Eisenberg / Grünstadt / Rockenhausen
Schüsse auf Eisenberger Marktplatz: So kam es zur Fehde
Scheiben bersten, Schreie hallen durch die Nacht, es wird geschossen, ein verletzter 25-Jähriger liegt in einer Blutlache: An einem späten Sonntagabend im März 2022 erschütterte ein Gewaltausbruch auf ihrem Marktplatz die Stadt Eisenberg. Die Polizei hat anschließend intensiv ermittelt. Um Beteiligte zu entdecken, werteten die Strafverfolger Handydaten aus. Und um dem Anlass für den Zusammenstoß auf die Spur zu kommen, stellten sie mutmaßlichen Mitwissern Fragen.
Schweigsame Zeugen
Doch der Erfolg dieser Recherchen blieb überschaubar. Die Polizei hatte es offenbar mit einem Umfeld zu tun, in dem Menschen generell nicht gerne mit ihr reden. Und mit Zeugen, die aus Angst vor Beteiligten möglichst wenig sagen wollen. Also ist bis heute offen, wer dem damals 25-Jährigen ein Messer ins Gesäß gerammt hat. Aber immerhin haben die Ermittler einen Mann identifiziert, der das Opfer mit einer Billard-Queue schlug. Und sie wissen, wer auf dem Marktplatz die Schüsse abfeuerte.
Die beiden Täter aus Grünstadt sitzen deshalb an diesem Mittwoch auf der Anklagebank im Amtsgericht Rockenhausen – zusammen mit einem Mann aus der Verbandsgemeinde Leiningerland, der ebenfalls mitgemischt haben soll. Dessen Verteidiger allerdings meint: Ihm lässt sich nur nachweisen, dass er vor Ort war. Am Gewaltausbruch selbst habe er sich aber nicht beteiligt, und deshalb sei er freizusprechen. Ob es dazu kommt, wird allerdings erst in einem weiteren und dann wohl aufwendigeren Prozess entschieden.
Deal mit der Justiz
Über die beiden Grünstadter hingegen kann das Amtsgericht nach wenigen Stunden sein Urteil fällen. Denn sie gestehen, nachdem ihnen die Justiz im Gegenzug Milde in Aussicht gestellt hat. Der eine Grünstadter räumt ein: Er hat beim Krawall auf dem Eisenberger Marktplatz mehrfach mit einer scharfen Pistole in die Luft geschossen – aber nur, um so die Prügelei zu beenden. Und sein Bruder bekennt: Er hat mit der Billard-Queue zugeschlagen – aber ohne zu wissen, um was es bei der Prügelei überhaupt ging.
Zum Grund der Fehde kann auch deren Opfer nichts sagen. Der damals 25-Jährige war nach Ermittler-Einschätzung nur zufällig vor Ort, die Angreifer haben ihn wohl irrtümlich verprügelt und niedergestochen. Als einziger Zeuge soll er im Prozess nun auch nur sagen, ob er bleibende Schäden davongetragen hat. Er versichert, dass es ihm gut gehe. Dann nimmt er die Entschuldigung seines Peinigers an, nennt ihn „Bruder“, bittet ihn – warum auch immer – ebenfalls um Verzeihung. Und wird vom Richter ermahnt.
Versöhnung auf Türkisch
Der pocht darauf, dass der Prozess auf Deutsch geführt wird, doch Täter und Opfer sind während ihres Versöhnungsdialogs ins Türkische verfallen. Von dort kommen die Vorfahren des Zeugen. Die Angeklagten wiederum sind dort geboren und teils auch aufgewachsen. Sie haben eigenen Angaben zufolge nur wenig Schulbildung bekommen, sich in Deutschland unter anderem mit Arbeiten in der Gastronomie durchgeschlagen – wobei der eine der Brüder als Selbstständiger gescheitert und in der Privatinsolvenz gelandet ist.
Der andere hat derweil diverse Vorstrafen angesammelt: zum Beispiel wegen eines illegalen Autorennens. Und wegen Körperverletzung. Der Gewaltausbruch auf dem Eisenberger Marktplatz beschert den zwei Grünstadtern nun Bewährungsstrafen, außerdem müssen sie vierstellige Beträge an den Eisenberger Tafel-Verein Brücke zahlen. Und in seiner Urteilsbegründung liefert der Richter dann nach, was die Ermittler über die Gründe für den Gewaltausbruch auf dem Marktplatz herausgefunden haben.
Demnach trafen dort zwei rivalisierende Gruppen aufeinander, die jeweils durch Verwandtschaftsverhältnisse geprägt sind. Mutmaßlicher Anlass für ihre Fehde: Ein Mitarbeiter eines Friseurgeschäfts war aus Grünstadt nach Eisenberg gewechselt und damit vom einen zum anderen Lager übergelaufen.
