Grünstadt
Obrigheim: Welcher Schuleingang ist der richtige? Frust im Rat, bei Eltern und Lehrern
Die Frage, ob es an der Grundschule Obrigheim einen neuen Eingang geben soll, ist in der jüngsten Ratssitzung nicht geklärt worden. Dabei hat die Gemeinde nicht mehr so viel Zeit – schließlich ist die Sanierung der Schule in vollem Gange. Schulvertreter und FWG wollen einen neuen Eingang. SPD und CDU wollen den alten sanieren. Die Schulleiterin will den Kampf nicht aufgeben.
Bettina Göbel kann das Ergebnis der Abstimmung im Rat vom Mittwochabend nicht so einfach hinnehmen. Deswegen hat die Schulleiterin der Obrigheimer Grundschule am Tag danach einen Brief an die Ratsmitglieder geschrieben und sie für gestern Nachmittag in die Schule geladen. Sie wollte zeigen, warum eine Verlegung des Haupteingangs sinnvoll ist. Acht Leute kamen: Drei FWG-ler, zwei CDU-ler und drei Mitglieder des Elternbeirats. Die Schule ist derzeit eine Baustelle, sie wird rundum saniert, überall sind Handwerker zu Gange.
Was spricht für neuen Eingang?
Der Schuleingang ist heute über den Gasseweg zu erreichen. Die Laufwege hätten sich aber verändert, sagt Schulleiterin Göbel: Die meisten Kinder erreichten über Hesselweg und Schulhof die Schule. Ein neuer Eingang, den man vom Schulhof aus erreichen kann, wäre zum einen für die Besucher gleich findbar, zum anderen könnten die Lehrer vom Klassensaal aus sehen, wer vor der Tür steht. Auch das Aufstellen morgens vor Schulbeginn und das Erreichen der Nachmittagsbetreuung im Keller wären einfacher.
Es sind nur ein paar Meter
Steht man vor dem Schulhaus, handelt es sich nur um sieben bis zehn Meter, die der Eingang nach links verlegt werden soll – für die Schulleiterin geht es aber um viel mehr als diese paar Meter. Es sei sinnvoll, den Eingang ans heutige Treppenhaus anzuschließen, findet sie. Die Schule würde – wenn man einen neuen Schuleingang an die Fensterfront des Treppenhauses andockt – einen ganzen Raum dazugewinnen. Das heutige Foyer könnte dann für die Bücherei, für die Arztliege oder Differenzierungsunterricht genutzt werden. Hinzu komme, dass die Schülerzahl (derzeit: 88 Kinder, fünf Klassen) auf absehbare Zeit steige und dann zusätzliche Zimmer gebraucht werden. Heute ist ein Klassenzimmer (das man künftig brauchen werde) von der Bücherei belegt.
Die Haltung der FWG-Fraktion
Die FWG-Fraktion teilt die Argumentation der Schulleiterin und der Elternvertreter – wohl auch deshalb, weil die Mitglieder bei einem Ortstermin im Oktober von der Sinnhaftigkeit überzeugt worden sind.
Wolfgang Nitzsche (FWG) bekannte, vorher skeptisch gewesen zu sein: „Ich bin überzeugt worden, dass wir mit dieser Lösung langfristig die Zweizügigkeit sichern können. Das ist sinnvolles Geld, das wir investieren.“ Auch die Aussicht, das Foyer nutzbar machen zu können und einen Raum zu gewinnen, ist für die FWG ein schlagendes Argument. „Die Chance kriegen wir nie mehr so billig“, fand Rainer Wolf (FWG). Stefan Müsel (FWG) verwies darauf, dass auch der Architekt den Vorschlag teile, den Eingang zu verlegen.
Die Sicht von SPD und CDU
Die SPD-Fraktion sieht keine Notwendigkeit, den Eingang zu verlegen. Siegfried Sell-Sommerrock (SPD) sagte: „Ich bin der Meinung, dass wir den alten Eingang so lassen, wie er ist.“ Für einen zusätzlichen Umbau bekomme man keinen Zuschuss. Loella Muth (SPD) erklärte: „Ich verstehe den Wunsch. Aber ich sehe die Kosten als enorm hoch.“ Sie habe als Schülerin den jetzigen Eingang benutzt, das sei auch noch keine Jahrhunderte her: „Es war kein Problem.“Loella Muth verwies auf die Verschuldung von Obrigheim und äußerte die Befürchtung, dass die Kreisverwaltung angesichts der 8-Millionen-Euro Schulden weiter „drücken“ könnte. Dem im Rat vorgebrachten Argument der Schulleiterin, es sei auch aus organisatorischen Gründen besser, den Eingang zu verlegen, entgegnete Muth: „Dann ist die Organisation in der Schule nicht richtig da, wenn’s jetzt nicht funktioniert.“ Elternvertreter Tobias Knoll widersprach dieser Aussage postwendend.
