Frankenthal
Stadtverwaltung lehnt Rückverlegung der Linie 84 ab
Die Bewohner des Starenwegs, die von der Empore im Congress-Forum aus die Debatte verfolgten, werden es nicht gerne gehört haben. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) lehnte ihre von einem Antrag der Linken unterstützte Forderung am Donnerstag im Planungs- und Umweltausschuss rundweg ab: Es gebe keinen Anlass, die seit dem Fahrplanwechsel Mitte Juni dieses Jahres über Nachtweide- und Starenweg geführte Buslinie 84 wieder auf ihre alte Strecke in der Straße Am Kanal zu führen, unterstrich der OB.
Hebich argumentierte in seiner Antwort auf eine SPD-Anfrage zum selben Thema vor allem mit der Funktion der seit Herbst 2015 neu eingerichteten Linie 84 im Zusammenspiel mit der Linie 464. Weil deren Busse nur noch über die Mörscher Straße Richtung Vorort und zurück zum Hauptbahnhof fahren, fehle eine Anbindung für Ziegelhofgebiet und Ostpark-Siedlung. Dieses Problem sei mit der veränderten Linienführung gelöst worden, sagte der Oberbürgermeister.
Mehr potenzielle Fahrgäste
Gegenüber der bisherigen Route wachse das Potenzial der Linie 84 um 1200 Bewohner in den angrenzenden Vierteln. Experten hielten dadurch eine Zunahme um täglich rund 500 Fahrgäste auf der Strecke zwischen Frankenthal und den nördlichen Stadtteilen Ludwigshafens für möglich. Weil öffentlicher Nahverkehr eine teure Angelegenheit sei, müsse das Liniennetz so gestaltet sein, dass es sich auch „optimal refinanzieren“ könne. Mit anderen Worten: dass mit guten Fahrgastzahlen auch höhere Einnahmen erzielt werden.
Hebichs zweiter Punkt vor dem Ausschuss: Der Starenweg sei, anders als es die Anwohner dort sähen, von seinem Aufbau her durchaus für den Betrieb einer Buslinie geeignet. „Das ist eine ordnungsgemäße Nutzung dieser Straße“, betonte der OB. Entsprechend ihrer Bauklasse sei die Fahrbahn dafür ausgelegt, dass dort pro Tag bis zu 130 schwere Fahrzeuge passieren könnten. Bei etwa 80 Busfahrten derzeit sei „noch ausreichend Puffer für den Schwerlastverkehr“.
Kaum Platz zum Ausweichen
Einen Befund der Anwohner, die am 21. August im Starenweg mit einer Protestaktion auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht hatten, teilt aber auch Martin Hebich: die Beobachtung nämlich, dass es im Begegnungsverkehr zwischen Bussen und Autos oder gar zwischen den Bussen untereinander in der schmalen Straße häufig zu Problemen komme. Es gebe auf dem Stück zwischen Nachtweideweg und Kanal zu wenig Flächen zum Ausweichen.
Lösen möchte die Verwaltung dieses Problem mit wechselseitigem Parken. Bisher durften nur auf der Ostseite des Starenwegs Fahrzeuge abgestellt werden. Der Vorschlag aus dem Fachbereich Planen und Bauen sieht 14 Plätze auf beiden Seiten vor. Der Vorteil aus Sicht der Stadt: Der Verkehr fließe besser, konfliktträchtige Situationen wie bisher würden durch die zusätzlichen Wartezonen vermieden.
Bodenwelle soll weg
Den Bedürfnissen der verärgerten Anwohner möchte die Stadt mit weiteren baulichen Veränderungen entgegenkommen: Die Einmündung des Starenwegs zur Straße Am Kanal soll erweitert werden, um den Bussen das Ein- und Ausbiegen dort zu erleichtern. Die unmittelbar an der Einmündung eingebaute Bodenwelle – die nach Wahrnehmung der Nachbarn besonders viel Lärm erzeugt – kann abgetragen werden. Mehr Sicherheit für Fußgänger sollen Poller dort schaffen, wo der Starenweg auf den Nachtweideweg trifft. Eine Feinplanung dieses Projekts soll dann noch einmal im Planungs- und Umweltausschuss vorgelegt und beschlossen werden.
Linken-Fraktionschef David Schwarzendahl hatte im Zusammenhang mit seiner Anfrage auf Gefahren vor allem für Fußgänger und insbesondere Kinder hingewiesen und auch die an bestimmten Tagen besonders große Anzahl von Fahrten zum Wertstoffhof im Starenweg kritisch gesehen. Alis Hoppenrath (SPD) sagte, dass bei der Entscheidung zur Verlegung der Linie auf die nun von Anwohnern benannten Aspekte Lärm, Abgase und Erschütterungen „vielleicht zu wenig Wert gelegt“ worden sei.