Frankenthal / Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Fasnacht: Was kostet die Kampagne?

Als Stadtschlüsselverein hat die KG Royal diesmal einen extra Orden aufgelegt. Hier ein Bild vom Narrensturm aufs Rathaus.
Als Stadtschlüsselverein hat die KG Royal diesmal einen extra Orden aufgelegt. Hier ein Bild vom Narrensturm aufs Rathaus.

Fasnachtsvereine stemmen Veranstaltungen mit Hunderten von Besuchern und verantworten teils Jahresumsätze im fünfstelligen Bereich. Wir fragen nach: Was kostet die Kampagne?

Als Stadtschlüsselverein hat die Karnevalgesellschaft (KG) Royal Frankenthal-Studernheim in diesem Jahr einen Zusatzposten auf dem Ausgabenzettel: Neben dem Orden ihrer Hoheit Prinzessin Melissa I. gibt es aus gegebenem Anlass noch einen zweiten Orden. Kostenpunkt jeweils etwa 2500 Euro, die zu drei Vierteln durch Spenden finanziert werden, informiert der Vorsitzende Marco Hannappel. Die Unterstützung von Firmen und Privatpersonen, aber auch Ehrenmitgliedern und Aktiven sei ein unverzichtbarer Posten in der Vereinsbilanz – und beileibe kein Selbstläufer. „Wir putzen regelmäßig bei den Unternehmen in Studernheim die Klinken“, erklärt Hannappel. Das Wurfmaterial beim Fasnachtsumzug für etwa 1000 Euro zahle zur Hälfte der Elferrat, er selbst „schenke“ dem Verein für die Kampagne etwa zehn bis zwölf Tage seinen Jahresurlaubs.

Die mit knapp 400 Besuchern ausverkaufte Prunksitzung Anfang Februar habe mit Ticketverkauf und Ausschank rund 5000 Euro in die Kasse gespült. Finden sich 2026 genügend Helfer, soll es wegen der guten Nachfrage einen zweiten Abendtermin geben. Demgegenüber stehen etwa 1200 Euro an Ausgaben für das Programm, bei dem der jüngste der Frankenthaler Fasnachtsvereine neben eigenen Aktiven sowohl auf – günstigere – Nachwuchstalente aus Nachbarvereinen als auch auf bekannte Hochkaräter setzt. Dazu kommt die Miete für die Eichwiesenhalle mit je 300 Euro pro Veranstaltung. Heftig schlägt die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) zu Buche: 1300 Euro seien allein für die Prunksitzung fällig, 2000 Euro seien es für Ordensfest, Gardeball und Kinderfasching zusammen, berichtet der KG-Vorsitzende. Eine Summe, die der Verein wohl oder übel zahlt. Als die Abgabe vor einigen Jahren vergessen wurde, habe man letztlich als Strafe das doppelte geblecht, erinnert sich Hannappel.

Trainerinnen machen Nähkurs

Die Beiträge der rund 120 Mitglieder, darunter 50 Kinder, bringen dem Verein etwa 1500 Euro im Jahr, Kerwe, Maifest und Ortsfußballturnier sind weitere Einnahmequellen. „Es gab Jahre, da war es eng“, erinnert sich Hannappel. Mittlerweile habe die KG Royal einen finanziellen Puffer. „Den brauchen wir auch, um beispielsweise unser Lager zu erweitern.“ Weil sie kein eigenes Vereinsheim haben, nutzen die Fasnachter Räume beim Sportverein SV Studernheim. Unbezahlbar ist – wie in allen Vereinen – das Ehrenamt. Ein Kostüm zu kaufen würde etwa 300 Euro kosten, rechnet Hannappel ein Beispiel vor. „Um Geld zu sparen, haben alle Trainerinnen einen Nähkurs besucht“, berichtet der Vorsitzende. Im Sommer werde dann die Ausstattung geschneidert – mit Stoff, den die Eltern bezahlen.

Nicht nur finanziell spielen die Hessemer Kiesbolle mit etwa doppelt so vielen Mitgliedern, davon gut 80 unter 18 Jahre alt, in einer anderen Liga. Auf 17 Veranstaltungen mit über 3000 Gästen kommt der Verein jedes Jahr, darunter fünf Prunksitzungen, Kinderfasching, Seniorenfasching der Verbandsgemeinde und ein Gardeball als Freundschaftsturnier der Aktiven sowie alle paar Jahre ein Krönungsball für die vereinseigene Prinzessin. Außerdem beteiligt sich der Karnevalsverein am Fasnachtsumzug in Frankenthal.

