Grünstadt
Straßen-Umbau: Wie ein „Luxus-Radweg“ die Kosten senken soll
Am Ende stimmen nur drei FWG-Vertreter mit Nein. Damit bekommt der umstrittene Umbau-Plan für die Richard-Wagner- und die Otto-Fliesen-Straße an diesem Abend doch eine große Mehrheit im Grünstadter Rat. Zuvor allerdings haben mehrere Fraktionen noch Ergänzungen hineinschreiben lassen. Bernhard Ellbrück (FDP) etwa findet es zwar in Ordnung, dass die Fahrradtrasse mit extrahohen Bordsteinen von der Fahrbahn getrennt wird. Aber ihre Oberkante möge – sofern die Vorschriften das erlauben – nicht eckig, sondern rund sein.
Erneut überarbeitet
Der SPD-Frontmann Christoph Spies lässt derweil ausdrücklich ergänzen, dass die Einfahrten der Anwohner weiter befahrbar sein müssen. Und dass die geplante Verlegung einer Bushaltestelle vorab im Probebetrieb getestet wird. Der CDU-Fraktionschef Mimmo Scarmato wiederum besteht darauf, dass im Beschluss festgehalten wird: Die Ergebnisse des Fahrradstraßen-Tests im Kreuzerweg werden in der weiteren Planung noch berücksichtigt. Und am Ende entscheidet der Rat, ob tatsächlich alles so kommt wie derzeit vorgesehen.
Zuvor haben auch die Verwaltung und ihr Planer schon ein weiteres Mal Kritik am Konzept für die Richard-Wagner- und die Otto-Fliesen-Straße aufgegriffen. Immerhin geht es um eine viel befahrene West-Ost-Verkehrsachse zwischen der Kernstadt-Sausenheim-Verbindung und der Kirchheimer Straße in Richtung A6-Ausfahrt, über die auch Feuerwehr und Rettungsdienst zur Autobahn eilen. Also ist im Plan die Ausfahrt am Leininger-Center erneut verbreitert worden. Und an der Haltestelle soll so viel Raum bleiben, dass Autos an einem Bus vorbeifahren können.
Adam: Noch mehr testen
Doch unterm Strich wird die – für eine Einbahnstraße bislang ungewöhnlich breite – Fahrbahn merklich schmäler. Denn in Fahrtrichtung rechts soll neben dem 1,50 Meter breiten Fußweg noch ein ebenso breiter Radweg entstehen. Ein bis zu 90 Zentimeter breiter Pufferstreifen sowie extra-hohe Bordsteine werden ihn von Autos und Lastwagen trennen. Außerdem verliert die Verbindungsachse an der Kreuzung mit dem Kreuzerweg ihren Vorfahrtsstatus, sobald er – voraussichtlich ab Mitte April und zunächst nur probeweise – als Fahrradstraße ausgewiesen wird.
So eine mehrmonatige Testphase fordert FWG-Fraktionschef Johannes Adam nun auch für die Richard-Wagner- und die Otto-Fliesen-Straße. Was bedeuten würde: Wo für den geplanten Radweg Parkplätze wegfallen, würde schon jetzt ein Parkverbot durchgesetzt. Außerdem müsste die Fahrbahn für einige Monate Versuchsbetrieb mit provisorischen Hindernissen verschmälert werden. Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) allerdings meint: Das ist unnötig, für eine Einbahnstraße bleibt auf der Trasse weiterhin außergewöhnlich viel Platz.
Die Frage nach den Kosten
Seine Mitstreiter aus der Verwaltung drücken außerdem aufs Tempo. Sie wollen im Frühjahr 2026 die Bagger anrollen lassen. Denn Otto-Fliesen- und Richard-Wagner-Straße werden als Ausweichrouten gebraucht, wenn – wohl ab 2027 – die Sanierung der Bitzenstraße beginnt. Außerdem will die Stadt hohe Zuschüsse abgreifen. Und das geht laut Verwaltung nur, wenn der Rat den Umbau-Plan in seinen Grundzügen gebilligt hat. Ehe er das tut, hakt die Christdemokratin Karin Schramm aber noch einmal wegen der Finanzen nach.
Sie will wissen, was groß der preisliche Unterschied zwischen dem geplanten „Luxus-Radweg“ und einem nur auf die Fahrbahn aufgemalten Radler-Streifen ausfällt. Schließlich geht es da nicht nur ums Stadtsäckel, sondern auch um die Belastung für die Bürger im Abrechnungsgebiet „Westlich der Bahnlinie“. Denn sie werden über ihre Wiederkehrenden Beiträge den Umbau der Otto-Fliesen- und Richard-Wagner-Straße zu einem Großteil mitbezahlen. Die Antwort der Bau-Fachleute auf Schramms Frage allerdings verblüfft mehrere Ratsmitglieder.
Denn die Vertreter der Verwaltung beteuern: Der Asphalt für die Fahrbahn ist teurer als das Pflaster für den Radweg. Unterm Strich müssten Stadt und Bürger für eine Sanierung mit breiter Fahrbahn daher mehr zahlen als für den umstrittenen Umbau.