Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Globus erweitert Selbstzahlerkassen: Wie der Markt gegen Diebstahl vorgeht

Der neue Selbstzahlerbereich ist größer und bietet Kunden mehr Möglichkeiten, so der Geschäftsleiter Olaf Fischer.
Der neue Selbstzahlerbereich ist größer und bietet Kunden mehr Möglichkeiten, so der Geschäftsleiter Olaf Fischer.

Der Supermarkt hat den Bereich, in dem Kunden sich selbst abkassieren können, ausgebaut. Vier Optionen stehen den Menschen beim Einkaufen zur Verfügung. Deren Meinungen gehen allerdings auseinander.

Der Globus in Grünstadt hat den Selbstzahlerbereich ausgebaut und vor wenigen Tagen eröffnet. Dort können die Kunden ihre Einkäufe abrechnen, ohne von einem Kassierer bedient zu werden. Nachdem laut Olaf Fischer, Geschäftsleiter der Globus-Markthalle in Grünstadt, bereits 30 Prozent der Kunden das Selbstzahlangebot in Anspruch nehmen, wurde dieser Bereich nun erweitert.

Mehrere Möglichkeiten zum Bezahlen

Hintergrund der Entscheidung sei die Nachfrage gewesen sowie die Flexibilität, die der Supermarkt den Kunden bieten wollte. Es habe sich gezeigt, dass die Zone, in der die Kunden ihre Einkäufe selbst abrechnen können, zu klein sei, sagt Fischer. „Mit der Neugestaltung unseres Kassenbereiches beziehungsweise der Erweiterung unseres Self-Service-Bereichs tragen wir dieser Entwicklung Rechnung und greifen die Einkaufsvorlieben unserer Kunden auf.“ Das bedeutet: Wer weiterhin klassisch am Band zahlen möchte, kann das tun.

Einkäufer können aber auch die Produkte selbst scannen oder das sogenannte Scan-and-Go-Prinzip nutzen. Mit Kundenkarte kann per Handscanner im Markt jedes Produkt eingelesen und anschließend schneller bezahlt werden. Mit einer entsprechenden App lässt sich dieser Prozess auch per Handy umsetzen. Den Vorteil sieht Fischer für Phasen, in denen viele Menschen im Geschäft einkaufen: „Gerade zu Stoßzeiten kann unser neuer Self-Service-Bereich eine Zeitersparnis für unsere Kunden bedeuten und das auf einer großzügigen Fläche, die einen entspannten Bezahlvorgang ermöglicht.“

Kontrollen gegen Diebstahl

Auf das Personal habe die Erweiterung des Selbstzahlbereichs wenig Auswirkung gehabt, betont der Geschäftsleiter. Deren Aufgabenbereich habe sich lediglich verändert. Das heißt, manche der Mitarbeiter kassieren nicht mehr ab, sondern erklären Abläufe, helfen bei Problemen, bauen Berührungsängste ab und erhalten den persönlichen Kontakt. Auch die Kontrolle gehört dazu, denn das Selbstzahlverfahren ermöglicht auch das Einpacken ungescannter Produkte.

Aus diesem Grund gibt es laut Fischer Zufallskontrollen. Das heißt, der Mitarbeiter fragt ein bis zwei Artikel aus dem Einkaufswagen ab und prüft so, ob sie schon vermerkt sind. „Das passiert, aber dann wird das noch nachgeholt“, sagt er. Auch habe es schon Fälle gegeben, bei denen Kunden mit vollgeladenem Einkaufswagen aus dem Geschäft marschiert sind. „Das war aber selten“, sagt der Geschäftsleiter und fügt an, dass durch den neuen Selbstzahlerbereich, der auch Schranken umfasst, das schnelle Verschwinden nicht mehr so einfach möglich sei. Fest steht aber, dass die Mitarbeiter gebraucht werden, betont Fischer: „Es fallen keine Arbeitsplätze weg.“

Diese Befürchtung haben aber manche Kunden. Eine von ihnen, deren Name nicht in der Zeitung stehen soll, hat deshalb eine klare Haltung: „Ich will der Frau an der Kasse nicht den Job wegnehmen, denn durch die Selbstzahlerkassen braucht es ja keine Kassiererin mehr – und wo kommt die dann unter?“ Andere Kunden stehen dem Positiver gegenüber. Stefanie Karr aus Wattenheim sieht darin einen Vorteil: „Ich nutze die Selbstzahlerkassen, weil das eine Zeitersparnis für mich ist und die Kassiererin wird auch entlastet.“ Darüber hinaus erlebe sie häufiger, dass Kunden am Band drängeln oder unfreundlich werden – auch hier schaffen die Selbstzahlerkassen ihrer Meinung nach eine Lösung.

Kunden können Ware im Einkaufswagen scannen

Die hat der Baumarkt Toom ebenfalls schon vor eine Weile eingeführt – und damit gute Erfahrungen gemacht, teilt Sprecherin Daria Ezazi mit: „Die Kunden nehmen die Kassen sehr gut an.“ Wer regulär die Ware aufs Band legen will, könne das in Grünstadt trotzdem an drei Kassen tun. Das sei während der Öffnungszeiten immer möglich, betont sie. Ein Argument für die Einführung des Systems: Es sei eine „ideale Ergänzung, um gerade das Ein- und Auspacken des Einkaufswagens zu erleichtern“, so Ezazi. Gemeint ist, dass die Kunden ihre Produkte im Wagen lassen und sie trotzdem scannen können. Für die Mitarbeiter sei das ebenfalls ein Vorteil. Sie könnten dadurch mehr Kundenfragen beantworten und am Infoschalter schneller weiterhelfen. Zum Thema Diebstahl möchte sich Toom nicht äußern.

Rewe hat bislang in der Region keine Selbstzahlerkassen eingeführt. Wie ein Mitarbeiter des Hettenleidelheimer Markts mitteilt, sollen sie aber peu á peu kommen. Der Umbau sei bereits terminiert. Ähnlich handhabt es Kaufland. Zwar gibt es in Grünstadt noch keine dieser Kassensysteme, allerdings habe das Unternehmen bereits begonnen, sie einzuführen. Laut Unternehmenssprecher Dominik Knobloch gebe es bereits Selbstzahlerkassen in 200 Filialen deutschlandweit, darunter auch in Worms und Alzey. Die Entscheidung, in welchen Filialen solche Kassen eingeführt werden, sei allerdings eine „standortindividuelle“ Entscheidung.

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