Wichtige Einnahmen durch Ticketverkauf

Der Jahresumsatz der Kiesbolle liegt laut dem Vorsitzenden Rolf Alles im höheren fünfstelligen Bereich. Weil gut 2000 Kontobewegungen jährlich im Ehrenamt kaum mehr alleine zu bewältigen sind, gibt es seit etwa einem Jahr einen zweiten Kassier im Vorstand. 40 Prozent der Einnahmen kommen bei den Kiesbolle aus dem Verkauf der Eintrittskarten für die diversen Veranstaltungen. Der Vorverkauf startet etwa zehn Monate im Voraus, die Termine sind schnell ausgebucht. Ein weiteres Drittel erwirtschaftet der Karnevalsverein mit dem Verkauf von Essen und Getränken. Die Mitgliedsbeiträge machen nur einen kleinen Teil der Einnahmen aus, dazu kommen Spenden und Werbegelder.

Auch unterm Jahr mischen die Hessemer Kiesbolle im Ort mit, wie hier 2024 beim Kerweumzug.
Auch unterm Jahr mischen die Hessemer Kiesbolle im Ort mit, wie hier 2024 beim Kerweumzug.

Wenn man weiß, dass die Ausrüstung eines Elferrats mit Kappe, Weste und Kittel etwa 800 Euro kostet, ist es keine Überraschung, dass laut Alles knapp die Hälfte der Ausgaben in Kostüme und Schminke fließt. Dekoration und Bühnenbild, Ton, Technik und Licht sind weitere Posten, dazu kommen Raummiete, Gema-Gebühren und Orden. Weil das Bühnenprogramm überwiegend aus den eigenen Reihen gestemmt wird, sind die Honorare für externe Akteure bei den Kiesbolle eher gering. Auch hinter der Bühne wird vieles in Eigenleistung von den Aktiven erledigt: Zum Team gehören Näherinnen und Bühnenbildner, ihre Schautanzkostüme gestalten die Garden gemeinsam selbst. Eltern und andere Mitglieder engagieren sich das ganze Jahr über in der Jugendarbeit. Elf ehrenamtliche Trainer und eine Vielzahl von Betreuern zählt der Vorsitzende auf. Und auch die Ortsgemeinde unterstütze den Verein sehr und „ist immer da, wenn man sie benötigt“, betont Alles.

Mitgliederbeitrag hat kleinen Anteil

Nach über zwölf Jahren brauchen die Garden der Lambsheimer Schlossnarren dringend neue Uniformen, berichtet Präsidentin Alina Guhmann. Mehrere Tausend Euro habe der Verein bereits für die neu gestaltete Ausstattung der Schloss- und Königsgarde investiert, Purzel- und Prinzengarde sollen folgen, sobald das nötige Geld dafür zusammen ist. „Dabei sind wir dringend auf Spenden angewiesen“, sagt Guhmann, die auch stellvertretende Vorsitzende des etwa 100 Mitglieder starken Vereins ist. Die Mitgliedsbeiträge, die zwischen 20 und 60 Euro im Jahr liegen, trügen nur einen kleinen Teil zur Finanzierung bei.

Eine Prinzessinnenkampagne wie hier mit Jana I. 2024 kostet die Aktiven selbst und Vereine wie die Lambsheimer Schlossnarren zus
Eine Prinzessinnenkampagne wie hier mit Jana I. 2024 kostet die Aktiven selbst und Vereine wie die Lambsheimer Schlossnarren zusätzlich Geld.

Bei 17 Euro pro Ticket kommen bei den Prunksitzungen rund 4000 Euro an Einnahmen zusammen. Seit 2024 bewirten die Schlossnarren ihre Gäste in der ausverkauften TV-Halle selbst. „Das muss gut kalkuliert werden“, sagt Guhmann. Wird mehr eingekauft als ausgegeben, bleibt der Verein auf Kosten sitzen. Diesmal habe man jedoch auf Erfahrungen des Vorjahres aufbauen können. Stolz ist die ehemalige Prinzessin der Schlossnarren auf das hochwertige Programm. Dafür lasse man mit allein etwa 1000 Euro für Auftrittshonorare durchaus etwas springen. Dazu kommen unter anderem Miete und Ausstattung sowie in diesem Jahr kurzfristig noch Ausgaben für Brandschutz.

x