Grünstadt „Es wird ein spannendes Rennen“

Placeholder-Image

Martin Schulz ist Kanzlerkandidat der SPD und wird bei der Bundestagswahl im Herbst gegen Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) antreten. Wir haben uns gestern bei Genossen im Leiningerland und im Kreis umgehört, wie sie den Verzicht des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel auf Kandidatur und Parteivorsitz bewerten.

„Eine gute Entscheidung“, kommentiert der SPD-Landtagsabgeordnete Manfred Geis aus Bad Dürkheim den Verzicht Sigmar Gabriels auf die Kanzlerkandidatur. Es verdiene Respekt und sei keine Selbstverständlichkeit, dass der SPD-Vorsitzende Martin Schulz vorgeschlagen habe. Dessen Chancen bewertet Geis positiv: „Wir werden mit diesem international renommierten Kandidaten hochmotiviert in den Wahlkampf gehen. Dass man Stimmungen und Prognosen ändern kann, haben wir vor einem Jahr bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz gezeigt.“ „Wunderbar“ findet Reinhold Niederhöfer die Kandidatur von Martin Schulz. „Das war schon seit Wochen und Monaten absehbar, dass es bei der Kandidatur auf Schulz zuläuft“, sagt der Genosse. Die Frage sei nur gewesen: „Wir kriegt der Gabriel das gebügelt ohne Abgabe des Parteivorsitzes?“ Dass Schulz bei der Bundestagswahl im September antrete, sei für ihn keine Überraschung: „Dass es vorgezogen wurde, das war für mich die Überraschung“, sagt er mit Blick auf das Datum der Bekanntgabe. Der Verbandsbürgermeister von Grünstadt-Land beschreibt seine Sympathie für den ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten so: „Martin Schulz redet dir aus der Seele.“ Gabriel habe es strategisch gut angestellt, indem er Frank-Walter Steinmeier als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten ins Spiel gebracht habe und die Bahn frei gemacht habe für den Kandidaten Schulz. „Deswegen bin ich als SPD-Mann zuversichtlich, dass die Wahl nicht so schlecht wird“, sagt der 60-Jährige mit Blick auf das Ergebnis. Martina Hauenstein findet es „sehr gut“, dass Schulz als Kanzlerkandidat antritt: „Als ich gehört habe, dass er nach Berlin kommt, war mir fast klar, dass etwas kommen könnte.“ Schulz stehe für soziale Gerechtigkeit. Hauenstein sagt: „Ich habe mit Herrn Schulz ein besseres Gefühl als mit Herrn Gabriel.“ Gabriel habe der Rückhalt in der SPD gefehlt, das sei dann schwierig, findet die 47-jährige stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Grünstadter Stadtrat und Bürgermeisterkandidatin. Sie hofft: „Vielleicht ist es für uns die Chance, ein paar Prozente mehr rauszuholen bei der Bundestagswahl.“ Der Vorsitzende des SPD-Gemeindeverbands Leiningerland, Stephan Schenk aus Hertlingshausen, bekundet seinen Respekt vor Sigmar Gabriel und meint: „Es war die richtige Entscheidung“, mit der er allerdings nicht gerechnet habe. Er freue sich über die Kandidatur von Martin Schulz und auf den Bundestagswahlkampf: „Ab jetzt wird es ein spannendes Rennen.“ Dass Schulz auch den Parteivorsitz übernehmen soll, begrüßt Schenk: Es sei richtig, Kandidatur und Vorsitz mit einer Person zu besetzen, wie dies auch Gabriel betont habe. Beide Positionen zu trennen, sei denkbar ungeschickt bei einer Bundestagswahl, wie sich in der Vergangenheit gezeigt habe. Von einer „sehr guten Entscheidung“ und einer „gewissen Erleichterung in der SPD“ spricht Christoph Glogger. Diese Frage (fast) bis zum Schluss offen gehalten zu haben, sei „eine gewisse strategische Leistung“, anerkennt der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Bad Dürkheim-Neustadt, verbunden mit „großem Respekt , dass er seine Person zurückstellt“. Im kommenden Wahlkampf wäre Sigmar Gabriel wohl doch als Vizekanzler und Wirtschaftsminister der Großen Koalition wahrgenommen worden, doch in den Kreisen der Mitglieder höre er doch immer häufiger den Wunsch nach einem Neuanlauf. Und der werde eben auch mit einer neuen Personalie verbunden, erklärt der 47-jährige Dackenheimer. Schulz könne klar reden und diesen Neuanfang auch gut verkörpern. Auch als neuer Parteivorsitzender? „Das ist in gewisser Weise riskant“, räumt Glogger ein, „aber auch konsequent, weil man Gabriel sonst Halbherzigkeit hätte vorwerfen können.“ Martin Schulz habe im EU-Wahlkampf gezeigt, dass er in der SPD und europaweit gut vernetzt sei: „Ich trau’ ihm das zu.“ EISENBERG |cn, snr, psp/Achivfotos: Schifferstein, Benndorf, Franck, privat

x