Grünstadt
Sorge um Krankenhaus: Kreis will Millionensumme investieren
Das Kreiskrankenhaus Grünstadt funktioniert in seiner bisherigen Ausstattung gut, betonte Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU). Aber es muss sich gegen das Kliniksterben wappnen. Um seinen Bestand auch in Zukunft zu sichern, soll es umgestaltet und erweitert werden. Im Fokus der großen Modernisierung steht der Umbau der Zimmer, die keinesfalls mehr dem Standard entsprechen, die Neugestaltung der Notfallambulanz und der Geriatrie sowie die Etablierung eines ambulanten OP-Bereichs. Damit soll der Standort der Klinik auch in Zeiten großer Umbrüche im Gesundheitssektor erhalten bleiben. Durch die beschlossene Krankenhausreform, die am 1. Januar in Kraft trat, werde sich die Kliniklandschaft massiv verändern, sagte Verwaltungsdirektor Markus Kieser.
Klimaschutz im Fokus
Das Großprojekt sei schon Ende vergangenen Jahres beschlossen worden, erklärte Ihlenfeld bei der jüngsten Sitzung des Krankenhausausschusses und berichtete: „Einen entsprechenden Antrag haben wir am 19. Dezember 2024 beim Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit gestellt.“ Für die Finanzierung von investiven Aufwendungen der Klinik sei das Land zuständig. Inzwischen habe Mainz den Bedarf anerkannt sowie das neue Funktions- und Raumprogramm freigegeben. Kieser verwies auf das Alter des Gebäudes, das 58 Jahre auf dem Buckel habe. „Mit dieser Bausubstanz sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen“, verdeutlichte er. Insofern müsste das Haus energetisch ertüchtigt werden. Ebenso sei im Sinne des Erhalts der Hygieneanforderungen eine mittelfristige Sanierung erforderlich und der Austausch des Wassernetzes unabdingbar.
Auch sei die bauliche Struktur nicht mehr zeitgemäß. So etwa die vorhandenen Drei- und Vierbett-Zimmer. Standard seien heute Doppelzimmer. „Die Nasszellen-Situation ist dringend verbesserungswürdig“, erläuterte er und führte aus: „Mit Ausnahme der geburtshilflichen Station verfügen zu wenige Patientenzimmer über eine eigene Dusche.“ An der aktuellen Bettenanzahl von 184 werde sich nichts ändern, dennoch wird eine vierte Etage auf den Bestand aufgesetzt, weil durch die Umstrukturierung mehr Platz benötigt werde. Das Kreiskrankenhaus müsse sich zukunftsgerecht aufstellen, es gehe auch um die Optimierung der organisatorischen Abläufe.
Fachbereiche werden erweitert
Kieser schaute auf das nächste Projekt: „Die Notfallambulanz ist viel zu klein.“ Es sei geplant, ein interdisziplinäres Notfallzentrum zu schaffen. Darin integriert werden sollte die kassenärztliche Bereitschaftspraxis, die sich derzeit im ehemaligen Kiosk gegenüber der Rettungswache befindet. Auch die Röntgenabteilung aus dem zweiten Stockwerk soll ins Erdgeschoss verlagert und angegliedert werden an das neue Zentrum. Dieses wird die Anlaufstelle für alle Notfallpatienten sein. Dort ist dann zu entscheiden, wohin sie geschickt und behandelt werden. An die Geriatrie wird ein Erweiterungsbau angesetzt. Der OP-Bereich wird durch einen Neubau vergrößert, der südlich des Bettentraktes und westlich des Hubschrauberlandeplatzes angesiedelt sein wird. „Bisher haben wir vier Operationssäle für stationäre und ambulante chirurgische Eingriffe. Vorgesehen ist, zwei zusätzliche Räume zu schaffen, in denen ausschließlich nicht stationäre OPs vorgenommen werden“, erklärte Kieser.
Das Ministerium habe zur Erstellung einer Entwurfsplanung aufgerufen, so Ihlenfeld. Jetzt gehe es darum, dafür ein Ingenieurbüro zu finden. Zu diesem Zweck werde – mit professioneller Unterstützung für 20.000 bis 30.000 Euro – ein sogenanntes Verhandlungsverfahren mit Teilnehmerwettbewerb in Gang gesetzt. Dabei verhandelt der öffentliche Auftraggeber mit ausgewählten Unternehmen über deren Angebote. Diese Vorgehensweise, die bei äußerst komplexen Projekten sinnvoll sei und drei bis vier Monate dauere, bringe einen Zeitvorteil und reduziere die Risiken, so Kieser. Einstimmig gab der Ausschuss der Verwaltungsdirektion grünes Licht, das Verfahren einzuleiten. Der Kreistag wird darüber Ende Mai entscheiden.
Bürgermeister: Projekt ist „alternativlos“
Die grob geschätzten 105 Millionen Euro Gesamtkosten sollen mit einer Mischung aus Mitteln verschiedener Quellen finanziert werden. Als Gros werde eine Förderung vom Land erwartet. „Wir rechnen damit, einen Eigenanteil in Höhe von rund 25 Millionen Euro stemmen zu müssen“, sagte Ihlenfeld. Letzterer setze sich aus Rücklagen und Darlehen des Krankenhauses sowie Geld aus dem Kreishaushalt zusammen. Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) sieht das Projekt als alternativlos an, um den größten Arbeitgeber der Stadt an seinem Standort zu halten und die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sichern.
2027 könnte mit den Arbeiten begonnen werden. Die Herausforderung dabei sei, dass diese während des laufenden Betriebs zu erfolgen hätten, sagte Kieser. „Deshalb muss nach einem sehr gut durchdachten Konzept vorgegangen werden“, erläuterte er. Als geschätzte Bauzeit gab er sieben Jahre an. „Allerdings wird man schon bei Abschluss der Zwischenschritte deutliche Verbesserungen wahrnehmen können“, so der Verwaltungsdirektor.