Meinung
Grünstadter Demokratie-Demo: Wo der Gottesmann politisch werden darf
Ob in deutschtümelnder Monarchie oder gar während des Nationalsozialismus: Gerade protestantische Amtsträger hatten in der Geschichte einen Hang dazu, sich den jeweils gerade Mächtigen anzudienen – und sich damit, aus späterer Warte betrachtet, auf die falsche Seite zu schlagen. Das Wissen darum sollte die Talar-Träger von heute davor bewahren, allzu eifrig zu politisieren.
Außerdem sind Theologen keine Fachleute für alles und jeden. Natürlich dürfen sie eine Meinung dazu haben, wie hoch genau bestimmte Sozialleistungen ausfallen sollten oder ob ein Tempolimit für den Klimaschutz sinnvoll wäre. Wenn aber kirchliche Amtsträger ihre jeweilige Position gewollt oder ungewollt mit ihrer geistlichen (Rest-)Autorität vertreten, wird das schnell übergriffig.
Es geht ums große Ganze
Denn viele Detailfragen kann man anders beurteilen als mancher Geistlicher, ohne dass man deshalb gleich ein schlechter Christenmensch wäre. Doch das Engagement des Grünstadter Pfarrer Andreas Funke ist trotzdem legitim. Bei seinen Kundgebungen „für Demokratie und Freiheit“ geht es schließlich nicht ums tagespolitische Klein-Klein, sondern ums große Ganze.
Und da darf sich ein Gottesmann durchaus berufen fühlen – auch wenn er sich dabei an die Seite jener stellt, die von vermeintlich Alternativen als abgehobene Herrscherkaste diffamiert werden. Denn auch das gehört zu den Lehren aus der (Kirchen-)Geschichte: Ein Mob ist nicht schon allein deshalb im Recht, weil er sich als Volkes Stimme vorstellt und dabei ungehobelt auftritt.
