Frankenthal
Warten auf den Siedepunkt: Wie Unterricht am KG von Neubau profitiert
Nach den Herbstferien nahmen die Schüler des Karolinen-Gymnasiums im Neubau 19 Unterrichtsräume in Besitz, darunter fünf Fachräume für Biologie und Naturwissenschaften (Nawi). Letztere sind komplett neu ausgerüstet, unter anderem mit elektronisch gesteuerten Gas- und Stromstationen, die aus der Decke ausgefahren werden können. Ein wenig ist es wie im Science-Fiction-Film: Unter rhythmischem Piepsen senken sich vier weiße Türme per Knopfdruck von der Decke auf die Köpfe der Schüler herab. Spannung herrscht beim ersten Experiment mit Thermometern im Raum 212 des Neubaus. „Jetzt die Stecker einstecken. Beeilt euch, bevor das Eis schmilzt“, ruft Nawi-Lehrerin Sigrid Nölte der Klasse 5c zu. Flugs docken die Schüler die Kabel an die Stromstationen an und schalten die Heizplatten auf Maximum. Jetzt heißt es volle Konzentration beim Versuch, ein Thermometer zu kalibrieren.
Marielle stellt ihr Thermometer ohne Skala in das mit Eiswürfeln und Wasser gefüllte Reagenzglas und beobachtet, wie die blaue Säule nach unten sinkt. Als sie stehenbleibt, markiert die Elfjährige den Punkt der Schmelztemperatur mit Null Grad Celsius. Wo die 100-Grad-Marke ist, wird sie wissen, wenn das Wasser kocht. Noah und Theodor sind die ersten, bei denen das Wasser den Siedepunkt erreicht hat. Eifrig notieren die Zehnjährigen auf dem Arbeitsblatt ihre Beobachtungen: Zunächst beginnt das Wasser zu flimmern. „Das sieht genauso aus wie im Sommer die Luft über dem Asphalt“, kommentiert Theodor. Nun beschlägt das Reagenzglas. Gleich bildet es Gasbläschen wie im Mineralwasser und beginnt zu blubbern.
Ausrüstung auf dem neuesten Stand
Eine Beobachtung machen die Klassenkameraden, die nichts zu tun hat mit dem Experiment: Ein chemischer Geruch macht sich breit im Fachraum. „Das kommt von den Heizplatten. Sie sind heute zum ersten Mal im Einsatz. In ein paar Minuten merkt ihr nichts mehr davon“, beruhigt Nölte. Bei Marielle und einigen anderen Schülern tut sich nichts im Messglas. Nöltes Kollegin Tabea Scheid prüft, ob die Stecker richtig in der Dose sitzen. Daran kann es nicht liegen. Im Schaltschrank entdeckt Nölte, dass einige Sicherungen ausgefallen sind. „Wisst ihr, was passiert ist?“, fragt sie die Klasse. Emilia streckt als erste den Finger hoch und weiß die richtige Antwort: An allen Arbeitstischen mit vier Heizplatten ist der Strom ausgefallen, weil die Spannung zu hoch war. Bei den Tischen mit drei Heizplatten fließt Strom. Scheid lobt Emilias Beobachtungsgabe und stellt die Arbeitsgruppen neu zusammen. Am Ende der Unterrichtsstunde liegen 26 Thermometer mit von den Schülern selbst eingezeichneter Skala auf ihrem Lehrertisch. Das Experiment ist gelungen, und die Elektrik soll demnächst nachgebessert werden, verspricht Rektor Christian Bayer.
Rekordteilnahme bei Jugend forscht
Als die Schüler in die Pause gehen, zeigt Scheid den neuen Laborraum mit den Materialien, die zum Teil noch nicht ausgepackt sind. In den Regalen liegen bereits Modelle menschlicher Organe. Neben dem Giftschrank mit Säuren und Laugen wächst in Gläsern die Wasserpest, deren Zellschichten bald von den Gymnasiasten mit neuen Mikroskopen untersucht werden. Und in der Ecke wartet jemand, den die Fünftklässler demnächst kennenlernen dürfen: Skelett Bruno. „Unsere Sammlung ist auf dem neusten Stand“, sagt Scheid. „Damit haben auch die Schüler der Orientierungsstufe alles, was sie für die Experimente benötigen – vom Planen über die Durchführung bis hin zum Auswerten.“
Auch für die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Jugend forscht“ sind die neuen Fachräume eine Bereicherung: Beim jährlichen bundesweiten Schüler- und Jugendwettbewerb im Bereich Naturwissenschaften und Technik hat das KG regelmäßig die Nase vorn. In diesem Jahr gehen hier so viele Teilnehmer wie noch nie an den Start: Sieben Arbeitsgruppen mit 14 Teilnehmern.