Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Zwischenbilanz: So steht es um das Grünstadter Krankenhaus

Hier mussten sich zuletzt mehr Patienten behandeln lassen als erwartet: Kreiskrankenhaus Grünstadt.
Hier mussten sich zuletzt mehr Patienten behandeln lassen als erwartet: Kreiskrankenhaus Grünstadt.

Das Grünstadter Krankenhaus hat zuletzt weniger Miese gemacht als gedacht. Doch der Verlust wird wieder wachsen. Wie nun über den Fortbestand des Hospitals gesprochen wird.

Das Kreiskrankenhaus Grünstadt steht finanziell viel besser da als erwartet. Statt eines kalkulierten Defizits von 825.000 Euro zum Ende des dritten Quartals 2025 hat die Klinik mit einem negativen Saldo von 187.000 Euro einen deutlich kleineren Fehlbetrag erwirtschaftet. Darüber informierte Verwaltungsdirektor Markus Kieser in der jüngsten Sitzung des Krankenhausausschusses. „Bei einer linearen Hochrechnung auf das gesamte Jahr kommen wir auf ein Minus von einer Viertelmillion Euro, wobei wir im Wirtschaftsplan von 1,1 Millionen Euro ausgegangen waren“, erläuterte er.

Hauptgrund für diese erfreuliche Entwicklung sei der Transformationskostenausgleich, den die Bundesregierung aufgelegt habe. Von den deutschlandweit bereitstehenden vier Milliarden Euro profitieren die Kliniken in Rheinland-Pfalz seit November ein Jahr lang durch einen pauschalen Rechnungszuschlag von 3,25 Prozent für die Behandlung von gesetzlich versicherten Patienten. „Damit bleibt allerdings weiterhin eine Finanzierungslücke bestehen“, sagte Kieser mit Blick auf die hohe Inflation, die 2022 und 2023 zu verkraften gewesen war. Der Zuschuss müsste nicht 3,25, sondern vier Prozent betragen. Weitere Gründe für das voraussichtlich massiv verbesserte Jahresergebnis sind die Erhöhung des Basisfallwertes – dieser repräsentiert den Preis eines durchschnittlichen Patientenfalls – und die starke Belegung des 184-Betten-Hauses.

Größte Steigerung in der Chirurgie

Bis zum 30. September sind laut dem entsprechenden Zwischenbericht zur Gewinn- und Verlustrechnung 80 Menschen mehr stationär therapiert worden als geplant: statt 6339 waren es 6419. Die maßgebliche positive Abweichung von der Kalkulation hat es mit 307 Patienten in der chirurgischen Abteilung gegeben. Bis zum Ende des dritten Quartals sind dort 2981 Kranke behandelt worden. Ein weiteres Plus hat es im Bereich Hals-Nase-Ohren gegeben: 278 statt 261 Patienten.

Zum Wirtschaftsplan 2026 erläuterte Kieser, dass der Transformationskostenausgleich dann noch bis einschließlich Oktober entlastend wirken werde. Anschließend falle diese Einmal-Unterstützung aber wieder weg. Doch schon vorher werden sich neue Unterdeckungen auftun, denn „man nimmt uns gleich im kommenden Jahr wieder etwas weg“, schaute er auf eine erhebliche Kürzung bei der turnusmäßigen Anhebung des Landesbasisfallwertes.

Kliniken wird wieder Geld weggenommen

Bislang sei die Steigerung an die Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherungen gekoppelt gewesen. Um knapp zwei Milliarden Euro einzusparen, wurde allerdings in Berlin beschlossen, sich künftig lieber an den statistischen Orientierungswert zu halten, der die Kostensteigerungen in den Kliniken widerspiegelt. „Nun wird unser Budget um maximal 2,98 Prozent wachsen und nicht um bis zu 5,17 Prozent“, so der Verwaltungsdirektor über die Konsequenzen.

Der Feststellung des scheidenden Grünstadter Bürgermeisters Klaus Wagner (CDU), dass das Hospital vom Streichkonzert der Krankenhausreform wohl nicht betroffen sein wird, da ja vom Land die Genehmigung zum Umbau erteilt wurde, teilte Kieser. Die Politik habe erkannt, sagte er, dass es keinen Sinn hätte, die ländlichen Gebiete von der medizinischen Versorgung her auszudünnen, da die Wege zu einer großen Klinik in einer Metropole unverhältnismäßig lang würden.

Modernisierung soll 2028 beginnen

Er gehe aktuell davon aus, dass mit der Umgestaltung und der Erweiterung des Kreiskrankenhauses – bei laufendem Betrieb – 2028 begonnen werde. Wie berichtet, steht eine umfassende Modernisierung des Gebäudekomplexes für, Stand jetzt, rund 105 Millionen Euro an: Bis 2035 soll es keine Drei- und Vierbett-Zimmer mehr geben, die Notfallambulanz muss bis dahin deutlich vergrößert werden, die Geriatrie erhält einen Anbau und es wird ein Bereich für ambulante Operationen geschaffen.

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