Wattenheim / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Glasfaser-Unternehmen ist in die Region gezogen: Wie Gemeinden jetzt profitieren könnten

Der neue Standort von Mawa-Bau und Mawacon: Am Gielbrunnen in Eisenberg. Geschäftsführer Dzevad Corhamzic (links) und Stadtbürge
Der neue Standort von Mawa-Bau und Mawacon: Am Gielbrunnen in Eisenberg. Geschäftsführer Dzevad Corhamzic (links) und Stadtbürgermeister Peter Funck ziehen an einem Strang.

„Breitbandausbau von einem lokalen Unternehmen“: Seit Anfang des Jahres stimmt diese Aussage für die Mawa-Firmen zu 100 Prozent. Sie haben ihren Sitz in die Pfalz verlegt. Was den Ausschlag für den Standortwechsel gab und warum mancherorts nur wenige Verträge geschlossen werden.

Jetzt sind sie wirklich lokal: Der 2013 im niedersächsischen Lauenau gegründete Mawa-Baudienstleister mit einer Niederlassung in Wattenheim und der 2021 ins Leben gerufene Provider Mawacon, der ausschließlich in Hannover ansässig war, sind umgezogen. Seit dem Jahreswechsel sind die beiden Unternehmen in der Pfalz. „Wir haben den Hauptsitz komplett nach Eisenberg verlegt, Mawacon ist jetzt auch in der Region angekommen“, erklärt der Geschäftsführer Dzevad Corhamzic, der seit 2022 die Region in rasantem Tempo mit einem Glasfasernetz durchzieht. In der niedersächsischen Landeshauptstadt gebe es nur noch zwei Zweigstellen: eine für den Fuhrpark und eine für die Verwaltung.

Ursprünglich hatte er davon geträumt, sich in Wattenheim weiter auszubreiten. Deshalb hoffte er auf eine Fläche im Gewerbegebiet „Hettenleidelheimer Straße“: 1,73 Hektar landwirtschaftlich genutztes Areal am nördlichen Ortseingang, auf dem die Gemeinde seit rund fünf Jahren sechs Grundstücke mit bis zu 5300 Quadratmetern anlegen möchte. Allerdings geht das hierzulande nicht so schnell wie erhofft und die von Corhamzic gegründeten Firmen wachsen stetig. „Ich konnte nicht länger warten“, sagt der 45-Jährige. Nun sind in der bisherigen Außenstelle von Mawa-Bau nur noch Wohnungen für Mitarbeiter. Der Betriebsstandort dagegen befindet sich in einem mit viel Holz und Glas in kubischem Stil gestalteten Haus in Eisenberg. Corhamzic spricht von einem „Vorzeigeprojekt“. Ein Nebengebäude dient als Lager.

Bürgermeister gibt entscheidenden Hinweis

Diese Häuser sind 2011/12 auf einem 2671 Quadratmeter großen Gelände in der Straße Am Gielbrunnen errichtet worden, beherbergten zunächst die Solarkraftwerke Kasper GmbH und dann die Firma Riedel Communications, die inzwischen an ihren Stammsitz Wuppertal gewechselt ist. Im März 2024 hat Stadtbürgermeister Peter Funck (FWG) davon erfahren. Da ihn der Fortgang eines Gewerbesteuerzahlers schmerzte und er wusste, dass Corhamzic ein Firmengebäude bauen wollte – was jedoch zu lange gedauert hätte – machte er ihn auf den Leerstand aufmerksam. Der Mawa-Chef kaufte die Immobilie.

„Das ist eine tolle Zusammenarbeit“, lobt er. Peter Funck habe gute Ideen und packe an. So habe er ihm beispielsweise zu einem großen Lagerplatz verholfen, als es in Tiefenthal Probleme gab. Im Moment ist das Areal in der Industriestraße nur gemietet, langfristig will Corhamzic es aber erwerben und dort eine Halle für Maschinen und Material errichten.

Am Gielbrunnen gegenüber dem Discounter Aldi habe er die Gebäude lediglich renovieren müssen, sagt er. Funck hebt hervor: „Die Bauten sind energetisch auf einem Topstand.“ In dem Hauptgebäude haben zwölf Büros Platz gefunden und im Erdgeschoss ein Shop, wo Fragen rund um Verträge und Internetverbindungen beantwortet werden. Die vorherige, erst im Juli 2023 eröffnete Anlaufstelle für die Kunden am Marktplatz ist seit Silvester geschlossen. „Den Shop in Kaiserslautern habe ich auch wieder zugemacht“, so Corhamzic. Seit rund einem Jahr gebe es aber einen in Winnweiler und geplant seien solche Geschäfte in Weilerbach oder Rodenbach und in Haßloch.

