Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Medizinstudium mit Stipendium: Ein Traum geht in Erfüllung

Hussam Al Sholi aus Eisenberg mit Flüchtlingshelferin Anneliese Ecker-Henn, die ihn seit Jahren unterstützt.
Hussam Al Sholi aus Eisenberg mit Flüchtlingshelferin Anneliese Ecker-Henn, die ihn seit Jahren unterstützt.

Er hatte den Traum Medizin zu studieren – und durch Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, harte Arbeit und Mut ist er für Hussam Al Sholi in Erfüllung gegangen. So kam es dazu.

Schon als Kind habe er den Wunsch gehabt, kranken und verletzten Menschen zu helfen, erzählt der angehende Medizin-Student. Der in Syrien geborene Al Sholi, der seit 2014 mit seiner Familie in Eisenberg wohnt, hat noch viele Erinnerungen an sein Geburtsland und auch an Libyen, wo er mit seiner Familie nach der Flucht einige Zeit lebte. „Die Bilder, die ich aus dieser Zeit in meinem Kopf habe, haben mir bereits als Kind gezeigt, dass die Welt nicht immer ein schöner Ort ist“, sagt der 20-Jährige. Er habe viel Leid, Krankheit und Elend gesehen und sich gefragt, warum den davon Betroffenen nicht geholfen werden kann. „Dadurch bin ich geprägt worden, und so entstand der Wunsch, Medizin zu studieren, um als Arzt unabhängig von Herkunft, Alter und Status Bedürftigen helfen zu können“, betont er.

Erst im Sommer hat der junge Mann, der perfekt Deutsch spricht, als einer der Besten seines Jahrgangs sein Abitur an der IGS Eisenberg gemacht und sich direkt beim Programm „Ärzte für die Westpfalz“ um ein Stipendium beworben. Flüchtlingshelferin Anneliese Ecker-Henn, die ihn immer sehr unterstützt habe, machte ihn auf das Programm aufmerksam, „und ich sah darin eine echte Option zu den sonstigen Möglichkeiten für einen Studienplatz in Medizin“, erzählt Al Sholi. Und tatsächlich bekam er eine Zusage. Der Verein vergab vier Vollstipendien – eines davon an Al Sholi – und zwei Teilstipendien. Nun kann er in der Stadt Pecs in Ungarn Medizin studieren.

Studiengebühren in Höhe von 7500 Euro

Da es in Deutschland jede Menge Hürden und vor allem die Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium gebe, sei er gerne auf einen Studienplatz im Ausland ausgewichen, berichtet der 20-Jährige. Gleichzeitig wird er damit auch seinen Beitrag zum Kampf gegen den Ärztemangel in Deutschland beitragen. Er verpflichtet sich nämlich mit der Annahme des Stipendiums dazu, nach Beendigung seines Studiums fünf Jahre als Arzt in der Westpfalz zu arbeiten – beispielsweise in einem Krankenhaus oder in einer Praxis im ländlichen Raum.

Über das Stipendium sind die Studiengebühren in Höhe von 7500 Euro pro Semester abgedeckt, die Kosten für Wohnung und Lebenshaltungskosten will Al Sholi über Erspartes – nach dem Abitur hat er beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz als Helfer im Sozialdienst gearbeitet – und Auslands-Bafög finanzieren. Die Hälfte davon sei ein Zuschuss, die andere Hälfte könne mit Beginn der Berufstätigkeit zurückgezahlt werden. „Mit Silas Mweri aus dem Kreis Bad Kreuznach, der auch ein Stipendium über den ,Verein Ärzte für die Westpfalz’ erhalten hat, will ich mir eine gemeinsame Wohnung in Pecs suchen“, berichtet der junge Mann. „Ich fliege bereits am 31. Juli und mache noch einen Vorkurs an der Fakultät, der empfohlen wird.“

Zu helfen steht über wirtschaftlichen Interessen

Al Sholi bringt die besten Voraussetzungen für das Studium mit, hat er doch seinen Traum, Arzt zu werden, nie aus den Augen verloren und zielstrebig seinen Weg verfolgt. „Ich war schon immer sehr neugierig, wenn es um Biologie ging, und Themen rund um den menschlichen Körper, Krankheiten und ihre Entstehung haben mich immer fasziniert“, erzählt er. So habe er sich auch außerhalb der Schule für medizinische Entwicklungen interessiert, wie beispielsweise für die CRISPR-Cas9-Technologie, mit der gezielt gegen genetische Erkrankungen vorgegangen werden kann. „In solchen Themen sehe ich eine riesige Chance, die Medizin weiterzuentwickeln, wobei mich im Studium besonders die naturwissenschaftlichen Fächer wie Anatomie, Physiologie und Genetik interessieren, aber auch Bereiche wie Neurologie und Notfallmedizin“, fasst er zusammen. Bei der Wahl der späteren Fachrichtung sei er noch offen, wobei ihn momentan die Bereiche Orthopädie, Neurologie, Kardiologie sowie Notfallmedizin am meisten interessieren.

Langfristig möchte Al Sholi nicht nur in Deutschland arbeiten, sondern auch Menschen helfen, die aus sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen keinen Zugang zu ärztlicher Behandlung haben. „Eine spätere Mitarbeit bei Organisationen wie ,Ärzte ohne Grenzen’ ist für mich eine echte Option, denn für mich steht die Hilfe am Menschen über wirtschaftlichen Interessen“, sagt der angehende Medizinstudent.

Darüber hinaus träume er davon, eines Tages auch zur medizinischen Forschung beizutragen. „Die Vorstellung, medizinisches Wissen weiterzuentwickeln und damit künftige Behandlungen zu verbessern, motiviert mich zutiefst und ist eines meiner Lebensziele“, betont er und ergänzt: „Ich weiß, dass es ein langer Weg ist, aber ich bin bereit, alles für eine Zukunft zu geben, in der mehr Menschen eine gute Behandlung bekommen können und in der eine medizinische Versorgung nicht vom Wohnort oder Einkommen abhängt – und außerdem vollende ich mit diesem Weg den Traum meiner Mutter.“

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