Grünstadt
Pflegeheim: Das bietet das Leiningerland für Demenzkranke
Die Pro Seniore Residenz Rosengarten in Obrigheim ist auf 100 Pflegeplätze inklusive zwölf Kurzzeitpflegeplätze ausgelegt, davon 30 im geronto-psychiatrischen Bereich, der überwiegend mit Demenzerkrankten belegt ist. „Dieser Wohnbereich ist teilbehütet, was bedeutet, dass beispielsweise die Ausgangstür zum Treppenhaus und die Aufzugtüren als solche nicht sofort erkennbar sind, da die Türen mit einer Fotofolie, die ein Bücherregal darstellt, versehen sind, der Aufzug ist lediglich mit Schlüssel abrufbar – alles Dinge, die für einen kognitiv eingeschränkten Menschen eine Hürde darstellen“, sagt Sabrina Bergemann, die Residenzleitung.
Die Demenzkranken tragen zusätzlich Orientierungsbänder, die die Pflegekräfte informieren, sobald der Bewohner seinen Bereich verlässt. „Der Vorteil dieser Armbänder besteht darin, dass Menschen mit einer leichten bis mittleren Hinlauftendenz sich weiterhin frei bewegen können, jedoch bedeutet es ein Plus an Sicherheit, da die Mitarbeitenden informiert sind“, erklärt sie.
Der Träger Pro Seniore betreibe zwei eigene Pflegefachschulen, eine im Schwarzwald und eine im Saarland, letztere sei eine internationale Ausbildungsstätte mit Absolventen aus Europa und anderen Kontinenten, die intensiv auf den Pflegeberuf in Deutschland vorbereitet würden. „Darüber hinaus rekrutieren wir Fachkräfte aus Asien und Afrika“, bestätigt Bergemann und ergänzt: „Derzeit haben wir sechs Auszubildende in der Generalistik, ab Oktober haben wir vier weitere Azubis dazu gewonnen.“ Freie Plätze würden in der Regel umgehend wieder belegt. „Wir führen keine offizielle Warteliste, da wir in ein relativ enges Netzwerk von Einrichtungen unseres Trägers eingebunden sind und daher fast immer eine Lösung oder Alternativen anbieten können“, betont die Leiterin.
Der Sonnenhof Atrium in Hettenleidelheim bietet 85 Betten an, unterteilt in mehrere Wohnbereiche: die „Normalstation“ mit rund 57 Betten und den Wohn- und Demenzbereich mit 30 Betten. „Der Demenzbereich ist teilgeschützt, nicht geschlossen, das Weglaufen wird mit einem personalisierten Notfallarmband kontrolliert“, sagt Isolde Maschwitz vom Sonnenhof. Durchschnittlich kämen pro Monat etwa 30 Anfragen nach Dauerplätzen, wobei die Nachfrage nach Demenz- und herkömmlichen Plätzen etwa gleich sei. „Unsere Warteliste liegt bei sechs bis 12 Wochen“, weiß sie. Glücklicherweise gebe es im Sonnenhof genügend Personal, Ausbildungsplätze werden fünf angeboten. „Wir rekrutieren nicht selbst Personal aus dem Ausland, stellen aber Fachpersonal aus dem Ausland ein und sind dann bei allen anfallenden Anforderungen zum Anerkennungsverfahren in Deutschland behilflich“, betont sie.
DasAzurit Seniorenzentrum Zehnthof in Eisenberg hat 114 Betten, davon 22 in der „Behüteten-Station“, in der die Demenzkranken wohnen. Die Station ist nicht geschlossen. „Es gibt eine Tür mit Lichtschranke, die mit Zahlencode ausgeschaltet wird – geht man durch die Tür, ohne den Zahlencode einzugeben, wird eine Nachricht auf die Handys der Mitarbeiter geschickt, die dann nachsehen können, wer durch die Tür gegangen ist“, erklärt Hendrik Meinen, der Hausleiter.
Derzeit gebe es 18 offene Anfragen, davon fünf für die Behüteten-Station. „Wir erhalten pro Monat sicherlich rund 40 Anfragen oder mehr, auch aus Krankenhäusern und von Privatpersonen“, sagt er. Gutes Personal werde immer gesucht, auch für Elternzeitvertretungen. Ausländische Fachkräfte gebe es derzeit keine im Azurit, lediglich bei den Schülern. Meinen sagt: „Wir haben aktuell vier Schüler aus Kamerun und zwei aus Kenia, insgesamt machen zehn Schüler bei uns die Ausbildung zur Pflegefachkraft.“
Das DSK-Seniorenzentrum Eisenberg bietet 81 Betten auf drei Pflegestationen. „Wir haben sehr viele Anfragen im Monat, manchmal zehn und mehr“, betont Dorota Sadurski; die Leiterin der Einrichtung. Die Demenzstation ist offen, die Demenz-Bewohner tragen Armbänder mit Sensoren. „Personell sind wir gut aufgestellt, rekrutieren kein Personal aus dem Ausland und stellen bis zu 13 Auszubildende ein“, teilt sie mit.
Das Haus am Leininger Unterhof in Grünstadtverfügt über 103 Langzeit- und 15 Tagespflegeplätze, die derzeit alle belegt sind. „Für weitere Interessenten gibt es eine Warteliste, die aktuell rund 20 Personen beinhaltet, pro Monat erhalten wir durchschnittlich 20 bis 30 Anfragen zu Langzeitpflegeplätzen“, weiß Corinna Müller-Erb, die Referentin für Unternehmenskommunikation und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Eine separate Demenzstation ist nicht vorhanden, die Pflegeplätze für demenzerkrankte Menschen sind stattdessen in die einzelnen Wohnbereiche integriert. „Für die Betreuung unserer Bewohner und Bewohnerinnen mit Demenz sind die Pflegekräfte speziell nach der Methode der Validation nach Naomi Feil geschult und können entsprechend auf Menschen mit Hinlauftendenz eingehen“, sagt sie. Der Vorteil dieses Systems sei, dass die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt, sondern durch einen Transponder in Form einer Armbanduhr ein Alarm ausgelöst wird, sobald vordefinierte Schutzzonen überschritten werden, beispielsweise wenn das Haus verlassen wird, fährt Feil fort.
Um dem allgemeinen Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setze das Haus am Leininger Unterhof gezielt auf Nachwuchskräfte. So würden aktuell zehn Pflegefachfrauen und -männer ausgebildet, von denen fünf im nächsten Jahr ihre Ausbildung mit dem Examen abschließen würden. Zudem absolvierten drei Schülerinnen und Schüler ihre Altenpflegehilfe-Ausbildung in der Einrichtung. „Aus dem Ausland wurden bislang noch keine Fachkräfte für unser Haus rekrutiert, dies wäre bei Bedarf jedoch grundsätzlich vorstellbar“, sagt sie.
Das Azurit Seniorenzentrum Grünstadthat 140 Pflegeplätze, davon stehen 17 für Menschen mit fortgeschrittener Demenz zur Verfügung. Wie in den meisten Einrichtungen im Leiningerland gibt es für die Demenzkranken einen offenen, behütenden Bereich. Das heißt, es ertönt ein Signalton auf dem Telefon der Pflegekräfte, wenn jemand die Station verlässt. Der Vorteil bei Personalengpässen, beispielsweise durch Krankheit, sei, dass man sich innerhalb der Azurit-Gruppe aushelfen könne. Stephanie Schott, die Hausleiterin, bestätigt, dass aktuell über das Projekt Vietnam auch Fachkräfte aus dem Ausland eingestellt würden.