Grünstadt „Ich mag die Herzlichkeit der Pfälzer“

Dieses 1897 eingeweihte Rathaus ist der Sitz des Hermsdorfer Bürgermeisters Benny Hofmann.
Dieses 1897 eingeweihte Rathaus ist der Sitz des Hermsdorfer Bürgermeisters Benny Hofmann.
Herr Hofmann, am 20. November 1998 haben Ihr Vorgänger Gerd Pillau und der damalige Grünstadter Bürgermeister Ludwig Weber die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Sie sind ja nach der Wende geboren, kennen die deutsche Teilung nicht. Was bedeutet für Sie die Partnerschaft mit Grünstadt?

Ja, ich kam am 19. April 1990 in einem Staat auf die Welt, den es nicht mehr gibt, und zu einer Zeit, als sich schlagartig alles änderte. Durch meine Eltern erfuhr ich, dass man in der DDR zwar einen relativ hohen Lebensstandard hatte, aber es mit der Freiheit problematisch war. Als Wendekind bin ich sehr, sehr froh darüber, dass ich in einem wiedervereinigten Deutschland aufwachsen durfte. Aus der Stadtgeschichte und meinem neuen Amt weiß ich um die große Hilfe, die uns aus Grünstadt zuteil wurde. Als Startpakete bekamen wir zum Beispiel medizinische Geräte und im Westen ausrangierte Fahrzeuge, die bei uns noch gute Dienste leisteten. Dafür bin ich sehr dankbar. Um diese Unterstützung verbindlich zu gestalten, wurde acht Jahre später die Partnerschaft begründet. Es gibt immer wieder Forschungsergebnisse, die zeigen, dass sich viele Ostdeutsche als Bürger zweiter Klasse fühlen. Wie sehen Sie das? Wir sind dankbar, dass baulich sehr viel getan wurde und wir inzwischen eine gute Infrastruktur haben. Thema Nummer eins sind bei uns aber die nach wie vor bestehenden großen Lohndifferenzen im Vergleich zum Westen. Nach nunmehr 28 Jahren wird es Zeit, auch in diesem Punkt die deutsche Einheit zu vollziehen. Politisch scheint die DDR-Zeit noch Nachwehen zu haben, jüngstes Beispiel sind die Ereignisse in Chemnitz. Ist so eine Radikalisierung auch in Hermsdorf zu spüren? Ganz klar: nein. Wir sind kommunalpolitisch sehr ausgeglichen und leben die pure Demokratie. Im Stadtrat sitzen vier Fraktionen mit jeweils fünf Personen: CDU, SPD, Die Linke und die Bürgerinitiative Holzland. Dazu ich als Parteiloser mit der 21. Stimme. Insgesamt sehe ich bei uns im Saale-Holzland-Kreis keine Gefahr von rechts. Und auch nicht auf Landesebene, obwohl die AfD im thüringischen Parlament sitzt und wohl stärker werden wird. Den Löwenanteil besetzen aber Mitglieder der etablierten Parteien. Nachdem die Regierung lange Zeit CDU-geführt war, ist sie nun rot-rot-grün. Zurück zum Austausch: Sind es immer dieselben Leute, die daran teilnehmen? Nein, es sind nicht stets dieselben Personen. Es sind verschiedene Teilnehmer und darunter sind auch jüngere Leute. Maßgeblich handelt es sich um wechselnde Mitglieder von Vereinen. Die Maibaumgesellschaft besucht meist die Asselheimer Kerwe und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr das jährliche Rockfest der Grünstadter Wehr. Es haben sich gute Freundschaften entwickelt. Im Jubiläumsprogramm stehen kleine Führungen und Essen im Fokus. Ist so eine Gestaltung des Treffens für Sie in Ordnung oder wollen Sie daran etwas ändern? Nein, daran möchte ich nichts ändern. Die traditionelle Programmgestaltung wird von beiden Seiten geschätzt. Ich war ja schon mehrfach als Vorsitzender der Maibaumgesellschaft in Grünstadt und habe schöne Erinnerungen daran. Ich mag die Herzlichkeit der Pfälzer. In ihrer Feierfreudigkeit und ihrem Lebensmut sind sie mit uns Thüringern von einem Schlag. Haben Sie mal erlebt, dass Sie wegen Ihres Dialektes von „Wessis“ als „Ossi“ aufgezogen wurden? (lacht) Nein, in der Hinsicht habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht. Allerdings werden wir oft mit Sachsen verwechselt. Programm —Heute, 19.30 Uhr: Begrüßung beim Pfälzer Abend im Weingut Schenk-Siebert, Sausenheim. —Morgen, Samstag, 11 Uhr: Führung durch Neuleiningen durch die Kultur- und Weinbotschafterin Anja Rudolph, auf der Burg begrüßt Weingräfin Julia IV; 13 Uhr: Kellerführung mit Weinprobe und Imbiss im Weingut Schmitt-Weber in Obrigheim; 18 Uhr: Jubiläumsfestabend im Weinstraßencenter Grünstadt mit 75 geladenen Gästen. —Sonntag, 30. September, 11 Uhr: Führung über die Alla-Hopp-Anlage durch Bürgermeister Klaus Wagner (CDU); 12.30 Uhr: Mittagstisch im Bistro „Lebensreich“, Grünstadt.

Im 1755 errichteten Barockbau im Kreuzerweg residiert der Grünstadter Bürgermeister Klaus Wagner.
Im 1755 errichteten Barockbau im Kreuzerweg residiert der Grünstadter Bürgermeister Klaus Wagner.
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