Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Sirenen im Probealarm: Nur eine von fünf hat geheult

Ermöglicht auch Durchsagen: neue Sirene auf dem Grünstadter Rathaus.
Ermöglicht auch Durchsagen: neue Sirene auf dem Grünstadter Rathaus.

Grünstadt hat fünf nagelneue Sirenen, beim Probealarm am Samstag hätten sie zum ersten Mal lautstark heulen sollen. Doch vier der fünf Anlagen blieben stumm. Der Ordnungsamtschef erklärt, wo das Problem lag.

Wie viele Sirenen hatte Grünstadt zuletzt noch?
Einst hatte Grünstadt vier Sirenen. Doch nachdem der Kalte Krieg vorbei war und die Wehrleute mit Funk-Alarmpiepsern ausgestattet worden waren, galten solche Geräte bundesweit als verzichtbar: Sie blieben nur noch in Betrieb, wenn das ohne größeren Aufwand möglich war. Also wurde eine Sirene auf dem Alten Rathaus in Asselheim einfach abgebaut, als das Gebäude verkauft wurde. Und jene auf dem Grünstadter Rathaus war zwar noch da, aber sie funktionierte nicht mehr. Blieben nurmehr zwei: eine auf dem Bauhof-Gelände in der Schlachthofstraße und eine im Asselheimer Bauweg, wo ein Mast steht.

Wie viele hat Grünstadt jetzt?
Jetzt hat die Stadt fünf nagelneue Sirenen. Ersetzt worden sind die alten auf dem Alten Rathaus in Asselheim und die auf dem Rathaus in Grünstadt, für drei weitere gibt es neue Plätze: Eine steht auf dem Feuerwehrgebäude, eine bei den Stadtwerken in der Max-Planck-Straße und eine auf dem Sausenheimer Sportheim.

Aufgestellt worden sind sie erst Ende der vergangenen Woche. Hätte das nicht viel schneller gehen sollen?
Es hat sich tatsächlich länger hingezogen als gedacht. Denn seit Ereignissen wie der Ahrtal-Flut wollen sich viele Kommunen wieder besser für Katastrophen wappnen. Entsprechend gefragt sind Anbieter, die solche Systeme installieren. Die Stadtverwaltung hatte zunächst Probleme, überhaupt jemanden dafür zu finden.

Ist das Stadtgebiet nun abgedeckt?
Fachleute haben vorab berechnet, wie die Sirenen im Stadtgebiet verteilt werden müssen. Mindest-Ziel dabei: Ihre Töne sollen mit gut 60 Dezibel vernehmbar sein. Das entspricht ungefähr dem Lärmpegel eines zehn Meter entfernten Rasenmähers. Ordnungsamtsleiter Jürgen Bracht sagt: Dieser Wert wird praktisch überall erreicht.

Kann nur heulen: Sirene der herkömmlichen Bauart.
Kann nur heulen: Sirene der herkömmlichen Bauart.

Können die neuen Sirenen nur heulen?
Mit den Sirenen können laut Bracht künftig auch vorab eingespeicherte Durchsagen gemacht werden. Entsprechende Texte sind in Grünstadt aber noch nicht hinterlegt.

Gibt es verschiedene Heultöne?
Ja, heulen können die Sirenen in drei verschiedenen Varianten. Wenn sie dreimal 15 Sekunden lang tröten, ist das ein Signal für die Feuerwehrleute: Sie werden zu einem Großeinsatz gerufen. Wenn die Sirene eine Minute lang mit auf- und abschwellendem Ton vor sich hinheult, richtet sich das an alle: Es droht Gefahr. Um was es geht und wie sie sich schützen sollen, erfahren die Menschen dann zum Beispiel aus dem Radio, dem Internet oder durch Warn-Apps. Und wenn die Sirenen die Stadt eine Minute lang mit einem gleichbleibenden Ton beschallen, bedeutet das: Entwarnung, die Gefahr ist gebannt.

Funktionieren die neuen Sirenen auch bei Stromausfall?
Die Sirenen haben Akkus. Deren Energie-Vorrat reicht für vier Alarm-Schübe. Danach schweigen sie.

Hat beim ersten Probealarm am Samstag alles geklappt?
Laut Ordnungsamtschef Bracht hat nur die Sirene auf dem Feuerwehrhaus geheult, die vier anderen blieben stumm. Allerdings seien die Anlagen direkt nach ihrem Aufbau bei niedriger Lautstärke getestet worden, und da hätten sie funktioniert.

Chef des Ordnungsamts: Jürgen Bracht.
Chef des Ordnungsamts: Jürgen Bracht.

Wo lag dann das Problem?
Bracht geht davon aus, dass wegen Verbindungsproblem das per Funk übermittelte Startsignal nicht bei den Geräten ankam. Die Anlage auf dem Feuerwehrhaus sei dann „manuell“ ausgelöst worden. Zu Deutsch: Jemand hat vor Ort auf einen Knopf gedrückt.

Wie geht’s jetzt weiter?
Die Sirenen-Installateure sollen dafür sorgen, dass die Geräte künftig tatsächlich per Funk erreichbar sind. Bracht geht davon aus, dass das auch ohne allzu große Probleme hinzukriegen ist: „Vielleicht waren ja nur falsche Kanäle eingestellt.“ Und am 4. März steht der nächste Probealarm an. Denn getestet wird an jedem ersten Samstag im Monat um 11.45 Uhr – dabei muss sich Grünstadt ab jetzt auf einen höheren Lärmpegel einstellen.

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