Wattenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ehepaar von der Bundesregierung aus Südafrika heimgeholt

25 Jahre lang hatten Inge-Ruth Schmidt-Kamolz und Horst Kamolz ein Häuschen in Südafrika, wo Elefanten schon mal die Straße bloc
25 Jahre lang hatten Inge-Ruth Schmidt-Kamolz und Horst Kamolz ein Häuschen in Südafrika, wo Elefanten schon mal die Straße blockieren. Die Heimreise nach dem letzten Besuch war deutlich komplizierter als sonst.

Mehr als 240.000 Deutsche, die in der Corona-Krise aus verschiedensten Gründen irgendwo in der Fremde festsaßen, hat das Auswärtige Amt in einer einmaligen Rückholaktion in die Bundesrepublik geflogen. Das Wattenheimer Ehepaar Kamolz wurde aus Südafrika „gerettet“.

Ein bisschen wehmütig blättert Inge-Ruth Schmidt-Kamolz in Fotoalben und schwärmt dabei von Südafrika: von der abwechslungsreichen Landschaft, den unkomplizierten, sehr hilfsbereiten Menschen, dem herrlichen Wetter und der fantastischen Tierwelt. Ihr Ehemann Horst Kamolz denkt an täglich frische Ananas vom Feld und seine vielen Biker-Freunde. „Die ersten Urlaube dort haben wir mit dem Motorrad gemacht“, blickt der 85-Jährige zurück.

Warum Südafrika? 1969 nahm seine spätere Frau Inge-Ruth das Angebot eines Einwanderungsprogramms des Apartheid-Regimes an, das eine Arbeitsgarantie und die Übernahme eines Großteils der Flugkosten umfasste. „Ich wollte unbedingt in ein englischsprachiges Land“, berichtet sie heute. Nach zwei Tagen fand die Speditionskauffrau einen Job bei einem Logistik-Betrieb der BASF und blieb vier Jahre lang. Ihr Gatte hatte bei seinen Auslandseinsätzen für den Chemieriesen, die ihn unter anderem für acht Jahre nach Ghana führten, auch schon erste Erfahrungen mit Afrika gesammelt.

Militär kontrollierte Einhaltung des Lockdowns

Lange Zeit verbrachten die beiden die Wintermonate in Südafrika. Am 17. Dezember 2019 machten sie sich auf die Reise, um zum letzten Mal in ihrem vor 25 Jahren erworbenen Townhouse in Port Alfred zu wohnen – und es in diesem Zuge zu verkaufen. Der Rückflug war für den 23. April fest gebucht. Doch dann erreichte das Covid-19-Virus das Kap der Guten Hoffnung: Anfang März wurden die ersten Infizierten gemeldet.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa verhängte eine der strengsten Ausgangssperren der Welt, zusätzlich zu Hygieneregeln, Abstandsgeboten, dem Maskentragen und der Händedesinfizieren. Polizisten und „Militär in schusssicheren Westen und mit MP“ kontrollierten laut Kamolz die Einhaltung der Vorgaben, und der Luftverkehr wurde untersagt. „Es gab für uns plötzlich keine Möglichkeit mehr, nach Hause zu kommen“, erzählt Schmidt-Kamolz. Zwei Tage vor dem Shutdown am 26. März hetzte jeder noch schnell zum Einkaufen und zu Freunden. Die 74-Jährige begleitete dabei ein ungutes Gefühl, denn ihr Gatte gehört wegen seiner Vorerkrankungen zur Hochrisikogruppe.

Bundesregierung trat für Tickets in Vorleistung

Aus den Medien erfuhren die Eheleute von der geplanten Rückführung deutscher Reisender, die im Ausland gestrandet waren. „Bei unserer Botschaft in Pretoria konnten wir uns online registrieren. In den folgenden Tagen wurden wir mit insgesamt 16 E-Mails fortlaufend informiert. Das Ganze war ausgezeichnet organisiert“, lobt Schmidt-Kamolz die Rückholaktion. Das Konsulat buchte einen Flug mit South African Airways ab Johannesburg für den 17. April. Für die 1200 Kilometer dorthin benötigten die beiden Deutschen eine Ausnahmegenehmigung, um die sich das Team des Diplomaten Martin Schäfer bemühte.

Dass die Bundesrepublik für die Tickets in Vorleistung trat, sei „eine enorme Erleichterung für uns gewesen, da wir ja in unserer Mobilität extrem eingeschränkt waren“, berichtet Schmidt-Kamolz. Andere Europäer hätten für die Organisation ihrer Rückreise und die Kosten vor Ort selbst aufkommen müssen. Die Wattenheimer sind zusammen mit zwei anderen Ehepaaren 150 Kilometer im Taxi nach Port Elisabeth gefahren und wurden dann mit ungefähr 100 Personen und zwei Botschaftsmitarbeitern in fünf Reisebussen mit Polizei-Eskorte nach Pretoria gebracht.

Perfekt um Staatsbürger in Not gekümmert

Nach 16 Stunden erreichten sie ein extra für sie reserviertes Hotel. Proviant wurde gestellt, denn alle gastronomischen Betriebe hatten zu dem Zeitpunkt geschlossen. Am Folgetag stießen circa 200 weitere gestrandete Urlauber zu der Gruppe und in elf Bussen ging es im Konvoi zum Flughafen. „Unsere südafrikanischen Freunde sagen, wir können stolz auf unsere Regierung sein, die sich in dieser perfekten Form um ihre Staatsbürger in Not kümmert“, sagt Schmidt-Kamolz und betont: „Ich bin auch stolz.“

Bis sie und ihr Mann auf dem 22-stündigen Weg zurück in die Heimat waren, beschäftigten sie sich mit dem Ausräumen ihres Urlaubsdomizils und dem Ausfüllen von Formularen. Auch dabei erwies sich die Ausgangssperre als hinderlich, wie sie berichtet: „Wir wollten den Inhalt unserer Schränke an soziale Einrichtungen spenden, aber wir durften das Haus nicht verlassen.“ Nur im Garten hätten sie sich aufhalten können, dabei war Kontakt zu den Nachbarn aber verboten. Als die Tonerpatrone ihres Druckers leer war, musste Schmidt-Kamolz alle Dokumente per E-Mail nach nebenan schicken, „damit sie mir ausgedruckt werden konnten“.

Erinnerungsstücke bis heute nicht angekommen

Einen Tag vor dem Lockdown hatte sie noch sieben Kartons – vollgepackt mit Erinnerungsstücken – für die Rückreise abholen lassen. „Die Sachen sind bis heute nicht aufgetaucht“, berichtet die Seniorin und sagt hoffnungsvoll: „Vielleicht liegen sie beim Umzugsunternehmen, das bis dato noch immer nicht wieder arbeiten darf.“

Das Haus ist mittlerweile verkauft, die Erinnerungen bleiben.
Das Haus ist mittlerweile verkauft, die Erinnerungen bleiben.
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