Frankenthal
Starenweg: Anwohner protestieren gegen Busverkehr vor ihrer Haustür
Seit Herbst 2015 führt die Linie 84 vom Ludwigshafener Stadtteil Oppau über Edigheim und die Pfingstweide zum Frankenthaler Hauptbahnhof und wieder zurück. Bislang fuhren die Busse in Frankenthal über die Straße Am Kanal in die Innenstadt. Zum Fahrplanwechsel am 14. Juni wurde die Linie in den Staren- und Nachtweideweg verlegt (wir berichteten).
Die neue Route habe die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation im Starenweg noch einmal erheblich verschärft, sagt Heike Garstka, die direkt an der Ecke Am Kanal/Starenweg wohnt und den Protest der Anwohner organisiert. Der Starenweg sei gerade mal 5,50 Meter breit, wobei auf einer Seite fast durchgehend Autos parkten. Komme es zum Begegnungsverkehr, sei es schon für normale Autos schwierig, eine passende Lücke zu finden, um einander auszuweichen. „Für Lastwagen mit einem Gewicht ab 3,5 Tonnen ist der Starenweg deshalb aus gutem Grund gesperrt“, meint Garstka.
„Starke Erschütterungen“
Umso erstaunter sei sie gewesen, als Mitte Juni die Linienbusse durch die Straße fuhren. Und das in beide Richtungen, montags bis samstags im 20-Minutentakt von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr abends. Sonntags werde von 9 bis 20 Uhr stündlich gefahren. Direkt an ihrem Haus befinde sich eine Bodenwelle. Werde diese von einem Bus überquert, führe das zu Erschütterungen, berichtet Garstka, die im Homeoffice arbeitet. „Es ist schwierig, sich bei der Arbeit zu konzentrieren. Sechsmal die Stunde wackelt der Boden im Büro, Schreibtisch und Monitore bewegen sich, Regale knarzen, Gläser klirren.“ Auch in anderen Teilen ihres Hauses und im Garten sowie im übrigen Starenweg seien die Erschütterungen deutlich wahrnehmbar. Garstka befürchtet, dass ihr 1938 gebautes Haus Schaden nehmen könnte.
Und sie sorgt sich um ihre Gesundheit. Sie spricht von Abgasen und Verkehrslärm. Insbesondere zu verkehrsreichen Zeiten komme es oft zu erheblichen Beeinträchtigungen: „Manchmal geht es in der engen Straße weder vor noch zurück. Es bilden sich dann lange Rückstaus. Die Motoren der Autos laufen, es wird gehupt, und es kommt auch zu Auseinandersetzungen zwischen verärgerten Verkehrsteilnehmern.“ Mitunter spielten sich im Starenweg gefährliche Szenen ab, schildert die Anwohnerin. Schon mehrfach habe sie Busse beobachtet, die bei Gegenverkehr auf den Gehweg ausweichen mussten und dabei Fußgängern bedrohlich nahegekommen seien. „Das beschäftigt seit Mitte Juni die ganze Nachbarschaft.“
Ziel: Höhere Fahrgastzahlen
Hauptziel für die vom Stadtrat beschlossene Verlegung der Buslinie 84 sei eine Steigerung der Fahrgastzahlen gewesen, erläutert Xenia Schandin, Pressesprecherin der Stadt, gegenüber der RHEINPFALZ. Denn trotz ihrer Länge habe die Linie 84 die geringsten Fahrgastzahlen aufgewiesen. „Durch die neue Routenführung werden knapp 1200 Einwohner mehr erschlossen.“ Gemessen an 300-Meter-Radien um die Haltestellen sei die Linie entlang der alten Strecke von rund 3800 Einwohnern gut erreichbar gewesen, die neue Route liege in optimaler Reichweite von etwa 5000 Einwohnern. Die Verkehrsplaner, die mit einer Anlaufzeit von etwa drei Jahren rechneten, erwarteten eine Erhöhung der Fahrgastzahlen um 550 Personen pro Tag von montags bis freitags, berichtet Schandin.
Ein weiterer Grund für die Verlegung seien Änderungen bei der Buslinie 464 von Mörsch zum Hauptbahnhof, die bis Mitte Juni abwechselnd über die Mörscher Straße oder die Justizvollzugsanstalt gefahren sei. „Das war für die Nutzer intransparent“, erklärt die Pressesprecherin der Stadt. Um die Linie 464 von einem für Fahrgäste unattraktiven Stunden- auf einen Halbstundentakt umzustellen, sei es erforderlich gewesen, die Routenführung über Nachtweideweg, Starenweg und die Ludwigshafener Straße herauszunehmen. „Durch die Verlegung der Linie 84 auf den Nachtweideweg wird erreicht, dass die dortigen Haltestellen weiter bedient werden können, jetzt sogar im 20-Minuten- anstatt im Stundentakt.“
Anschluss an die Schiene
Über die Haltestelle Nachtweideweg könne man sogar die Robert-Schuman-Schule und künftig auch die am Ostparkstadion geplante Kindertagesstätte im 20-Minuten-Takt anbinden, berichtet Schandin. Ein weiterer ausschlaggebender Aspekt bei der Takt- und Linienumstellung seien die Anschlüsse am Hauptbahnhof gewesen. Die seien jetzt in Richtung Ludwigshafen und Mainz für beide Buslinien gegeben.
Garstka und ihre Mitstreiter sprechen sich dennoch dafür aus, die Buslinie 84 wieder über die breitere Straße Am Kanal zu führen. Das machen sie auch am Freitag bei der Protestaktion deutlich, für die der Starenweg mehrere Stunden für den Verkehr gesperrt war und bei der sich einige Kommunalpolitiker über die Situation informieren. In der Straße Am Kanal gebe es gut ausgebaute Haltestellen, die auch für Anwohner im Nachtweideweg erreichbar seien. „In der Straße Am Kanal sind die Gehwege ausreichend breit, und die Häuser sind von der Straße weiter zurückgesetzt“, sagt Garstka. Die Verkehrslage im Starenweg sei für die Anwohner inakzeptabel: „Deshalb werden wir weiter für unsere Interessen kämpfen.“