Interview
Stadtwerke-Chef zu Stromausfall: „Das war etwas Größeres“
Eine Viertelstunde war am Freitagabend nach einer Störung in einem Umspannwerk in Ludwigshafen in Frankenthal der Strom weg, in Bobenheim-Roxheim blieb es gut eineinhalb Stunden dunkel. Wie schätzen Sie diesen Vorfall ein: Routine oder doch etwas Größeres?
Die Ursache lag im vorgelagerten Netz, im Bereich der Pfalzwerke. Was genau passiert ist, wissen wir noch nicht. Dass der Strom mal länger als 15 Minuten weg ist, das hatten wir schon öfter. Aber die Stromschwankungen müssen diesmal so erheblich gewesen sein, dass an etlichen Stellen Sicherungen rausgeflogen sind – unter anderem in unserem Wasserwerk. Das war also mit ziemlicher Sicherheit etwas Größeres.
Neben der Stromversorgung gab es deshalb Engpässe bei der Trinkwasserversorgung. Woran lag das?
Die Notstromversorgung ist direkt angesprungen. Aber wenn die Sicherung raus ist, bringt das in dem Moment nichts. Dann fährt das Netz kurz auf Null runter. Sobald die Sicherungen drin waren, wurde hochgefahren. Wasser war in der Stadt nach etwa 20 Minuten wieder da, nach zwei Stunden gab es überall den alten Wasserdruck. Anders war das in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim.
Wie lief es dort?
Nach der Serie an Wasserrohrbrüchen, die wir 2022 hatten, haben wir das Netz im Wasserwerk dort ganz langsam und von Hand hochgefahren. Was dort Schreckliches passieren kann, wenn wir Drücke zu schnell ändern, wissen wir ja. Das wollten wir nun wirklich nicht riskieren.
In Ludwigshafen, wo der Stromausfall bis nach Mitternacht dauerte, gab es infolge des Druckabfalls Wasserrohrbrüche. Wie sah es in Frankenthal und Umgebung aus?
Bis dato ist nichts bekannt. Die meiste Angst hatte ich tatsächlich mit Blick auf die Verbandsgemeinde. Aber es scheint gut gegangen zu sein.
Im Stadtgebiet gab es zuletzt eine ganze Reihe von größeren und kleineren Rohrbrüchen. Häufen sich diese Fälle gerade?
Beim letzten großen Fall in Mörsch war letztlich nur eine Dichtung defekt, aber es lief kontinuierlich über längere Zeit Wasser aus. Die Leitung ist 30 Jahre alt, da muss man sich normalerweise keine Sorgen machen. An anderer Stelle waren Leitungen betroffen, die tatsächlich auf unserer Liste standen. Normalerweise warten wir mit dem Austausch aber ab, bis die Stadt sowieso Straßenbauarbeiten macht. Da kam uns jetzt die Realität zuvor.
Wie beurteilen Sie grundsätzlich den Zustand des Leitungsnetzes?
In Frankenthal kennen wir das Netz gut und haben die meisten Leitungen mit entsprechender Dokumentation selbst verlegt. Allerdings gab es auch für meinen Geschmack ein paar Vorfälle zuviel in jüngster Zeit. Das ist unserem Team nicht mehr zumutbar. Wir werden an dieser Stelle Personal für die Instandhaltung im Bereitschaftsdienst sowie für Erneuerungsprojekte aufstocken. Ebenso werden wir nach wie vor kontinuierlich in das Wasserrohrnetz investieren – in den kommenden Jahren etwas mehr als sonst.
Immer wieder war zuletzt die Rede von Blackouts, also großflächigen, langanhaltenden Stromausfällen. War das am Freitag ein Vorgeschmack auf so ein Szenario?
Was am Freitag passiert ist, wissen die vorgelagerten Netzbetreiber besser als ich. Aber grundsätzlich sind häufigere Stromausfälle durchaus wahrscheinlich. Frankreich hat beispielsweise angekündigt, dass die Atomkraftwerke deutlich höheren Sanierungsbedarf haben, als geplant. Auch in Deutschland ist der Kraftwerkspark relativ alt, viele Anlagen sind bereits abgeschaltet. Die Energiewende ist keine Luxusangelegenheit. Es wird künftig durchaus passieren, dass mal der Strom ausfällt. Und die Versorgung wird teurer werden.
Müssen sich Frankenthaler Sorgen machen, dass es künftig – vielleicht ähnlich wie in den USA – häufiger dunkel wird?
Nein. In den USA ist die Infrastruktur insgesamt nicht so gut ausgebaut wie bei uns. Das wird sicher alles im moderaten Bereich bleiben. Der letzte große Vorfall bei uns liegt immerhin schon drei, vier Jahre zurück.
Was für eine Maschinerie läuft in einem Fall wie Freitag im Hintergrund bei den Stadtwerken an?
Unsere Leute kennen das Netz richtig gut. Die meisten haben schon ihre Lehre bei den Stadtwerken gemacht und arbeiten hier seit 30,40 Jahren. Das hat uns am Freitag sehr geholfen. Am Start war der gesamte Notdienst mit zehn Mann und zusätzlich diesmal ein zweiköpfiges Team vom Wasserwerk. Über das Telefon haben uns etliche Störungsmeldungen erreicht, damit war unsere Meldestelle, die Feuerwehrleitstelle in Frankenthal, sehr beschäftigt. Außerdem war unsere Pressesprecherin eingebunden und wir haben uns mit der Pressestelle der Stadt abgestimmt.
Ohne Strom sind die Telefone tot, das Handynetz hat nach meinem Eindruck auch nicht zuverlässig funktioniert. Welche Möglichkeit hätte ich denn gehabt, mit den Stadtwerken Kontakt aufzunehmen?
Der Frankenthaler Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) und VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) haben mich jedenfalls sofort auf dem Handy erreicht. (lacht) Aber tatsächlich haben wir das so auch in unseren Notfallplänen festgehalten: Wenn bei Stromausfall zusätzlich die Mobilfunkmasten ausfallen, geht nicht mehr viel. Die Stadtwerke selbst halten deshalb für Notfälle ein eigenes digitales Funknetz vor und haben Satellitentelefone.
Insofern war das vielleicht eine guten Gelegenheit, die Notfallpläne, die 2022 erarbeitet wurden, zu überprüfen?
Im Grunde ja. Aber bei einem Blackout reden wir von einem deutlich längeren Ausfall. Die Wiederinbetriebnahme des Wasserwerks wäre in diesem Szenario Schritt eins. Das hat geklappt, damit war ich sehr zufrieden.
Was kostet so ein Stromausfall die Stadtwerke?
Zuerstmal jede Menge Überstunden.
Zur Person
Volkmar Langefeld (55) ist seit April 2021 Geschäftsführer der Stadtwerke Frankenthal GmbH. Der lokale Energieversorger ist zuständig für das Stadtgebiet Frankenthal, die Gemeinde Bobenheim-Roxheim sowie Teile der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter.