Frankenthal
Unzählige Kinder begleitet: Kita-Leiterin geht nach 25 Jahren
„Ich habe keinen Tag bereut, mein Beruf war spannend und ist nie zur Routine geworden“, resümiert die scheidende Leiterin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Mit Leib und Seele ging Wieder in ihrem verantwortungsvollen und herausfordernden Job auf, stets von der Maxime bestimmt, Erziehungspartnerschaft auf Augenhöhe zu leben. Ihr sei immer wichtig gewesen, dass sich die ihr anvertrauten Kinder angenommen und geborgen fühlten, dass sie sie bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit unterstützten durfte. Dabei seien stets auch christliche Werte und die Botschaft der Nächstenliebe vermittelt worden.
Was Karin Wieder als umsichtige und stets auf Ausgleich bedachte Kita-Chefin in besonderer Weise schätzte, war zum einen ihr sehr engagiertes Team, das sich immer offen für neue Wege zeigte, zum anderen ein verlässlicher Träger, bei dem sie in allen Anliegen – meist baulicher Natur – Gehör fand. In dem Gebäude, das 1978 seinen Betrieb aufnahm, hat sich in ihrer Ära eine ganze Menge getan. Die Räume wurden modernisiert, renoviert und erweitert, der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht. Eine kindgerechte Gestaltung des Außengeländes und der Umbau der früheren Schwesternwohnung im Obergeschoss, wo heute Küche und Speiseräume sind, waren weitere Projekte, die gestemmt werden mussten. Auch keine Selbstverständlichkeit: Für die Ganztagskinder bereitet eine Hauswirtschafterin täglich ein warmes Mittagessen frisch zu.
Vorreiter im Bistum
75 Kinder ab zwei Jahren – darunter etwa die Hälfte mit Migrationshintergrund – werden in der Kita St. Ludwig betreut. Dass dies nach modernsten pädagogischen Gesichtspunkten geschieht, hat die Einrichtung schwarz auf weiß. Nach dreijähriger Evaluationsphase im Pilotprojekt „SpeQM – Speyerer Qualitätsmanagement“ erhielten Karin Wieder und ihr Team im Sommer 2016 als erste Kita im Bistum Speyer den Qualitätsbrief des Verbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK).
Der Berufswunsch, Erzieherin zu werden, reifte bei Karin Wieder, die in Eppstein als jüngstes von vier Kindern aufgewachsen ist, schon im Alter von 14 oder 15 Jahren. „Es gab in der Familie einige Vorbilder“, erzählt sie. An der Berufsfachschule erwarb sie die Mittlere Reife, absolvierte ein Vorpraktikum in städtischen Kindergärten und studierte anschließend an der Fachschule für Sozialpädagogik in Ludwigshafen. In dem gerade neu eröffneten Kindergarten von St. Ludwig fand sie eine Anstellung und löste nach einer Familienphase und der Geburt zweier Kinder – heute 37 und 40 Jahre alt – im Jahr 1998 die Ordensschwester Angelina als Leiterin der Einrichtung ab.
Gutes Miteinander mit Eltern
„Die Kita St. Ludwig war damals schon ein Bildungsort und ein gut geführtes Haus“, unterstreicht Karin Wieder. In der pädagogischen Arbeit sei im Laufe der Jahre ein grundlegender Wandel eingetreten. Anfangs habe es noch Wochenpläne gegeben. Nach und nach seien für die Kinder immer mehr Freiräume für Partizipation eröffnet und Projekte von ihnen selbst gestaltet worden. Auch die Öffnungszeiten seien von sechs auf neun Stunden täglich ausgeweitet worden. Und die Verwaltungsarbeit habe inzwischen immense Dimensionen angenommen. Was ihr das Leben leichter gemacht habe, sei die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Elternausschuss gewesen.
Die 64-Jährige hat für den Ruhestand so manchen guten Vorsatz gefasst, wobei sportliche Betätigung ganz oben steht, um körperlich fit zu bleiben. Die zweifache Großmutter zieht es dabei vorzugsweise in die Natur zum Bergwandern und Radfahren – dank E-Bike mit erweitertem Aktionsradius. Die Liebe zu Norwegen als Urlaubsort teilt sie mit ihrem Ehemann, dem Frankenthaler Alt-OB Theo Wieder. Und weil Karin Wieder gute Lektüre schätzt, wird die Mutter der Leiterin der Stadtbücherei in ihrer Freizeit nun häufiger zum E-Book greifen.
Termin
Kita-Leiterin Karin Wieder wird am Sonntag, 2. Juli, 10 Uhr, in der St. Ludwigskirche verabschiedet. Die musikalische Gestaltung übernimmt der Singkreis (Leitung Margot Schäfer), der sein 20-jähriges Bestehen feiert. Nach dem Gottesdienst lädt die Pfarrei zu einem Empfang ein.