Frankenthal
Studernheim: Männerballett der KG Royal kommt in Schwung
Ein Schiffsuntergang ist eine Erfahrung, auf die man dankend verzichten kann. Ihn ein ums andere Mal durchzuspielen, und das auch noch ohne Schiff, das verlangt eine Menge Disziplin ab. Die beweisen im Frankenthaler Vorort Studernheim Dienstag für Dienstag zehn Männer, die auf einen großen Auftritt hinarbeiten. Auf den beiden jetzt schon ausverkauften Prunksitzungen der Karnevalgesellschaft Royal (KGR) hat das neu formierte Männerballett mit einer Weltreise auf hoher See Premiere. Unter der Regie von Justine Jung und Jessica Schmidt begeben sie sich bereits seit vier Monaten in der Eichwiesenhalle konzentriert, aber auch mit einer Menge Spaß ein ums andere Mal auf die fiktive Reise von Studernheim in die weite Welt.
Es ist gar nicht so einfach, fünf Minuten lang zum eingespielten Medley elegant den Rhythmus zu halten, im richtigen Moment die Position zu wechseln oder im wahrsten Sinn des Wortes den Absprung für eine Figur nicht zu verpassen. Erst recht nicht, wenn der zentrale Orientierungspunkt für die Choreografie fehlt. Denn an ihrem „Traumschiff“ basteln die Männer noch, das wird keinem externen Konstrukteur überlassen. Drehen, zusammenkommen, ohne sich in die Quere zu kommen, im Takt rudern – zunächst müssen sich die Bewegungsabläufe eben um einen fiktiven Dampfer herum winden. Musikalisch driftet die Route die wackeren Wikinger von ihrer legendären Walhalla-Heimat, unterstrichen von Santiano-Klängen, weit ab bis hin zum tropischen Hawaii, wo es, wie man seit Paulchen Kuhn weiß, kein Bier gibt.
„Studrum goes Hollywood“
Als Schiffsmannschaft hat eine muntere Schar Studernheimer Matrosen angeheuert, die einen etwas leichter, andere gestandener. Für eine solche Gaudi geben sie sich gerne her. Die Crew hat sich nicht nur aus den Reihen der KGR-Mitglieder formiert, sie hat auch Komparsen aus dem Vorort für einen Gastauftritt mit an Bord geholt. Jeden Dienstag wird jetzt an der Choreografie gefeilt. Mit so viel Idealismus, dass die erste Runde noch vor der Halle unterm Vordach eingeläutet wird, weil drinnen noch die Aktivengruppe trainiert. Die zehn Tänzerinnen wollen an die vor zwei Jahren inszenierte Playbackshow anknüpfen, diesmal unter dem Motto „Studrum goes Hollywood – das Beste aus Film und Fernseh“.
Bei der KG Royal wird so ziemlich alles gewissermaßen im Familienbetrieb organisiert. Seit der Vereinsgründung vor 15 Jahren hat sie einen wahren Boom erlebt, allein seit der Corona-Pandemie hat sich die Anzahl der Mitglieder auf 90 verdreifacht. In vier Garden tanzen mittlerweile 40 Kinder. Angesichts so vieler motivierter Aktiven und fasnachtsbegeisterter Gäste weiß sich Präsident Jan Schroth nicht anders zu helfen, als Ende Januar eine zweite identische Prunksitzung anzusetzen. Sie dürfte ebenfalls rund sechs Stunden dauern, dichter kann er die vielen Eigengewächse und deren karnevalistischen Beiträge nicht packen. Im Vorverkauf gingen die Karten weg wie warme Semmeln. Um das Programm zu koordinieren, konzentriert sich Schroth mittlerweile auf sein Präsidentenamt, den zweiten Vorsitz hat er an Heiko Endreß abgetreten.
Eingebaute Hebefigur in Studernheim
Bleibt es bei all den Mühen und dem Eifer bei den beiden fünfminütigen Einlagen auf den Prunksitzungen? Ruft die neue Formation in der Frankenthaler Fasnacht nicht nach einigen Gastauftritten bei befreundeten Vereinen? Schließlich ist ein uneitles Männerballett mit seinem bekannten Talent für Grazie und Eleganz ein Stimmungsgarant in jedem Saal. Wenn da nicht die ganze Logistik dahinter wäre, gibt der Präsident zu bedenken. Den einen oder anderen Auftritt bei Freundschaftsturnieren will er nicht ausschließen, aber vereinbart ist noch nichts.
Schade eigentlich, denn die eingebaute Hebefigur, bei der einer der Akrobaten am Ende auf Hände getragen wird, ist ein wahrer Kraftakt. Und wird garantiert Begeisterungsstürme auslösen bei den paar Hundert Narren, die Ende Januar auf den beiden Sitzungen erwartet werden. Bis dahin wird er aber noch etliche Male eingeübt werden. Wer weiß, am Ende vielleicht auf dem Bug der MS „KG Royal“.