Hettenleidelheim
Bürgermeister auf Hausarzt-Suche für sein Dorf: So ist der Stand
In vielen Dörfern im Leiningerland gibt es keinen Hausarzt. Die Hettenleidelheimer dagegen sind verwöhnt. Seit Jahrzehnten haben sie drei Allgemeinmediziner am Ort. Einer ist immer greifbar, denn sie vertreten sich gegenseitig. Markus Puhl, der die Apotheke am Marktplatz betreibt, erklärt: „In den 1970er-Jahren hat die Ortsgemeinde mit finanziellen Anreizen die Gesundheitsversorgung gesichert.“ Davon profitieren die Einwohner bis heute – noch. Denn die drei Ärzte sind inzwischen dem Rentenalter ganz nah oder haben es sogar längst erreicht. Michael Beck schließt seine Praxis definitiv zum Jahresende. Christine Blattner wird sich ebenfalls am 31. Dezember in den Ruhestand begeben. Übrig bleibt Achim Raabe. „Ein Jahr mache ich noch“, stellt er in Aussicht.
Dennoch ist klar: Auch der 66-Jährige wird bald gehen, so wie laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) landesweit 1163 Hausärzte. Nachfolger zu finden ist schwer. Sich auf dem Land niederzulassen, ist wenig attraktiv: großer bürokratischer Aufwand, geringer Verdienst, keine geregelten Arbeitszeiten. Eine mögliche Lösung wäre ein Medizinisches Versorgungszentrum mit einem Träger, bei dem die Ärzte angestellt sind. Die Verbandsgemeinde Monsheim hat das umgesetzt und eine GmbH für ein MVZ gegründet. In der VG Leiningerland gibt es noch keine konkreten Pläne.
Ortschef hat sieben Ärzte gefunden
Hettenleidelheims Bürgermeister Steffen Burkhardt (SPD) treibt diese Situation um. „Wir haben ein Seniorenheim, mehrere Kindergärten, eine Grundschule, viele Vereine und Institutionen – wir sollten den Status Quo hinsichtlich der Gesundheitsversorgung halten“, findet er. Das sei ein wichtiger Standortfaktor, bekräftigt auch Apotheker Puhl. Den Versorgungsauftrag zu erfüllen, sei zwar Aufgabe der KV. Aber er und der Bürgermeister fühlten sich ebenfalls zum Handeln verpflichtet. Burkhardt sagt, er sei seit Oktober 2024 an dem Thema dran. Er habe sich mit der KV in Verbindung gesetzt und viel telefoniert. Schließlich sei es ihm gelungen, sieben Ärzte aufzutreiben, die sich bei ihm vorgestellt hätten.
Mit dem einen oder anderen sprechen könne die RHEINPFALZ allerdings nicht. Die seien ja schließlich alle noch in Beschäftigungsverhältnissen, erläutert der Ortschef. Er kann allerdings auch nicht sagen, wie weit die Verhandlungen zwischen den Interessenten und den drei im Dorf noch praktizierenden Allgemeinmedizinern seien. „Das entzieht sich meiner Kenntnis“, räumt er auf Nachfrage ein und verdeutlicht: „Ich kann ja nur vermitteln.“
Auch drei Häuser für Praxen gefunden
Um auf Nummer sicher zu gehen, zäumten er und Puhl das Pferd jedoch gleichzeitig auch von der anderen Seite her auf: „Wir suchen Praxisräume.“ Dabei seien sie im engen Austausch mit der VG Leiningerland und dem Bauamt des Landkreises Bad Dürkheim. Drei öffentliche Gebäude seien bereits gefunden worden, die jeweils für die Einrichtung einer Arztpraxis geeignet sein könnten. Um welche Häuser es sich handelt, will Burkhardt nicht sagen. Begründung: Eventuelle Mieter sollten nicht beunruhigt werden. Um alle Standards zu erfüllen, die gesetzlich für die Räumlichkeiten zur Behandlung von Patienten gefordert sind, müsste in die Immobilien allerdings ohnehin erheblich investiert werden.
„Aus diesem Grund werden Objekte gesucht, die sich vielleicht besser als Praxen nutzen lassen“, so Burkhardt, der darauf hofft, dass sich Eigentümer mit Angeboten melden. Mediziner, die dort einziehen würden, habe er auch schon an der Hand: Der Sozialdemokrat erzählt „von drei Interessenten in verschiedenen Ausbildungsstadien, die sich in Hettenleidelheim niederlassen“ wollten. Einer von denen habe sogar schon die Approbation, möchte sich im ersten Quartal 2026 selbstständig machen. Ein Gespräch mit der RHEINPFALZ, auch anonym, lehne dieser ab. Burkhardt ist aber überzeugt: „Wir sind so nah an der Lösung dran“, und hält Daumen und Zeigefinger einer Hand nur millimeterweit voneinander entfernt.
Jahrelange vergebliche Nachfolgersuche
Das sieht Noch-Hausarzt Michael Beck nicht so optimistisch. Seit 2017 suche er nach einem Nachfolger. Von den dreien wisse er nichts. Und von den zuvor erwähnten sieben Doktoren habe sich lediglich ein türkischstämmiger Mann gemeldet, der auch auf andere Kollegen verwiesen habe. Diese könnten sich jedoch nicht niederlassen, so der 72-Jährige: Entweder sei die Approbation nicht anerkannt, oder es liege keine Arbeitserlaubnis vor, oder es hapere an Sprachkenntnissen.
Christine Blattner kann nur von einer Ärztin erzählen, „die aber Räume gesucht hat und keine Praxis übernehmen wollte“. Die Medizinerin glaubt nicht, dass sich bis Januar jemand findet, der sie an der Seite von Raabe ersetzt. Der 66-Jährige erläutert: „Wer unsere Praxis übernimmt, muss das mitsamt unseren sieben Voll- und Teilzeitkräften tun.“ Da diese Mitarbeiter jedoch bereits mehr als 20 Jahre da seien, könnten sie nicht so schnell gekündigt werden, benennt er ein eventuelles Problem für potenzielle Interessenten.
Seit zehn Jahren auf Nachfolger-Suche
Als Hausarzt niederlassen könne man sich zudem ausschließlich mit einer deutschen Approbation und seit 2006 auch nur, wenn man den Facharzt für Allgemeinmedizin in der Tasche habe oder Internist sei. Raabe sagt, dass er seit inzwischen zehn Jahren nach einem Nachfolger sucht. „Wir sind auch Teil des Weiterbildungsverbundes, aber die Absolventen bleiben nicht“, teilt er eine Erfahrung mit Michael Beck. Oft gingen sie ins Ausland, weil man dort geregelte Arbeitszeiten habe und deutlich besser verdiene. „Solange die Politik an der Vergütung nichts ändert, wird es auch bei dem Ärztemangel auf dem Land bleiben.“