Kirchheim
Gesperrte Weinstraße: Welche neuen Regeln jetzt gelten
Seit 27. August ist die Ortsdurchfahrt in Kirchheim für den Fahrzeugverkehr voll gesperrt. Grund ist der rund drei Jahre dauernde Ausbau der Weinstraße Nord auf knapp einem Kilometer Länge. Bei dem mit etwa acht Millionen Euro veranschlagten Projekt werden auch Gehwege angelegt und Versorgungsleitungen erneuert. Um die Arbeiten ausführen zu können, hatte der Landesbetrieb Mobilität (LBM) großräumige Umleitungen über Großkarlbach, Laumersheim, Obersülzen und Grünstadt angelegt.
Dadurch waren Anlieger, die nur wenige Meter von der Baustelle entfernt wohnen – in der Bissersheimer Straße oder südlich davon – besonders hart betroffen. Die Behörde war daraufhin ausnahmsweise von ihrer üblichen Praxis, den Verkehr ausschließlich über klassifizierte Straßen – also Kreis-, Landes- und Bundesstraßen – zu führen, abgewichen: Sie hatte es gestattet, eine Abkürzung über gemeindeeigene Verkehrswege wie Friederich-Diffiné-Straße, Rückgasse und Ostring zu nehmen.
Zu viele auf dem Schleichweg
Das aber führte dazu, dass viel mehr Autofahrer diesen Schleichweg benutzten als gedacht. Immer wieder kam es zu Beschädigungen von Mauern, Hecken, Zäunen und Fassaden, die Beschwerden der Anwohner häuften sich. Die Verantwortlichen des LBM nahmen daraufhin eine Zählung vor und erhielten nach Aussage ihres Speyerer Dienststellenleiters Martin Schafft „erschreckende Ergebnisse“: Die Fahrzeugbelastung hatte um mehr als 50 Prozent zugenommen, der Lkw-Anteil war enorm gewachsen, und teils wurden hohe Geschwindigkeiten registriert. In der Konsequenz wurde die zuvor gewährte Abkürzungsoption eingeschränkt: Schilder verboten seither die Durchfahrt für Krafträder und -wagen mit Ausnahme der Linienbusse und der Anlieger.
Nun fühlten sich wieder diejenigen massiv benachteiligt, wegen denen der LBM zuerst von seiner üblichen Praxis abgewichen war. So mussten beispielsweise Eltern plötzlich 13 bis 15 Kilometer fahren, wenn sie ihre Kinder zur Grundschule bringen wollten, anstatt zuvor 1,5 bis 3,5 Kilometer. In ihren Augen eine „unzumutbare Situation“. Die Landesbehörde wies darauf hin, dass sie die Wirkung der „Anlieger-frei“-Regelung durch eine erneute Verkehrszählung überprüfen und dann entscheiden wolle, ob die Beschilderung erneut modifiziert wird. Die Kontrolle fand zwar schon zwischen dem 17. und 24. November statt. Aber eine Auswertung wurde erst kurz vor der Winterpause vorgenommen. Die Bauarbeiten ruhen seit Heiligabend und sollen am Donnerstag, 15. Januar, wieder starten – wenn es die Witterung zulässt.
Verkehrsaufkommen ist gesunken
„Bei der Messung haben wir einen Rückgang des Verkehrsaufkommens gegenüber der ersten Überprüfung festgestellt“, erklärt Schafft. In Abstimmung mit der Ortsgemeinde Kirchheim und der Verbandsgemeinde Leiningerland, der Polizei, der Kreisverwaltung und der Straßenmeisterei sei man zu folgender Neuerung gekommen: Das Schild 260, Verbot für Kraftfahrzeuge aller Art, mit dem Zusatz, dass Anlieger und Linienbusse im Baugebiet rund um die Rückgasse ausgenommen sind, wird ersetzt durch die Beschilderung an den Ortseingängen „Verbot für Kraftfahrzeuge, Anlieger bis Baustelle frei“. Dadurch kann man mit dem Auto künftig „legal“ zu Zielen in Kirchheim gelangen, insbesondere zu den Geschäften oder zur Schule. Ortsbürgermeister Thomas Dhonau (SPD) erläutert: „Nun können alle Einwohner und jene, die direkt in unserem Dorf ein Anliegen haben, wieder einfahren.“
Im Ostring sowie in der Friederich-Diffiné-Straße wird alternierendes Parken zugelassen: Wechselseitig werden Pkw-Stellflächen markiert, sodass die durchgehende Sichtachse gestört wird, was hohes Tempo unterbindet. Die Kirchheimer haben laut Schafft noch angeregt, wieder „rechts vor links“ einzuführen. „Vor der Einmündung von der Weinstraße Nord in die Straße Ober den Gärten wird eine Warnbake aufgestellt, mit den Hinweisen ,Anlieger frei“ sowie ,Keine Wendemöglichkeit für Lkw““, kündigt Dhonau an.
„In Obersülzen sollen in der Hauptstraße zusätzliche Halteverbote in den Verkehrsspitzenzeiten morgens und abends angeordnet werden, damit die Autos flüssiger fahren können“, so der LBM-Chef Schafft. Da zunächst Beschilderungspläne erstellt und eine verkehrsrechtliche Anordnung auf den Weg gebracht werden müssen und überall Weihnachtsferien waren, ist mit einer Umsetzung der neuen Regelungen erst ab Mitte Januar zu rechnen. Bürgermeister Dhonau ergänzt, es könne durchaus sein, dass die Schilder schrittweise installiert werden. Er appelliert an die Bevölkerung, sie dann auch zu beachten.