Aus für den Erlebnistag
So reagiert das Leiningerland
Im Landauer Ratssaal herrscht am Donnerstag eine vielleicht seltene Einigkeit. Wenn Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) davon spricht, dass der Erlebnistag Deutsche Weinstraße in seiner bisherigen Form nur immer weiter steigende Kosten verursache, den Stadt- und Kreiskassen aber nichts einbringen würde, weiß er sich mit den Männern an seiner Seite einig. Und wenn der Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) von emotionalen Debatten mit seinen Bürgermeistern berichtet, die am Ende aber alle dafür gewesen seien, dann nicken Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch und Landrat Dietmar Seefeldt, Südliche Weinstraße (beide CDU), zustimmend.
Gemeinsam verkünden sie das endgültige Aus für den Erlebnistag, den es erstmals 1985 gab, als die Weinstraße 50 Jahre alt wurde. Das haben sie zuvor mit ihren Touristikern und Rathauskollegen, aber auch mit dem Verein Pfalzwein diskutiert und entschieden. Die Winzer seien einverstanden, sagt Vereinsvorsitzender Boris Kranz mit Blick auf seinen Vorstand. Angesichts von notwendigen Sicherheitskonzepten und immer weniger ehrenamtlich Engagierten immer mehr Geld in die Veranstaltung zu stecken, sei nicht verhältnismäßig und den Bürgern gegenüber nicht zu verantworten, so Ihlenfeld.
Mit Blick auf die Zukunft heben der Dürkheimer Landrat und der Neustadter Oberbürgermeister vor allem auf den Ausbau guter Radwege wie den 80 Kilometer langen barrierefreien Radweg Neustadt-Bad Dürkheim ab, was auch touristisch zielführender sei.
Ärgerlich für Bockenheim und Obrigheim
„Natürlich ist es für die VG Leiningerland und ihre Ortsgemeinden – insbesondere Bockenheim und Obrigheim – ärgerlich, dass es keinen weiteren Erlebnistag Deutsche Weinstraße mehr geben wird“, so Frank Rüttger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, in seinem Statement zur Absage. Zumal vor Ort hohe Anstrengungen unternommen worden seien, damit die Strecke zwischen Grünstadt und Bockenheim seit 2017 immer am letzten Sonntag im August gesperrt werden konnte.
Die aufgrund des neuen Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) sehr hohen Anforderungen an die Sicherheit bei Veranstaltungen ließen sich laut Rüttger aber „nur mit nicht vertretbarem Aufwand“ bewältigen. Dieses identitätsstiftende Großereignis habe durchaus nachhaltigen Tourismus gebracht, so der Bürgermeister, der insbesondere den Weinwettbewerb „Königsriesling“ hervorhebt. Rüttger: „Etwas direkt Vergleichbares wird sich auch nicht gestalten lassen.“
Auch im Grünstadter Rathaus bedauert man die Absage. „Es war eine großartige Veranstaltung“, sagt Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) auf Anfrage. Er ist auch Vorsitzender des Vereins „Leiningerland. Das Tor zur Pfalz“. Wagner kritisiert das neue POG, das nicht nur Großveranstaltungen wie den Erlebnistag Deutsche Weinstraße bedrohe, sondern auch kleine Feste. Jüngst habe man beim Grünstadter Weinfest beobachten können, wie aufwendig es sei, ein Sicherheitskonzept zu erstellen, das dem Gesetz gerecht werde.
Auch mit Blick auf die Asselheimer Kerwe hat die Stadt nun vorgesorgt und sechs große Sicherheitsbarrieren bestellt, die man auf den Zufahrten aufstellen kann. Wagner möchte auch mit der Verbandsgemeinde kooperieren und zusammen mit ihr einen größeren Fundus einrichten, auf den beide Gebietskörperschaften zugreifen können.
Von kleineren Veranstaltern, die wegen des Gesetzes absagen mussten, hat Wagner zwar noch nicht gehört. „Ich bin aber sicher, dass das kommen wird“, sagt er.
Matthias Kunkel blickt zurück: „Der Erlebnistag hat viele Jahre lang für die ganze Weinstraße eine Strahlkraft gehabt, die ihresgleichen gesucht hat.“ Der Tourismus-Chef der Verbandsgemeinde Wachenheim war zuvor städtischer Touristiker in Grünstadt und Geschäftsführer des Tourismusvereins „Leiningerland. Das Tor zur Pfalz“. Wegen der erforderlichen Sicherheitskonzepte hätten nun aber andere Vorzeichen gegolten. Daher sei das Aus absolut nachvollziehbar. „Ich denke, jetzt ist es wichtig, dass man sich als Region kurz schüttelt und dann überlegt, was man tun kann. Das gilt sowohl für die einzelnen Gemeinden entlang der Strecke, als auch für den Hauptinitiator, die Pfalzwein-Werbung“, sagt Kunkel. Es sei umso wichtiger, neue Wege zu gehen. „Wir sind Touristiker, wir sind kreativ und findig und benötigen dabei auch starke, aktive Kräfte hinter uns, um etwas Neues auf die Beine zu stellen“, erklärt Kunkel. Dabei könne es sich um eine ähnliche oder auch um ein ganz andere Veranstaltung handeln. „Wir sind alle gut vernetzt und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um gemeinsam darüber zu sprechen, was man tun kann.“
Alternativen müssen noch geprüft werden
Ob es im Leiningerland eine Alternative geben könnte, müsse man noch prüfen, sagt Wagner. Immerhin habe man sonst immer viel Geld investiert, das durch die Absage frei werde. Er selbst könnte sich schon vorstellen, eigeninitiativ tätig zu werden, das müsse aber im Tourismusverein besprochen werden.
Wagner verweist aber auf eine ähnliche Veranstaltung, die in diesem Jahr stattfinden wird: das Autofreie Eistal. Hier habe sich die Verbandsgemeinde Eisenberg bereit erklärt, als Veranstalter aufzutreten. In Kooperation mit der VG Leiningerland und der Stadt Grünstadt stelle man ein Sicherheitskonzept auf die Beine, das dem Gesetz gerecht werde. Wagner: „Ich hoffe, dass es funktioniert. Mal sehen, wie groß der Aufwand wird.“