Grünstadt Behütet von einem Engel
Gestern ist auf dem Grünstadter Friedhof das neu angelegte Regenbogenfeld eingeweiht worden, zu dem auch ein Gedenkplatz für Sternenkinder gehört.
Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) sprach auch im Hinblick auf die Wiese für Urnenbestattungen von gleich zwei wichtigen neuen Bestattungsformen (wir berichteten gestern). Friedhof und Gedenkstätte seien Orte der inneren Einkehr, der Trauer und des stillen Gedenkens. Auf dem Regenbogenfeld können Kinder und Jugendliche beigesetzt werden. In diesem Bereich gibt es auch einen Platz für die Beisetzung der Asche von nicht bestattungspflichtigen Totgeburten, so genannten Sternenkindern. Die treibende Kraft sei Helga Beisel (Zeiskam) gewesen, die sich als Betroffene seit 25 Jahren dafür stark mache, sagte Wagner. Die Anregung für das Regenbogenfeld habe vor über zehn Jahren das damalige Stadtratsmitglied Friedel Sauer (CDU) gegeben, 2015 habe der Stadtrat den Grundsatzbeschluss gefasst. Im Februar sei die Firma Deister, Grünstadt, mit dem Anlegen des Platzes beauftragt worden. „Diese Einrichtung wird von vielen Seiten mitgetragen“, lobte Wagner. So habe das Kreiskrankenhaus 3000 Euro für die Engelskulptur (Gesamtpreis zwischen 14.000 und 15.000 Euro) gespendet. „Auch von kirchlicher Seite – evangelisch und katholisch – sind wir gut behütet“, sagte Wagner. Helga Beisel ging in bewegenden Worten auf ihr eigenes Schicksal und den Verlust eines Kindes vor der Geburt ein. Auch wenn es um ein kurzes Leben gehe, „diese Kinder waren da, sie haben gelebt“, sagte Beisel. Zur Trauerverarbeitung gehöre ein Ort, an dem die Eltern ihr Kind geborgen wissen. In Grünstadt gebe es nun eine würdevolle und schöne Ruhestätte mit Platz für Blumen, Kerzen, kleine Gaben. Sie sei nicht nur ein Ort des Gedenkens für Mütter und Väter, deren stillgeborenes Kind hier bestattet werde, der Platz sei auch für all jene gedacht, deren Verlust schön längere Zeit zurückliege und denen der Abschied von ihrem Kind versagt geblieben ist. Für die beiden Kirchen sprach der katholische Pfarrer Martin Tiator ein Segensgebet. Die vom Bad Dürkheimer Künstler Mathias Nikolaus geschaffene Engelsskulptur enthüllten Natalie Holzer und Petra Strauss vom städtischen Bauamt. Standesbeamtin Andrea Boßmann erläuterte für den verhinderten Nikolaus das Werk: Es zeigt einen Engel mit einem gesenkten Flügel, was Anteilnahme, Schutz und Geborgenheit vermittle. Der andere Flügel zeigt nach oben, ins Licht. Die Stele ist bewusst niedrig gehalten, da sie nicht nur für Erwachsene gut zu sehen sein soll. Sie wird flankiert von zwei Quadersteinen. Eine Sitzgelegenheit gehört zum Ensemble und ein weiterer Quader zum Ablegen der Gaben. Laut dem Beigeordneten Hans Tisch (CDU) wurden für die Wiesengräber und das Regenbogenfeld insgesamt 120.000 Euro investiert.