CDU-Sprecher Andreas Artz wollte das Thema im Haupt- und Finanzausschuss besprochen sehen. Auch er führte die Finanzen ins Feld: Die Rosengarten-Empore sei mangels zweitem Rettungsweg nicht nutzbar, eben weil die Gemeinde sich aus finanziellen Gründen so entschieden habe. Analog müsse das auch für den Schuleingang gelten. SPD und CDU bilden im Rat eine Koalition.
Die Kosten
Ortsbürgermeister Stefan Muth (SPD) kritisierte in der Sitzung mehrfach, dass ihm Zahlen fehlten, die die Verbandsgemeinde nicht beigebracht habe: „Ich möchte die Zahlen haben und fertig.“ Zahlen waren ein Problem bei der Ratssitzung. Nicht nur deswegen, weil der SPD- und der CDU-Fraktion Zahlen (die es gibt) offenbar vom Bürgermeister nicht weitergeleitet worden waren. Sondern auch deswegen, weil die Ratsmitglieder in der Diskussion mit verschiedenen Zahlen jonglierten – ohne dass eine gemeinsame Gesprächsbasis vorhanden war.
Die Frage, was Variante A und Variante B denn kosten würden und wo die Differenz liegt, kann nicht so einfach beantwortet werden – weil man für beide Fälle hin- und herrechnen kann.
Die Baubeigeordnete Nicole Eicher (FWG) verwies im RHEINPFALZ-Gespräch darauf, dass die Verbandsgemeinde eine Zahlenbasis zur Verfügung gestellt hat: So würde es 134.000 Euro kosten, den Haupteingang zu verlegen. 118.000 Euro müssten ausgegeben werden, um den alten Eingang wieder herzurichten.
Was muss bedacht werden?
Nun geht es in Obrigheim nicht nur um einen Schuleingang für einen 60er-Jahre-Bau. Es geht auch darum, was mit einem in die Jahre gekommenen Schulteich und herumliegendem Erdaushub passieren soll.
Beigeordnete Eicher sagte im RHEINPFALZ-Gespräch, in der Kostenberechnung von 134.000 Euro (neuer Zugang) seien der Bau der neuen Außentreppe vom Schulhof ins Treppenhaus, ein neuer Mehrzweckraum (Ex-Foyer), das Planieren des Geländes und der Abriss der alten Treppe enthalten. Mit dem Erdaushub, der herumliegt, könnte der Teich verfüllt werden. „Gewonnen haben wir einen Fluchtweg, einen zusätzlichen Raum und einen sauberen Außenbereich, der für viele schulische Zwecke genutzt werden kann.“ Würde man den Zugang zur Schule dort belassen, wo er ist, müsse man die oberen Fenster des Treppenhauses reparieren. Sie sollen sich eigentlich automatisch öffnen, wenn es raucht, seien aber defekt. Der Erdaushub müsse kostenpflichtig entsorgt und eine teure Brandschutztür (15.000 Euro) angeschafft werden.
Verschiedene Ansichten
Ortsbürgermeister Muth argumentierte, man müsse nicht alles machen, was jetzt in der Planung sei. Eine Minimallösung für den jetzigen Eingang reiche aus. Für diese Lösung habe die Verbandsgemeinde aber keine Zahlen geliefert.
Von einer Minimal-Lösung hält die Beigeordnete Eicher nichts: Damit wäre die Situation ja schlechter als vor der Schulsanierung, sagte sie.
Ralf Hepp von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde hatte den Ratsmitgliedern in der Sitzung gesagt, dass eine Entscheidung über den Eingang schnell gefällt werden müsse, weil es sonst zu Bauverzögerungen kommen könnte.
Der Rat hat dann mit der Mehrheit von SPD und CDU entschieden, nicht zu entscheiden. Das Thema kommt also noch einmal auf die Tagesordnung der Ratsmitglieder. Schulleiterin Göbel hofft, in der Zwischenzeit noch das ein oder andere Ratsmitglied vom neuen Eingang überzeugen zu können.