Interview
20 Jahre „Freie Liste“ – Wie eine Idee zum Erfolgsmodell wurde
Herr Findt, wenn Sie auf 20 Jahre Freie Liste zurückblicken – was war für Sie persönlich der prägendste Moment in dieser Zeit, der zeigt, wofür Ihre Liste steht?
Der prägendste Moment war, dass ich damals viele Leute für das Projekt angesprochen habe und viele sehr spontan bereit waren, mitzuwirken. Wir hatten damals die Situation, dass im Gemeinderat zwei starke Parteäien waren: die SPD mit sieben Sitzen und die CDU mit sieben Sitzen – und dazu eine kleine Wählergruppe mit zwei Sitzen. Da entstand oft der Eindruck, dass sie durch diese Pattsituation gelähmt waren, und da haben wir gesagt: Mensch, diese festgefahrene Situation – da muss was gehen. Ich habe dann gedacht, dass ich nicht in eine Partei reingehe, sondern das so mache, dass ich eine freie Wählergruppe ins Auge fasse.
Viele Parteien und Listen kommen und gehen – was, glauben Sie, macht die Freie Liste so stabil und attraktiv für die Bürger in Ebertsheim?
Ohne mich groß in den Vordergrund stellen zu wollen: Ich bin hier geboren, aufgewachsen, habe ein Haus gebaut, habe eine Familie gegründet – was zusammengenommen ein Anker war. Deshalb gab es mit mir früh so etwas wie Stabilität in der Führungsfigur. Viele haben gesagt: Ich mach mit – wegen dir, weil du mich nicht in eine Partei reinziehen willst. Schön war auch, dass viele Neumitglieder sich vorher überhaupt nicht kommunalpolitisch engagiert hatten.
Was wünschen Sie sich für die nächsten 20 Jahre der Freien Liste – gibt es ein Projekt oder eine Haltung, die unbedingt erhalten bleiben soll?
Die Zukunft sehe ich positiv. Das liegt darin begründet, dass wir die mitgliederstärkste freie Wählergruppe im Verbandsgemeindegebiet sind. Wir haben über 70 Mitglieder. Hohe Jahresbeiträge haben wir keine, weil wichtiger ist, dass die Leute sich öffentlich zu der Liste bekennen. Bei der vergangenen Wahl haben wir einen Generationenwechsel vorgenommen – mit vielen neuen, jungen Gesichtern. Und wir werden uns bei der nächsten Wahl 2029 nochmal verjüngen. Die Liste aufzustellen, war bisher kein Problem. Wir haben das bei anderen Parteien gesehen – wie der CDU, die sich komplett aufgelöst hat. Die anderen haben Probleme, ihre Listen vollzubekommen. Auch wenn ich mich mal als Bürgermeister zurückziehen sollte: Es läuft weiter.
Gab es in den vergangenen 20 Jahren auch Momente, in denen Sie dachten: „Jetzt wird es eng für die Freie Liste“ – und wie sind Sie mit solchen Herausforderungen umgegangen?
Diesen Gedanken hatte ich nie. Wir haben unter unserer Federführung eine Menge umgesetzt. Gleich am Anfang haben wir eine große Jubiläumsfeier geschultert – das war so ein bisschen der Freischwimmer, auch für mich. Dann haben wir energetische Sanierungen durchgeführt – im Rathaus, bei der Kindertagesstätte. Besonders herausragend: die Umsetzung des Renaturierungsgebietes mit Wasserspielplatz. Alle prägenden Ideen, die in den vergangenen 20 Jahren umgesetzt wurden, kamen aus unserer Gruppe heraus – und von niemand anderem.
Info
Die Feier zu „20 Jahre Freie Liste Ebertsheim-Rodenbach“ findet als Bayerischer Frühschoppen am Sonntag, 6. Juli, ab 10 Uhr, im Ortskern an der evangelischen Kirche statt. Der Fassbieranstich beginnt um 10.30 Uhr durch Ortsbürgermeister Findt.