Bockenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Er spricht besser Pfälzisch als viele Pfälzer: Ein Amerikaner bekommt den Mundart-Preis

Douglas Madenford kommt aus Amerika – ist aber in der „Pälzer Sprooch“ zu Hause.
Douglas Madenford kommt aus Amerika – ist aber in der »Pälzer Sprooch« zu Hause.

Zum ersten Mal ist ein Pfälzer Mundart-Preis an einen Amerikaner verliehen worden: Der Bockenheimer „Preis der Emichsburg“ ging in diesem Jahr an Douglas Madenford aus Pennsylvania. Er ist der perfekte Mittler.

Warum es nicht seltsam ist, einem Amerikaner einen Pfälzer Preis zu überreichen, erklärt der Sprachwissenschaftler Michael Werner am Sonntag in Bockenheim so: „Wir sind in der Lage, miteinander zu kommunizieren, ohne Englisch oder Hochdeutsch sprechen zu müssen. Die Mundart genügt, und wir als Pfälzer haben auch die Gelegenheit, wie durch ein Schlüsselloch in unsere eigene Vergangenheit zu blicken.“ Mit Madenford habe die Freundschaft zwischen Pfälzern und Pennsylvanisch-Deutschen ein Gesicht, sagt Werner, Gründer der pennsylvanisch-deutschen Zeitung „Hiwwe wie Driwwe“. Mit seiner charmanten Art sei der 42-Jährige Madenford – gleichzeitig Lehrer, Musiker und Influencer – zu einem Botschafter der Freundschaft zwischen hiwwe und driwwe geworden.

Die Ortsgemeinde Bockenheim und der Förderkreis Mundart, die über die Preisvergabe entschieden hatten, würdigten mit dem von Ortsbürgermeister Gunther Bechtel (SPD) und Weingräfin Mara in der Alten Klosterschaffnerei überreichten Preis vor allem Madenfords Verdienste um den Erhalt der pennsylvanisch-deutschen Mundart in den USA. Der 1980 Geborene ist einer von wenigen seiner Generation, die den Dialekt noch sprechen. Insgesamt geht man von rund 400.000 „Pennsylvania Dutch“-Sprechern in Amerika aus.

Dialekt verbreiten – aber auf die moderne Art

Vor gut zehn Jahren nahm die Zusammenarbeit zwischen dem Deutsch-Pennsylvanischen Arbeitskreis, in dem Sprachwissenschaftler, Museen und Institutionen aus Deutschland und Amerika Mitglied sind, und dem Schullehrer Madenford aus Pennsylvania ihren Anfang. Eine Gruppe von 14 Personen – überwiegend jüngere Sprecher der pennsylvanisch-deutschen Mundart – trafen sich in einem alten Schulhaus in Kutztown, Pennsylvania. Zusammen sollte überlegt werden, mit welchen Aktionen der aktive Gebrauch des Pennsylvanisch-Deutschen unterstützt werden kann. Ein Baustein war, den Kontakt zwischen Pennsylvania und der Pfalz weiter zu intensivieren. Es gab schon Zeitungskolumnen in Mundart, mit „Hiwwe wie Driwwe“ eine eigene Zeitung, die Sendung „Deitsch Schtunn“ und Versammlungen von Kirchengemeinden mit Mundart-Programm. Aber das reichte alles noch nicht, befand man: So wurde die Idee geboren, eigene Videos auf Youtube zu produzieren, um damit dem Zeitgeist gerecht zu werden. Doug Madenford war sehr schnell dabei und sagte kurz und trocken: „Well, ich kann sell duh.“ Zehn Jahre später hat er rund 850 Videos hochgeladen und fast 10.000 Abonnenten und ist der erste „pennsylvanisch-deitsche Social Media Influencer“.

Ein Mann wie gemacht für einen Film

Später wurde Madenford zum sympathischen Protagonisten in „Hiwwe wie Driwwe“, einer Dokumentation der Südpfälzer Filmemacher Benjamin Wagener und Christian Schega, die sich auf eine Spurensuche nach der pfälzischen Sprache und Kultur begaben, und zwar in Deutschland und in Amerika. Madenford war ein idealer Vermittler: Er spricht die Mundart seit seiner Kindheit, hatte sein Deutsch-Studium abgeschlossen und arbeitet als Lehrer in einer Highschool in Pennsylvania. Durch eine Partnerschaft seiner Schule mit dem Gymnasium in Buchen im Odenwald kannte er drei Kulturen: die amerikanische, die deutsche und die pennsylvanisch-deutsche. Was folgten, waren Drehs und Filmpremieren – auch in Grünstadt. Weit über 200.000 Besucher zählte der Film „Hiwwe wie Driwwe“, er war auf Rang 37 der deutschen Kino-Charts. Ein Riesenerfolg. Ein zweiter Teil ist in Arbeit. Und ein Wiedersehen mit dem Träger des „Preises der Emichsburg “ ist damit garantiert.

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