Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Straßen-Umbau: Worüber jetzt gestritten wird

Wichtige West-Ost-Achse in Grünstadt: Richard-Wagner- und Otto-Fliesen-Straße verknüpfen die Kernstadt-Sausenheim-Verbindung mit
Wichtige West-Ost-Achse in Grünstadt: Richard-Wagner- und Otto-Fliesen-Straße verknüpfen die Kernstadt-Sausenheim-Verbindung mit der Kirchheimer Straße und der Autobahn.

Das Umbau-Konzept für eine Grünstadter Straßenverbindung ist umstritten. Kritiker warnen: Geplante Wohltaten für Radfahrer bringen Autofahrern und Anliegern viele Nachteile.

Die Zeit für diese Straßensanierung in Grünstadt drängt: Bis zum Sommer sollen die Pläne für den Ausbau der maroden Richard-Wagner- und Otto-Fliesen-Straße fertig sein, damit dort im Frühjahr 2026 die Bagger anrollen können. Schließlich werden sich die Arbeiten ungefähr ein Jahr lang hinziehen, und die West-Ost-Achse zwischen der Kernstadt-Sausenheim-Verbindung und der Kirchheimer Straße steht ganz oben auf der Liste der zu erneuernden Trassen. Alle anderen Buckelpisten werden also erst angegangen, wenn diese Strecke fertig ist.

Warnung vor fatalen Folgen

Außerdem wird sie als Ausweichroute gebraucht, wenn – wohl ab 2027 – die Sanierung der Bitzenstraße beginnt. Einstweilen aber gibt es mächtig Ärger um die Pläne, die Stadtverwaltung und Ingenieure für die Richard-Wagner- und Otto-Fliesen-Straße vorgelegt haben. Denn sie wollen mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer – womit weniger Platz für Lastwagen und Autos bleibt. Der ist dort bislang für Einbahnstraßen-Verhältnisse üppig bemessen. Aber das Umbau-Konzept hätte trotzdem Folgen, die einige Anwohner und Kommunalpolitiker für fatal halten.

Auf die Bedenken haben die Planer auch schon reagiert: Zunächst wollten sie die Fahrbahnbreite auf durchschnittlich 3,50 verengen, nun sollen es 3,80 Meter werden. An der Einmündung zur Kirchheimer Straße wird es weiter getrennte Rechts- und Linksabbieger-Spuren geben. Und vor der Sammelunterkunft für Flüchtlinge bleibt eine langgezogene Ausweichfläche, damit auch Lastwagen Platz machen können. Schließlich bilden Richard-Wagner- und Otto-Fliesen-Straße eine Achse, über die Feuerwehr und Rettungsdienst zum Beispiel in Richtung Autobahn eilen.

Bus-Stopps auf der Fahrbahn

Allerdings bleiben die Planer dabei, dass die Bucht vor der Dekan-Ernst-Schule verschwindet. Dort hält fünfmal täglich ein Linienbus. Während seines Stopps muss er demnach künftig auf der Fahrbahn bleiben, obwohl er dort nicht überholt werden kann. Außerdem beharrt die Verwaltung darauf, dass beim Radweg keine Abstriche gemacht werden. Er soll rechts neben der Fahrbahn verlaufen, wie der Fußweg 1,50 Meter breit sein – und mit einem bis zu 90 Zentimeter breiten Pufferstreifen sowie hohen Bordsteinen vor Autos und Lastwagen geschützt werden.

Damit entfällt die Möglichkeit, seitlich am Fahrbahnrand zu parken. Die Bauabteilung schätzt, dass Abstellmöglichkeiten für etwa 38 Autos verschwinden. Zum Ausgleich entstehen im Bereich der bisherigen Bushaltebucht zwölf neue Schrägparkplätze. Außerdem kommt aus dem Rathaus der Hinweis, dass die Anwohner auf ihren Grundstücken ja ohnehin eigene Stellplätze angelegt haben müssen. Die Kritiker hingegen befürchten ein Parkchaos, das auch auf angrenzende Straßen übergreift. Und sie haben Bedenken wegen der Schwelle am Straßenrand.

Hohe Schwelle am Fahrbahnrand

Karin Schramm (CDU) etwa wies nun in einer Ausschusssitzung darauf hin, dass Paketboten oder Pflegedienste für Kurz-Stopps nicht mehr nach rechts ausweichen könnten. Karlheinz Schneider (FWG) wiederum warnte: Die 13-Zentimeter-Barriere könnte zur Sturz-Falle für Kinder werden, die mit dem Fahrrad die Straße queren wollen. Außerdem bemängelte er: Die Verwaltung habe auf Kritik an ihren Plänen bislang nur mit Detail-Änderungen reagiert. Er hingegen erwarte, dass ihm eine gründlich abgewandelte Alternative präsentiert werde.

Verwaltungsmitarbeiter hingegen konterten: Was hier vorgesehen sei, habe der Rat eigentlich schon beschlossen – indem er 2022 ein Radwegekonzept verabschiedete. Denn eine bloß mit Farbe von der Fahrbahn abgegrenzte Radler-Trasse gelte heute nicht mehr als Radweg. Auf RHEINPFALZ-Nachfrage hat ein Rathaus-Sprecher mittlerweile klargestellt: Die Regelwerke für den Straßenbau erlauben solche Lösungen nach wie vor. Hohe Bordsteine oder ein Grünstreifen als Barriere seien aber Pflicht, wenn ein „baulich angelegter Radweg“ entsteht.

„Größtmögliche Sicherheit“

Ein solcher biete sich für die Richard-Wagner- und die Otto-Fliesen-Straße an, weil er „die größtmögliche Sicherheit für die Benutzenden bietet“. Allerdings muss die Verwaltung einräumen, dass im Radwegekonzept für die Strecke etwas anderes vorgesehen ist. Zur Debatte gestellt werden dort etwa Fahrrad-Schutzstreifen am Fahrbahnrand, die nur aufgemalt sind und auf die Autos bei Bedarf ausweichen dürfen. Der Rathaus-Sprecher erläutert: Diese Vorschläge stammen aus einer Zeit, in der ein baldiger Ausbau der Strecke noch nicht vorgesehen war.

Außerdem versteht sich das Radwege-Konzept ohnehin als etwas, das immerzu „angepasst und fortgeschrieben“ werden müsse. Die Verwaltung argumentiert: „Gerade wenn Straßenflächen wie bei der jetzigen Ausbaumaßnahme neu aufgeteilt werden können, sollten Radfahrende und Fußgehende sicheren Straßenraum bekommen.“ Ob das der Rat auch so sieht, wird sich wohl in etwa zwei Wochen zeigen. Da hat er seine nächste Sitzung – und soll entscheiden, ob Richard-Wagner- und Otto-Fliesen-Straße wie vorgesehen saniert werden.

Wollten die Grünstadter Kommunalpolitiker hingegen noch länger über den Ausbau-Plan und mögliche Alternativen nachdenken, ergäben sich daraus laut Bauabteilung neue Probleme. Schließlich drängt die Zeit.

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