Quirnheim RHEINPFALZ Plus Artikel Im siebten Anlauf: Quirnheim hat einen neuen Bürgermeister

Auch der Verbandsgemeinde-Chef ist dabei: Frank Rüttger sowie die Ratsmitglieder Christian Nothof und Ernst Eymann (von links) l
Auch der Verbandsgemeinde-Chef ist dabei: Frank Rüttger sowie die Ratsmitglieder Christian Nothof und Ernst Eymann (von links) leeren die Urne mit den Stimmzetteln.

Sechsmal fand sich im Rat niemand, der Nachfolger des nur noch geschäftsführenden Ortschefs Hubert Deubert werden wollte. Nun aber hat es doch noch geklappt: Quirnheim hat einen neuen Bürgermeister, er heißt Michael Kernst. Warum er so lange gezögert hat.

Bereits bei der Kommunalwahl 2019 war Hubert L. Deubert (parteilos) nach einem Vierteljahrhundert als ehrenamtlicher Ortschef nicht mehr angetreten. Bürgermeister wurde Rainer Merz (FWG), aber die Phase der Entspannung währte für den Vorgänger nicht lange: Der neue Mann an der Spitze erkrankte, und Deubert wurde 2021 der Nachfolger seines Nachfolgers. 2024 wollte er das Amt dann endlich loswerden, doch es fand sich kein Kandidat. Also blieb der Architekt geschäftsführend auf dem Chefsessel hocken, ließ aber keine Gelegenheit aus, zu verkünden, dass er abdanken wolle. Schließlich sagte er klipp und klar: „Zum Jahreswechsel höre ich auf.“

Immer nur Schweigen

Fortan gab es bei jeder Ratssitzung den Tagesordnungspunkt „Wahl des Ortsbürgermeisters“. Dieser war immer schnell abgehandelt, denn auf die Frage, wer die Geschicke des 830-Seelen-Dorfes lenken will, erntete Deubert nur Schweigen. Nach der sechsten Runde machte er deutlich, dass es nun einige ernste Gespräche geben werde und am 19. Dezember die Würfel zu fallen hätten. Besagte Zusammenkunft am Donnerstag startete zu ungewöhnlich krummer Zeit um 18.45 Uhr, hatte ein außerordentlich großes Publikum angelockt und wurde – wie es nur selten der Fall ist – von Frank Rüttger (CDU), dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, begleitet.

Nachfolger und Vorgänger: Michael Kernst und Hubert Deubert.
Nachfolger und Vorgänger: Michael Kernst und Hubert Deubert.

Deubert stellte seine Frage pro forma zum siebten Mal. Und wie es nach den intensiven Unterredungen hinter den Kulissen zu erwarten war, schlug Johannes Eckhard (CDU) den Freien Wähler Michael Kernst vor. Der hatte sich bei der Konstituierung zum Ersten Beigeordneten wählen lassen und nickte: „Ja, ich kandidiere.“ Deubert machte keinen Hehl aus seinem Ärger darüber, dass sich erst jetzt ein Bewerber gefunden hatte. Das dauernde Schweigen im Rat habe im Hintergrund viel Wirbel erzeugt, auf der Ebene der VG und des Landkreises Bad Dürkheim habe man sich jede Menge Gedanken gemacht – und Strategien entwickelt für den Fall, dass Quirnheim bis 31. Dezember immer noch keinen Bürgermeister gehabt hätte.

Eine Nein-Stimme

Das Schweigen gab es diesmal nur auf die Frage nach weiteren Vorschlägen. Und so wurden Stimmzettel ausgeteilt und Rüttger rief die Mandatsträger nacheinander auf, in die Wahlkabine zu gehen und ihr Kreuzchen zu machen. Christian Nothof (FWG) und Ernst Eymann (WG Würtz) drehten die Urne um und zählten aus: Von den zwölf abgegebenen Stimmen lauteten elf „Ja“ und eine „Nein“. Nach der ordnungsgemäßen Ernennung und Vereidigung dankte Kernst für das Vertrauen und sagte: „Hubert hinterlässt sehr große Fußstapfen. Da muss ich erst hineinwachsen.“

Glückwünsche vom Verbandsgemeinde-Chef: Michael Kernst mit Frank Rüttger.
Glückwünsche vom Verbandsgemeinde-Chef: Michael Kernst mit Frank Rüttger.

Der neue Bürgermeister, dessen Großvater Jakob Würtz vor Deubert Ortschef war, sitzt bereits seit sechs Jahren im Rat. Bei der Kommunalwahl im Juni hatte er mit Abstand die meisten Stimmen der 630 Wahlberechtigten auf sich vereinen können. Auf ihn entfielen 474. Warum er sich mit diesem klaren Auftrag der Einwohner nicht schon früher zu einer Bewerbung um den Posten des Ortschefs durchringen konnte, erklärte der Kfz-Mechanikermeister und verheiratete zweifache Vater damit, dass man das Ehrenamt ja auch mit dem Beruf und der Familie in Einklang bringen müsse.

Vom Rat gedrängt

„Nach der letzten Sitzung war fast der gesamte Gemeinderat auf mich zugekommen und hat mich bearbeitet“, erzählte der 53-Jährige, der sich letztendlich vor vier Wochen einen Ruck gab. Hubert Deubert als Geschäftsführer der Belange Quirnheims habe keine Dauerlösung sein können, bekräftigte Rüttger. „Quirnheim war unser Sorgenkind. Nun ist es endlich gelungen, hier auch einen Bürgermeister zu finden“, sagte er und wünschte Kernst „ein glückliches Händchen“ – nicht ohne zu versichern, dass die VG ihn unterstützen werde.

Die neue Dorfspitze: Quirnheims Bürgermeister Michael Kernst und die Erste Beigeordnete Carina Lang.
Die neue Dorfspitze: Quirnheims Bürgermeister Michael Kernst und die Erste Beigeordnete Carina Lang.

Mit Deuberts Fortgang gehe eine Ära zu Ende, er habe den Ort nachhaltig geprägt. „Es ist aller Ehren wert, was Hubert Deubert geleistet hat“, so der Verwaltungschef. Besonders anzuerkennen sei es, dass er sich weiterhin zur Verfügung gestellt habe, obwohl er schon längst eine andere Lebensplanung gehabt habe. Rüttger dankte Deubert für die stets gute Zusammenarbeit und überreichte ein Präsent, wie er auch schon eines an Kernst als Willkommensgruß übergeben hatte.

Neue Erste Beigeordnete

Da Kernst zuvor Erster Beigeordneter war, musste nun ein Ersatz gefunden werden. Eymann schlug Carina Lang (FWG) vor. Bei einer Enthaltung wurde sie einstimmig gewählt. Die promovierte Agrarwissenschaftlerin ist „ganz frisch im Rat“, wie sie sagte. Bei der Kommunalwahl hatte sie die zweitmeisten Stimmen erhalten (409). Der Vater der 36-Jährigen, Karl-Heinz Lang, sei auch mal der Stellvertreter des Bürgermeisters gewesen.

x