Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Sirenen: Nach Pannen-Probealarm nächster Anlauf

Beim ersten Test vor einem Monat hat nur sie geheult: Sirene der Grünstadter Feuerwache.
Beim ersten Test vor einem Monat hat nur sie geheult: Sirene der Grünstadter Feuerwache.

Grünstadt hat fünf nagelneue Sirenen, doch beim ersten großen Test Anfang Februar blieben vier der Geräte stumm. An diesem Samstag steht ein neuer Versuch an. Werden diesmal alle funktionieren? Und gibt es künftig einen allmonatlichen Probealarm?

Was genau ist beim letzten Mal schiefgegangen?
Eigentlich hätten alle fünf Sirenen am ersten Februar-Samstag um 11.45 Uhr losheulen sollen. Dass sie jederzeit in Betrieb gehen können, war aus Sicht der Stadtverwaltung im Prinzip schon geklärt. Denn die Geräte waren erst wenige Tage zuvor aufgestellt, danach für die Öffentlichkeit unhörbar getestet worden. Dabei hatten sie allesamt funktioniert. Beim lautstarken Testlauf sollten sie allerdings über die Zentralsteuerung vom Computer aus aktiviert werden. Und das hat dann doch nicht geklappt. Angesprungen ist nur die Sirene auf dem Feuerwehrhaus – nachdem sie „manuell“ ausgelöst worden war. Es hatte also vor Ort jemand auf einen Einschaltknopf gedrückt.

Ganz altmodisch auf einen Knopf drücken, wenn die Computer-Steuerung streikt: Ginge das auch bei den anderen Sirenen?
Die vier weiteren neuen Sirenen sind auf dem Feuerwehrhaus, dem Rathaus, dem Stadtwerke-Areal in der Max-Planck-Straße sowie in Sausenheim und Asselheim platziert. An allen fünf Standorten gibt es laut Stadtverwaltung jeweils einen Einschaltknopf. Doch normalerweise sollen die Geräte zentral vom Computer aus in Gang gesetzt werden. Zugriff aufs System hat die Feuerwehr in ihrer Einsatzzentrale, ausgelöst werden kann der Alarm außerdem über die Integrierte Leitstelle in Ludwigshafen und das Modulare Warnsystem des Bundes (Mowas).

Wäre Grünstadt weitgehend ungewarnt geblieben, falls es vor vier Wochen nicht um einen Testlauf, sondern einen richtigen Alarm gegangen wäre?
Wenn große Gefahr droht, sollen die Menschen auf verschiedenen Wegen gleichzeitig alarmiert werden. So würde ausgeglichen, wenn einzelne Systeme ausfallen. Die Verwaltung spricht von einem „Warnmittel-Mix“, zu dem neben den Sirenen auch zum Beispiel Radio- und Fernsehdurchsagen, Lautsprecherwagen und aufs Handy geschickte Botschaften gehören.

Wie bekommt die Stadtverwaltung bei einem Probealarm überhaupt mit, ob die Sirenen funktionieren?
Ob die Sirenen angesprungen sind, kann nur „akustisch überprüft werden“. Weil niemand alle fünf Geräte auf einmal hören und voneinander unterscheiden kann, müssen Lauscher an den verschiedenen Standorten die Ohren spitzen – und eben auch aufmerksam werden, wenn sie zur vorgesehenen Zeit nichts hören. Laut Stadtverwaltung passen vor allem die überall im Stadtgebiet lebenden Feuerwehrleute auf.

Wird wieder jemand auf den Knopf drücken, wenn der Computer-Start der Sirenen an diesem Samstag erneut scheitert?
Dass jemand händisch eingreift, ist diesmal nicht vorgesehen. Wenn die Computer-Steuerung tatsächlich wieder versagen würde, blieben demnach alle fünf Sirenen stumm.

Hat die Stadtverwaltung mittlerweile herausgefunden, wo genau vor vier Wochen das Problem lag?
Ein Rathaus-Sprecher sagt: „Grund für die Probleme war eine fehlerhafte Programmierung der Funkalarmierung.“ Mittlerweile habe die Herstellerfirma diesen Makel beseitigt. Und es sei auch schon getestet worden, ob das System nach diesem Eingriff tatsächlich funktioniert. Hörbar war das allerdings nicht: Bevor die Anlagen probeweise loslegten, waren ihre Lautsprecher wieder stummgeschaltet worden.

Wenn die Geräte auch heimlich, still und leise getestet werden können: Welchen Sinn hat der laute Probealarm?
Bei den alten, pilzförmigen Sirenen gab es für den monatlichen Probealarm gute technische Gründe. Der Rathaus-Sprecher erläutert: An diesen Geräten gab es mechanische Teile, die sich festsetzen konnten. Die modernen Anlagen hingegen sind leistungsstarke Lautsprecher, bei denen dieses Risiko wegfällt. Trotzdem sollen sie „bis auf Weiteres“ an jedem ersten Samstag im Montag losheulen. Zweck der Übung: Die Grünstadter sollen sich an die Geräuschkulisse gewöhnen – und sich sicher fühlen.

Was die verschiedenen Heultöne bedeuten

Mit den modernen Grünstadter Sirenen könnten auch vorab eingespeicherte Sprachdurchsagen übertragen werden. Allerdings lassen sich allein mit den verschiedenen Heultönen ebenfalls differenzierte Botschaften übermitteln. Wenn Sirenen dreimal 15 Sekunden lang tröten, ist das ein Signal für die Feuerwehrleute: Sie werden zu einem Großeinsatz gerufen. Wenn die Sirene eine Minute lang mit auf- und abschwellendem Ton vor sich hinheult, richtet sich das an alle: Es droht Gefahr. Um was es geht und wie sie sich schützen sollen, erfahren die Menschen dann zum Beispiel aus dem Radio, dem Internet oder durch Warn-Apps. Und wenn die Sirenen die Stadt wie beim Probealarm eine Minute lang mit einem gleichbleibenden Ton beschallen, dann bedeutet das: Entwarnung, die Gefahr ist gebannt.häm

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