Frankenthal
Super-Sommer-Sause: Besuch von Box-Europameisterin
Patsch, patsch, patsch. Kurze Pause. Patsch, patsch, patsch. Kurze Pause. Weiter geht die Fahrt. Asya Aris Schläge treffen präzise, prasseln auf den Bauchschutz, den Trainer Andreas Riedel umgeschnallt hat, landen auf gepolsterten Handschuhen, den sogenannten Pratzen. Die 18 Jahre alte Frankenthalerin demonstriert, warum sie im April Jugend-Europameisterin geworden ist und nun am Olympiastützpunkt Heidelberg trainiert. Ihr Publikum ist beeindruckt: 44 Kinder, die in dieser Woche am Ferienprogramm der Stadt – der „Super-Sommer-Sause“ – dabei sind, und ihre Betreuer.
Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) verzichtet angesichts der Durchschlagskraft der jungen Dame freiwillig auf den Versuch, die Boxhandschuhe für ein Sparring überzustreifen. Die Jungs und Mädchen im Alter zwischen sechs und elf Jahren haben keine Scheu vor der Athletin, die vor vier Jahren beim 1. Box-Club Frankenthal zum Kampfsport gekommen ist. Mit Energie und Ehrgeiz machen sie die einfachen Übungen mit, die Riedel ihnen erklärt und mit der Hilfe seiner Musterschülerin Ari und Nachwuchstalent Kelvin Ifesi auch zeigt.
Erste Lektion funktioniert
Hände vor der Nase halten und Fäuste dann pfeilgerade nach vorn schnellen lassen – die erste Lektion funktioniert ganz gut. Und kurz darauf ist der Spaß schon riesengroß, als die Kinder typische Bewegungen wie das Ausweichen und Vorrücken üben. Haken und Jabs gibt es bei dieser spielerischen Methode natürlich nicht, sondern nur einen leichten Klaps auf die Schulter des Gegenübers. Besonders groß ist der Ehrgeiz bei denjenigen, die einen der Großen als Trainingspartner erwischt haben. Da muss sich der 17-jährige Schwergewichtler Ifesi schon mal einer ganzen Horde von motivierten „Kämpfern“ erwehren.
Der Besuch der Europameisterin, die im November um den WM-Titel kämpfen will, ist die Überraschung für die Kids in der Sporthalle Am Kanal in dieser Woche. Ausgepowert sind sie – trotz umfangreichen Vormittagsprogramms – ganz und gar nicht. Körperlich und, beim Boxen ganz wichtig, auch mental: Vor dem sportlichen Teil stellen sie den Gästen jedenfalls viele Fragen.
21 Kämpfe gewonnen
„Aber ihr tut euch doch gegenseitig weh, wenn ihr euch schlagt“, stellt ein Mädchen skeptisch fest. Asya Ari verweist einerseits auf die Schutzausrüstung für Kopf, Brust und Unterleib, stellt aber vor allem heraus, dass Fairness in ihrem Sport sehr wichtig sei. „Beim Boxen geht es weniger ums Treffen als darum, nicht getroffen zu werden“, sagt die Abiturientin, die 21 ihrer bislang 25 Kämpfe gewonnen hat.
Kraft, Ausdauer und eine ordentliche Portion Selbstvertrauen habe sie dem Kampfsport zu verdanken, betont Asya Ari. Den Fleiß bringt sie offenbar mit: In „normalen Zeiten“ absolviere sie zehn bis zwölf Einheiten pro Woche, im Trainingslager geht es sogar dreimal am Tag in den Ring. Vor Wettkämpfen werde das Pensum etwas reduziert, dafür gibt’s dann ein anderes Problem: Das Gewicht muss unter 57 Kilogramm bleiben. Die Boxerin verrät: Steht gerade kein Fight an, „esse ich auch mal ein Eis“.