Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtklinik: Zahlen besser – aber noch nicht gut

Auch Thema im Ausschuss: die angekündigte Schließung der Bereitschaftspraxis in der Stadtklinik.
Auch Thema im Ausschuss: die angekündigte Schließung der Bereitschaftspraxis in der Stadtklinik.

Die Mediziner der Stadtklinik behandeln wieder mehr Patienten als vor der Pandemie. Es bleibt aber weiterhin nicht genug hängen, um die Verlustzone zu verlassen. Ein Blick auf positive Entwicklungen und böse Überraschungen.

Schwierig“ – mit seinem ersten Wort schon fasst Björn Walter, stellvertretender Kaufmännnischer Direktor der Stadtklinik, im Krankenhausausschuss die Situation zusammen. Er zählt all die Faktoren auf, die aus dem Wirtschaftsplan fürs kommende Jahr eher den Versuch einer Annäherung an die Realität machen. Ein Beispiel: die geplante Finanzreform des stationären Sektors. Es fehlten bis hin zu der Frage, welche Funktion das Frankenthaler 320-Betten-Haus nach künftigen Maßstäben erfüllen soll, konkrete Infos. Ein anderes Beispiel: die ausstehenden Budgetverhandlungen für Pflege und Psychiatrie.

Steigende Fallzahlen

Aber Walter bemüht sich auch, den Mitgliedern des Gremiums ein paar positive Aspekte zu präsentieren: die im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 wieder gestiegenen Zahlen, die der Stadtklinik auch wieder etwas höhere Erlöse aus ihrem Alltagsgeschäft bescheren – eine halbe Million immerhin. Auch die Verweildauer sei von mehr als sieben zum Ende des laufenden Jahres auf sechs Tage gesunken, erklärt der Herr der Zahlen. Das alles ändert wenig daran, dass das als Eigenbetrieb der Stadt geführte Krankenhaus im neuen Jahr noch nicht aus der Verlustzone kommt. Der Wirtschaftsplan geht von einem Minus von knapp 5,8 Millionen Euro aus.

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Dafür gibt es Gründe. Einer davon: die noch einmal um 2,2 Millionen Euro höheren Personalkosten. Auf der Ertragsseite schwächelt das Servicecenter PharmaMedical, weil das Geschäft mit Herstellung und Verkauf von Zytostatika deutlich eingebrochen ist. Einige Kliniken in ihren gynäkologischen Ambulanzen böten keine Chemotherapie mehr an – Folge eines Konzentrationsprozesses auf weniger Häuser bei dieser bestimmten Behandlungsform.

Plötzliche Effekte

Die Finanzlage soll sich nach Vorstellung Walters in den kommenden Jahren erheblich verbessern. