Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel IGS-Abschlussfeier: Warum gleich eine ganze zehnte Klasse geehrt wurde

Geehrte Zehntklässler der IGS Grünstadt (von links): Sara Blase, Pauline Riechert, Kai Kreutzenberger, Lilly Behr, Anna Hardt, F
Geehrte Zehntklässler der IGS Grünstadt (von links): Sara Blase, Pauline Riechert, Kai Kreutzenberger, Lilly Behr, Anna Hardt, Fabrice-Torben Schüler, Tamira da Trindade, Read Kakora, Alissa Dietz, Halime Kaykusuz und Fatima Babayeva (stellvertretend für die Klasse 10a).

Von einem Top-Jahrgang hat sich die Integrierte Gesamtschule (IGS) Grünstadt verabschiedet. Geehrt wurde erstmals eine ganze zehnte Klasse: weil die Jugendlichen sich so vorbildlich um eine Mitschülerin gekümmert haben, die Corona in den Rollstuhl zwang.

Bislang wurde der Preis für Mitmenschlichkeit, Toleranz und Integration der Stiftung des Landkreises Bad Dürkheim stets einer einzelnen Person überreicht, die sich besondere Verdienste erworben hat. Bei der Abschlussfeier für den zehnten Jahrgang an der IGS Grünstadt am Montag wurde mit der Auszeichnung die gesamte Klasse 10a gewürdigt. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) sagte: Die Mädchen und Jungen haben sich in großartiger Weise um ihre Mitschülerin Lea Schütze gekümmert. Die Carlsbergerin hatte sich im Sommer 2021 mit Corona infiziert und konnte anschließend wegen Long Covid monatelang nicht am Unterricht teilnehmen. Unter anderem war sie gelähmt.

Mit Lehrstoff versorgt

„Die Klassenkameraden haben Lea, etwa per Video, zuverlässig und konstant mit Lehrstoff versorgt und immer mit ihr Kontakt gehalten“, lobte Ihlenfeld. Und als sie dann – im Rollstuhl sitzend – im zweiten Halbjahr wieder an die Schule zurückkehrte, sei die 10a in einen barrierefreien Klassensaal umgezogen. Der Carlsbergerin, die unbedingt die Oberstufe besuchen will, sei es „mit Fleiß, Verstand, Optimismus und nicht zuletzt aufgrund der Unterstützung der 10a gelungen“, dieses Ziel zu erreichen, so der Landrat, der Fatima Babayeva stellvertretend für die ganze Klasse den Preis übergab.

Für vorbildliche Haltung und beispielhaften Einsatz in der Schule wurden zwei Schülerinnen aus der 10b ausgezeichnet. „Leider hat uns das Bildungsministerium diesen Preis nicht geschickt und wir mussten ihn über unseren Förderverein zur Verfügung stellen“, sagte der Stufenleiter Jörg-Stefan Petschat zur RHEINPFALZ. Mit überdurchschnittlichem Engagement zum Wohl der Schulgemeinschaft in verschiedenen Ämtern und durch ihre verantwortungsvolle Art hatten sich Lilly Behr und Pauline Riechert hervorgetan, wie der stellvertretende Direktor Ulrich Rosner sagte.

Weisheiten von Udo Jürgens

Um den Absolventen die eine oder andere Weisheit mit auf den Weg zu geben, analysierte der Konrektor das Udo-Jürgens-Lied „Heute beginnt der Rest deines Lebens“. Was die Zeile „Das Glück erfassen statt nur suchen nach mehr“ bedeutet, machte er an der Geschichte eines Jungen deutlich, der einen schönen Schmetterling fangen wollte, aber am Ende keinen im Kescher hatte, weil er immer wieder einen vermeintlich noch hübscheren Falter entdeckte. „Es ist eine Kunst, mit dem Glück, das man hat, zufrieden zu sein“, erläuterte Rosner.

Der Ratschlag aus dem Song, das zu tun, was man will und das zu wollen, was man tut, beschreibe zwei Seiten einer Medaille. Denn man könne sich aktiv für eine Handlung entscheiden (etwa die Werkstatt zu kehren), um ein Ziel (nämlich die handwerkliche Ausbildung abzuschließen) zu erreichen. „Von jetzt an sein statt haben“ drücke aus, dass es wichtiger sei, wer man ist als was man ist.

Nur 14 gehen auf den Arbeitsmarkt

Der stellvertretende Schulleiter machte den 78 Jugendlichen klar, dass sie „in der Welt da draußen mit Fachkräftemangel und Krisen aller Art“ dringend gebraucht werden. Allerdings werden von den 77 Zehntklässlern mit Sekundarabschluss I nur 14 tatsächlich auf den Arbeitsmarkt gehen. Einer mit Berufsreife wird versuchen, über eine andere Schule die Mittlere Reife doch noch zu schaffen. 63 Jungen und Mädchen haben das Abitur im Blick. 48 von ihnen werden dafür einfach auf der IGS bleiben, was laut Petschat ein extrem hoher Anteil ist.

Lilly Behr, Marleen Flörchinger und Anne Hibinger zogen in ihrer Schülerrede eine positive Bilanz der Schulzeit, in der sie erwachsen geworden seien. Sie hätten gelernt, ihre Stärken zu nutzen und ihre Schwächen zu besiegen. Elternsprecher Stephan Schlossareck äußerte die Hoffnung, dass im Rucksack der Absolventen das notwendige Werkzeug für den weiteren Lebensweg enthalten sei. Er lobte sie für ihr Unterhaltungsprogramm, mit dem sie die Feier gestalteten. Das waren zum einen musikalische Beiträge unter Leitung von Frederic Zeiler, bei denen Anna Hardt, Julia Rosa, Tamira da Trindade und Nina Wiekiewicz mit Gesang beeindruckten. Zum anderen das lustige Quiz „Wer wird IGSionär?“, bei dem Lehrer knifflige Fragen zu beantworten hatten, etwa nach der Mehrzahl von Milch und der Anzahl der Buchstaben im hawaiianischen Alphabet. Den Pokal ergatterte Margit Liedtke-Zieroth.

Die Geehrten

Lilly Behr (Preise für vorbildliche Haltung sowie in Deutsch und Englisch); Sara Blase (Klassenbeste 10c, Preis in Sport); Alissa Dietz und Halime Kaykusuz (Klassenbeste 10d); Anna Hardt (Preis in Musik); Read Kakora (Preis in Sport); Kai Kreutzenberger (Preis in Mathematik); Pauline Riechert (Klassenbeste 10b und Jahrgangsbeste mit einem Notenschnitt von 1,08, Preise für vorbildliche Haltung, in Physik und Biologie); Fabrice-Torben Schüler (Klassenbester 10a, Preise in Forschen und Entdecken sowie in Gesellschaftskunde); Tamira da Trindade (Preis in Musik); Klasse 10a (Preis der Kreisstiftung).abf

Geehrte Neuntklässler: Alisha Kempf und Niklas Hofrath mit dem stellvertretenden Direktor Ulrich Rosner.
Geehrte Neuntklässler: Alisha Kempf und Niklas Hofrath mit dem stellvertretenden Direktor Ulrich Rosner.
x