Hettenleidelheim RHEINPFALZ Plus Artikel Demo gegen ihren Wahlstand: So reagiert die AfD (mit Bildergalerie)

Es kamen deutlich mehr Menschen als erwartet: Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Es kamen deutlich mehr Menschen als erwartet: Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.

Protest gegen AfD-Stände gibt es in der Region derzeit normalerweise nicht, in Hettenleidelheim war das am Freitag anders. Wie die Rechtsaußen-Partei darauf reagiert hat.

So viel Polizei habe er hier noch nie gesehen, spottet der AfD-Kreisvorsitzende und Bundestagskandidat Thomas Stephan aus Haßloch. Einsatzfahrzeuge kreisen an diesem Freitagnachmittag durch Hettenleidelheim, die Beamten der Grünstadter Inspektion haben Verstärkung aus anderen Dienststellen im Umkreis bekommen: In der aufgeheizten Schlussphase dieses Bundestagswahlkampfs sollen ihre Präsenz mehrere Stunden lang garantieren, damit der politische Meinungsstreit nicht eskaliert.

Etwa 250 Menschen

Am wenigsten polizeiliche Aufmerksamkeit bekommt dabei die CDU im Dorfzentrum, dort werben der Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger und seine Mitstreiter um Wählergunst. Geplant war dieser Auftritt schon länger. Nun, sagt der gut gelaunte Politiker aus Bad Dürkheim, findet er eben „im gerade politischsten Dorf“ der Region statt. Denn wenige Tage zuvor hat auch die AfD einen Wahlstand angekündigt. Und darauf antwortet ein Aktionsbündnis mit einer Gegenkundgebung, zu der 50 bis 100 Leute erwartet werden.

Am Ende allerdings wird der Initiator Axel Mattern etwa 250 Menschen vor der Festhalle Gut-Heil zählen – eine Größenordnung, die auch von der Polizei als plausibel eingeschätzt wird. Sie bewacht den Platz mit mehreren Beamten. Einen Mercedes-Kleinbus hat sie so platziert, dass von der Turnhallenstraße aus niemand mit einem Fahrzeug auf das Areal rasen kann. Und am anderen Ende der Fläche steht eine Barriere, die noch martialischer wirkt: ein wuchtiger Bundeswehr-Unimog, in Tarnfarben lackiert.

Schwarz-rot-goldene Fahne

Sein H-Kennzeichen allerdings verrät: Er ist außer Dienst, gilt nun als Oldtimer. Das Liebhaber-Stück gehört dem Hettenleidelheimer Ortsbürgermeister Steffen Burkhardt (SPD), der ebenso zu den Rednern dieser Kundgebung zählt wie die Bad Dürkheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen-Geis. Weitere Sozialdemokraten aus der Region stehen im Publikum: etwa der Landtagsabgeordnete und Grünstadter Bürgermeister-Kandidat Christoph Spies sowie die Bockenheimer Beigeordnete Gabriele Martin.

Gastgeberin der AfD: Andrea Herold mit dem Bundestagskandidaten Thomas Stephan.
Gastgeberin der AfD: Andrea Herold mit dem Bundestagskandidaten Thomas Stephan.
Mit Deutschland-Fahne gegen die AfD: Bürgermeister Steffen Burkhardt.
Mit Deutschland-Fahne gegen die AfD: Bürgermeister Steffen Burkhardt.
Auf Privatgrund: Werbestand der AfD.
Auf Privatgrund: Werbestand der AfD.
Die Polizei parkt um die Ecke: Werbestand der AfD in Hettenleidelheim.
Die Polizei parkt um die Ecke: Werbestand der AfD in Hettenleidelheim.
Im Ortszentrum: Wahlstand der CDU.
Im Ortszentrum: Wahlstand der CDU.
Organisator der Anti-AfD-Kundgebung: Axel Mattern.
Organisator der Anti-AfD-Kundgebung: Axel Mattern.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Schutz-Barriere für den Platz: Oldtimer-Unimog des Bürgermeisters.
Schutz-Barriere für den Platz: Oldtimer-Unimog des Bürgermeisters.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.
Anti-AfD-Kundgebung in Hettenleidelheim.

Foto 1 von 13

Aber auch Vertreter der FWG und die Grünen treten auf, beschreiben die Rechtsaußen-Partei als Gefahr für Demokratie und Meinungsfreiheit. Dass sich hier vor der Festhalle ein überparteiliches Bündnis zusammengefunden hat, soll neben roten SPD- und Regenbogenfahnen ein besonderes Stück Stoff zeigen: eine schwarz-rot-goldene Fahne, die durch mehrere Hände wandert und schließlich vom Bürgermeister geschwenkt wird. Organisator Mattern sagt: „Wir wollen diese Farben nicht der AfD überlassen.“

Schnittchen und Kaffee

Tatsächlich: Den Gartenzaun neben deren nur ein paar hundert Meter entferntem Stand zieren jede Menge National-Papierfähnchen. Aber vor allem leuchtet hier die Parteifarbe. Blaues Zelt in der Einfahrt des Anwesens. Blaue Decken auf den Klapptischen. Blaue AfD-Fähnchen, die ohnehin ständig aus den Fenstern des Hauses hängen. Hier wohnt Andrea Herold, eine besonders überzeugte Anhängerin. Als Gastgeberin kümmert sie sich nun um Schnittchen und Kaffee für die zehn bis gut 20 Leute, die jeweils da sind.

Neben dem Alice-Weidel-Plakat an der Hofeinfahrt versichert ein Anhänger mit ergrauten langen Haaren einem jugendlichen Jogginghosen-Träger gerade wortreich und empört, dass er und seine Mitstreiter wirklich keine Nazis seien. Und auch Herold verteidigt ihre Partei zwischendurch gegen Vorwürfe, die sie für absurd hält. Sie erzählt: Als Mutter eines schwerbehinderten Sohnes werde sie immer wieder davor gewarnt, dass die Politik der AfD auch für ihn eine Gefahr wäre. „Aber die AfD will Behinderte doch gar nicht in Lager oder so stecken.“

Rat für den Heimweg

Außerdem versichert die Hettenleidelheimerin: Auf den Mitbürger-Protest gegen die Werbeaktion vor ihrem Haus reagiere sie „gelassen“. Kandidat Stephan ist über die Gegenkundgebung sogar froh. Die bringe der AfD zusätzliche Aufmerksamkeit, sagt er mit amüsiertem Unterton. Bündnis-Organisator Mattern gibt den Demonstranten vor der Gut-Heil-Halle derweil einen Rat mit auf den Heimweg. Falls sie am Stand der Rechtsaußen-Partei vorbeikommen, sollen sie sich jede Provokation verkneifen: „Geht auf die andere Straßenseite. Ignoriert sie.“

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