über seinen Zoo „extrem geschäftsschädigend“, erzählte er. Er fühlte sich „gegängelt“. Emotionen beim Dauer-Reizthema: Sie kochen weiter hoch.

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