Kolumne „Leininger Nachlese“ RHEINPFALZ Plus Artikel Auch ohne Einsatz: Feuerwehr ist nicht nur da, wenn’s brennt

Den nächsten Glätte-Tag wird die Schaufel nicht erleben.
Den nächsten Glätte-Tag wird die Schaufel nicht erleben.

Das große Wetterchaos blieb am Mittwoch zumindest im Leiningerland aus. Trotzdem hat der Glätte-Tag gezeigt: Auf die freiwilligen Einsatzkräfte der Feuerwehr ist Verlass. Auf die Schneeschaufel unserer Autorin hingegen weniger.

Wer am Mittwoch nicht raus musste, konnte dem Wetter vielleicht sogar etwas Positives abgewinnen. Zumindest ging es mir so, als ich morgens den ersten Schritt vor die Tür wagte, und dem klirrenden Eisregen bei absoluter Verkehrsstille lauschte. Dann fiel mir wieder ein, weshalb ich eigentlich am Glätte-Tag meine Wohnung verlassen hatte: Ich wollte ganz vorbildlich meiner Pflicht nachkommen und zumindest den Gehweg vor meiner Tür für meine Mitbürger passierbar machen.

Das Salz war rasch gestreut und zeigte seine Wirkung. Motiviert vom schnellen Erfolg ging es besonders vereisten Stellen mit dem Schneeschieber an den Kragen. Knack. Schon beim zweiten Anlauf folgte die Schaufel meinen Bewegungen nicht mehr. In der Hand hielt ich nur noch ein Stück Holz, das sich vom Rest des Geräts verabschiedet hatte. Spätestens da war mir klar: Gegen dieses Eis hilft nur zu Hause bleiben.

„Extreme Gefahr“ hieß es dann in der Katwarn-Meldung, die meine Internet-Suche nach einem Ersatz für den kaputten Schneeschieber unterbrach. „Alles richtig gemacht“, dachte ich über meinen Entschluss, den Tag im Homeoffice zu verbringen, und nahm mir fest vor, heute keinen Fuß mehr vor die Tür zu setzen.

Kurzfristige Einsatzbereitschaft bei Feuerwehr

Ebenfalls in ihren Vorbereitungen für den Glätte-Tag bestärkt gefühlt haben dürften sich zur gleichen Zeit Jens Michel und Markus Ittel. Nachdem sich die Lage am Abend zuvor zugespitzt hatte, stampften die Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Grünstadt und der Verbandsgemeinde Leiningerland auf dem kurzen Dienstweg noch eine ganz außerordentliche Einsatzbereitschaft aus dem Boden.

Zumindest in der Fabgebung erinnert das Nachfolgemodell an die Feuerwehr.
Zumindest in der Fabgebung erinnert das Nachfolgemodell an die Feuerwehr.

Denn während ich bei gefährlicher Witterung von meinem sicheren und warmen Zuhause aus arbeiten kann, muss die Feuerwehr auch dann raus, wenn davon abgeraten, ja, sogar davor gewarnt wird. Eine Nachricht des Wehrführers genügte, und schon wenige Stunden später war das Gerätehaus in Grünstadt voll besetzt. Zehn Feuerwehrmänner harrten den ganzen Tag in der Wache aus, um im Bedarfsfall so schnell wie möglich auszurücken.

Freiwillige Helfer in Doppelfunktion

Einige von ihnen übernahmen dabei nicht nur freiwillig, sondern auch in Doppelfunktion Verantwortung. Denn für den ehrenamtlichen Dienst an der Gemeinschaft gibt es keinen Sonderurlaub. Wer eigentlich in der Uni sitzen müsste, lauschte von der Wache aus den Vorlesungen der Professoren. Wer einem Bürojob nachgeht, verlegte den Arbeitsplatz kurzerhand ins Gerätehaus. Und für alle anderen ging entweder ein freier Tag dabei drauf oder die wohlverdiente Ruhepause vor dem Schichtdienstbeginn in ihrem Brotjob.

Grünstadt Wehrführer Jens Michel pendelte unterdessen am Mittwoch zwischen Außenterminen als Schornsteinfeger und seinem engagierten Team im Gerätehaus.

Auf Feuerwehr ist Verlass

Dass es dann zumindest in Grünstadt nicht zum Einsatz kam, dürfte alle erleichtert haben. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass viele Menschen wie ich gehandelt haben und direkt zu Hause geblieben sind. Trotzdem hat der Glätte-Tag gezeigt: Das Leiningerland kann sich auf seine Einsatzkräfte verlassen. Die Feuerwehr ist nicht nur zur Stelle, wenn’s brennt!

Ich persönlich nehme aus dem Wetterchaos mit, dass mein größter Beitrag zur Sicherheit der Allgemeinheit wohl darin besteht, mich fernzuhalten. Denn seit Freitagmorgen habe ich auch noch einen Eiskratzer auf dem Gewissen. Immerhin hat er mir genug Sicht verschafft, um den Weg zum Baumarkt zu finden. Ich habe jetzt einen neuen Schneeschieber. Er ist leuchtend rot wie die Fahrzeuge der Feuerwehr und hat fünf Jahre Herstellgarantie.

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