Frankenthal Wohngeld: Deutlich mehr Bezieher prognostiziert

In Frankenthal lag das durchschnittliche Wohngeld zuletzt bei 192 Euro und damit über dem Bundesdurchschnitt von 180 Euro.
In Frankenthal lag das durchschnittliche Wohngeld zuletzt bei 192 Euro und damit über dem Bundesdurchschnitt von 180 Euro.

290 Haushalte in Frankenthal wurden zum Stichtag 31. Dezember 2021 mit Wohngeld unterstützt. Im Schnitt bekamen sie 192 Euro pro Monat. Konkrete Zahlen zur aktuellen Entwicklung gibt es noch nicht, dafür aber Schätzungen und Hochrechnungen. Und die kennen angesichts kräftig gestiegener Heizkosten und neu eingeführter Klimaabgabe nur eine Richtung: nach oben.

2023 soll es nach den Plänen von Bund und Ländern mehr Wohngeld und auch mehr Berechtigte geben. Unklar ist, wie viele zusätzliche Haushalte jetzt tatsächlich diese Leistung beziehen. Wie der Zeitungsdienst Südwest (ZDS) meldet, geht die Bundesregierung von deutschlandweit rund zwei Millionen Haushalten aus, die auf Basis der Neuregelung jetzt einen Anspruch haben. Ende 2021 waren es noch 572.535. Bleibt der Anteil in Frankenthal gemessen an der Zahl der im Bund geförderten Haushalte unverändert bei 0,05 Prozent, wären das rund 1000 Haushalte oder 700 mehr als heute.

Die Grundidee bleibt im aktualisierten Wohngeldgesetz unverändert: Unterstützt werden Menschen, die ihre Miete aufgrund eines niedrigen Einkommens nicht alleine bezahlen können. Für Hausbesitzer, die aus dem gleichen Grund mit dem Unterhalt ihrer Immobilie Probleme haben, gibt es einen Lastenzuschuss. In Frankenthal lag das durchschnittliche Wohngeld zuletzt bei 192 Euro und damit über dem Bundesdurchschnitt von 180 Euro. Das macht in der „Bundesliga der Wohngeldhaushalte“ Platz 159 unter 406 ausgewerteten Städten, Kreisen und Stadtstaaten.

Nach Miethöhen gestaffelt

Spitzenreiter ist der Kreis Offenbach in Hessen. Dort lag das durchschnittliche Wohngeld zuletzt bei 290 Euro. Dabei wird eine Unwägbarkeit des Systems deutlich: Wohngeld und Lastenzuschuss werden auch nach Miethöhen gestaffelt. Mehr Wohngeld kann also bedeuten, dass es sich um eine besonders teure Gegend handelt.

Schon bisher steckte der Teufel vor allem in diesem Detail. Je nach Kreis oder Ort und lokaler Miethöhe gelten sieben Mietstufen und Höchstbeträge beim Einkommen. Präzise Zahlen gibt es deswegen auch nur zum Ende eines Jahres. Zuletzt wurden in Rheinland-Pfalz 23.785 Wohngeldhaushalte gezählt (Vorjahr: 25.710).

Kräftiger Anstieg

Von den 290 Empfängerhaushalten, die zum 31. Dezember 2021 in Frankenthal registriert waren, wurden nach Angaben der Regionaldatenbank Genesis 280 Haushalte bei der Miete unterstützt – mit durchschnittlich 191 Euro im Monat. Zehn Haushalte erhielten für ihr Haus oder ihre Eigentumswohnung einen Lastenzuschuss. Die Einzelbeträge summierten sich Ende 2021 auf rund 670.000 Euro (2020: 660.000 Euro). 2011 hatte das durchschnittliche Wohngeld in der Stadt noch bei 120 Euro gelegen. 393 Haushalte wurden damals mit 570.000 Euro unterstützt.

2023 wird sich der Wohngeldbetrag den Prognosen der Bundesregierung zufolge um durchschnittlich 190 Euro pro Monat erhöhen. Er steigt damit von monatlich 180 auf 370 Euro. „Insgesamt wird das Wohngeld im Zusammenspiel aller Reformbausteine wie Heizkostenkomponente, Klimakomponente und allgemeine Leistungserhöhung mehr als verdoppelt“, zitiert der ZDS eine Pressemitteilung der Bundesregierung. Demzufolge soll die Zahl der Wohngeldhaushalte auf zwei Millionen steigen.

Neue Dimension

Auf Grundlage der Zahlen von Ende 2021 könnte der neue Schnitt beim Wohngeld in Frankenthal bei 395 Euro monatlich liegen. Wenn gleichzeitig die Anzahl der Bezieher hier tatsächlich auf 1000 Haushalte steigt, müssten sich Bund und Land allein für Frankenthal in diesem Jahr auf Ausgaben von gut fünf Millionen Euro (2021: 670.000 Euro) einstellen.

Bei der Volkszählung 2011 wurden hier 21.517 Haushalte ermittelt. Die 290 Haushalte, die Ende 2021 Wohngeld bezogen, machten demnach einen Anteil von 1,3 Prozent aus. Geht man von den nun erwarteten 1000 Haushalten aus, wäre man schon bei einem Anteil von 4,7 Prozent, womit der Finanzierungsbedarf eine neue Dimension erreichen würde.

Wohngeld gibt es seit 1965. Ziel ist bis heute die Unterstützung einkommensschwacher Bürger. Voraussetzung ist ein Einkommen aus Arbeit oder Rente. Weil die exakte Ermittlung kompliziert ist, bieten Wohngeldrechner im Internet bestenfalls eine Orientierung. Menschen mit einem niedrigen Einkommen sollten sich im Amt vor Ort informieren, ob sie Anspruch auf die Leistung haben.

x