In dem Hauptgebäude haben zwölf Büros Platz gefunden und im Erdgeschoss ein Shop. Hier können Fragen und Anliegen direkt beantwo
In dem Hauptgebäude haben zwölf Büros Platz gefunden und im Erdgeschoss ein Shop. Hier können Fragen und Anliegen direkt beantwortet werden.

Schnelles Internet für Carlsberg

In dem mit rund 20.500 Einwohnern größten Dorf der Bundesrepublik hat Mawa schon begonnen, Leerrohre zu verlegen. „Im März arbeiten wir dort weiter“, kündigt der Geschäftsführer mit serbischen Wurzeln an. Mehr als 30 Ortschaften in den Landkreisen Bad Dürkheim, Donnersberg und Kaiserslautern sind schon an die schnelle Datenautobahn mit Übertragungsraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde angeschlossen beziehungsweise in der Fertigstellung. Die Arbeiten im Ortskern von Carlsberg beispielsweise werden voraussichtlich im Mai beendet sein.

20 weitere Kommunen sollen bis Ende dieses Jahres folgen. Als anschließendes Großprojekt seien 16 Gemeinden im Landkreis Südwestpfalz anvisiert. Eisenberg wurde innerhalb eines Jahres bis zum Sommer 2024 mit Glasfaserleitungen durchzogen. Den Tiefbau hat einer der rund 25 Subunternehmer von Mawa-Bau vorgenommen. „Sie rekrutieren sich aus Mitarbeitern, die wir überwiegend selbst ausgebildet haben“, sagt Corhamzic. Die Projektierung, die Planung, das Vorhalten des Fuhrparks, das Einschießen der Glasfaserkabel, die Montage der Netzverteiler und die Hausanschlüsse lägen aber in der Hand seines eigenen Personalstamms, der rund 100 Köpfe umfasse. Auch Kerzenheim, Rosenthal und Ramsen seien inzwischen mit einem Leitungsnetz versehen.

Keine Haustürgeschäfte

Allein in der Stadt mit ihren Ortsteilen Stauf und Steinborn sind 4006 Adressen mit Breitband zu versorgen. „Bislang haben wir erst rund 600 Verträge abschließen können“, erzählt die Prokuristin Julia Miesel. In Wattenheim, wo im Juni 2022 der erste Spatenstich für den Breitbandausbau durch Mawa im Leiningerland stattfand, sind bereits 95 Prozent Kunden, in Ebertsheim 90 und in Hettenleidelheim 85 Prozent. Funck weiß, warum die Eisenberger zögern: „Die Deutsche Glasfaser mit ihren Drückerkolonnen hat hier viel kaputt gemacht. Die Leute fühlten sich über den Tisch gezogen.“ Corhamzic betont: „Wir machen keine Haustürgeschäfte.“ Stattdessen werde beim Vertrieb auf die Shops und auf Flyer gesetzt. Oder auf das Infomobil, mit dem Mawacon beispielsweise auf Marktplätzen Halt macht.

Das Fahrzeug soll im Mai nach Altleiningen kommen. Dort haben zwar schon circa 70 Prozent der 722 Adressen „Ja“ zu dem Internetanbieter gesagt. Allerdings gibt es in dem Burgdorf die mehr als zwei Kilometer lange Talstraße (L520), die nur einseitig bebaut ist. Das macht den Breitbandausbau für einen Provider wenig attraktiv, wenn nicht nahezu alle Anwohner einen Vertrag unterzeichnen. Bisher ist es nicht einmal die Hälfte (19 von 40 Häusern).

Auf die von Bürgermeister Benjamin Claus (FWG) angemahnten Schäden angesprochen, erzählt Miesel: „Wir haben die Reklamationen zwischen Weihnachten und Neujahr geprüft. Bei den Mängeln, die wir verursacht haben – und das sind keineswegs alle – haben wir die Nachbearbeitung in die Wege geleitet.“ Dass es etwas dauere, bis die Defekte beseitigt seien, liege daran, dass jeder Subunternehmer dreimal die Chance der Ausbesserung habe.

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