Hettenleidelheim
Landesweit Spitzenreiter: Was dieses Pflegeheim so besonders macht
Besser geht es nicht: Mit einer glatten Eins hat der Medizinische Dienst (MD) der Pflegekassen das Seniorenheim Sonnenhof Atrium in Hettenleidelheim bewertet. Jährlich klopfen die Gutachter bundesweit an die Türen von Pflegeeinrichtungen, um sie genau unter die Lupe zu nehmen. Bereits in den Vorjahren habe der Sonnenhof dabei sehr gut abgeschnitten, sagt Manfred Fell, Hauptgeschäftsführer der Sonnenhof Atrium Senioren- und Pflegeheim GmbH. Dass der MD diesmal keinerlei Mängel festgestellt habe – „das habe ich noch nie erlebt“, so Fell.
In der Regel dauert eine MD-Prüfung, die gesetzlich vorgeschrieben ist, ein bis zwei Tage. Dabei werten die Prüfer alle wichtigen Akten aus und schauen sich die Räumlichkeiten an, sagt Daniel Webels, der gemeinsam mit Mensura Ramic als Doppelspitze die Pflegedienste im Sonnenhof leitet. „Neun Bewohner werden in einer Stichprobe zufällig ausgewählt, denen die Prüfer dann mehrere Fragen zur Versorgungssituation stellen“, so Webels. Geschaut werde unter anderem darauf, wie die Senioren bei der Medikamentenaufnahme, bei der Mobilität oder beim Essen und Trinken unterstützt werden. Ebenso achten die MD-Mitarbeiter darauf, wie die Pfleger den Bewohnern bei bestimmten Krankheitsbildern helfen – beispielsweise beim Schmerzmanagement.
Hohe Fachkraftquote, höherer Anspruch
Fell führt das perfekte Abschneiden auch auf die Personalsituation im Sonnenhof zurück. Während viele andere Pflegeheime händeringend nach Fachkräften suchen, befinde sich die Pflegeeinrichtung in Hettenleidelheim in einer glücklichen Situation. Demnach sei sie auch in der Lage, Bewerbungen „einfach zurückzuweisen“, betont der Geschäftsführer. Insgesamt beschäftige der Standort mehr als 100 Voll- und Teilzeitkräfte. Hohen Wert lege der Betrieb zudem auf die Küche: Zwölf Mitarbeiter seien dort beschäftigt, darunter drei Köche, die überwiegend frisch kochen. Mit David Stein gebe es zudem einen eigenen „Hausbutler“, der die Heimbewohner umsorgt.
„Unser Anspruch ist es, die Bewohner so lange wie möglich fit und aktiv zu halten“, sagt Christin Guthermuth, Leiterin für den Bereich Überleitungspflege. Darin geht es um die temporäre Pflege von Menschen, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. Wer an Freizeit- und Kreativangeboten nicht teilnehmen wolle, werde dazu allerdings auch nicht genötigt, so Guthermuth. Einen hohen Stellenwert im Heim hätten zudem regelmäßige Gespräche mit den Bewohnern – um herauszufinden, was gut oder weniger gut läuft. „Wir haben zum Beispiel eine spezielle Person im Haus, die einfach die Leute immer wieder besucht und nichts verlangt, sondern einfach nur zuhört, was die Wünsche, Bedürfnisse und Ängste sind“, so die Leiterin.
„Unsere Klientel ist anspruchsvoll und auch bereit, mehr zu zahlen“, sagt Fell. Einer der Bewohner ist etwa Dieter Schroth, der ehemalige Lebensgefährte von Harald Glööckler. „Mir geht es hier gut, ich wurde sehr gut aufgenommen“, sagt der 76-Jährige, der in seinem neuen Zuhause öfter Besuch von seinen beiden Töchtern bekomme. Nur ein vorübergehender Bewohner ist dagegen Horst Galenschowski. Aufgrund einer Sturzverletzung kuriere er sich gerade im Pflegeheim aus, erzählt der 80-Jährige, während ihn gerade seine Frau besucht. Als typisches Pflegeheim empfinde sie die Einrichtung nicht – mehr als Hotel, sagt sie.
„Verstehen uns auch als sozialer Betrieb“
Bei den Zimmern setzt die Einrichtung mehr auf Qualität statt Quantität. „Wir haben vor sieben bis acht Jahren die Pflegeplätze bewusst reduziert“, sagt Fell. Konkret heißt das: Aus Doppel- wurden Einzelzimmer, da die Nachfrage nach Räumen mit mehreren Betten deutlich gesunken sei. Aktuell verzeichne der Sonnenhof in Hettenleidelheim 88 Pflegeplätze.
Gleichzeitig betont der Geschäftsführer, dass er seine Einrichtung auch als sozialen Betrieb verstehe. „Wir haben hier einen Anteil an Menschen, die aus dem dörflichen Bereich kommen und hier ihren Lebensabend verbringen wollen“, so Fell. Die Kosten würden dann über andere Heimbewohner, die mehr Geld in der Tasche haben, quer finanziert werden. Hierbei entscheide der Heimbeirat, der sich aus fünf Bewohnern zusammensetzt und alle zwei Jahre neu gewählt wird.
Gründung einer Stiftung als Ziel
Seit 1983 gibt es das Sonnenhof Atrium in Hettenleidelheim. Es ist allerdings nicht das einzige Pflegeheim, das Fell als Mitgesellschafter der Sonnenhof-Gruppe betreibt. Auch in Frankfurt leitet er ein Seniorenheim, in dem laut eigenen Angaben rund 150 Mitarbeiter beschäftigt sind. „Uns geht es nicht um Rendite“, sagt der Diplomkaufmann, der seinen Doktortitel in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim gemacht hat. Nach dem Tod der Gesellschafter solle etwa die Sonnenhof-Gruppe als Kapitalgesellschaft in eine Stiftung überführt werden, um einem Verkauf oder einer Zerschlagung vorzubeugen. „Wir wollen nicht zum Spielball von irgendwelchen Investoren werden“, sagt Fell.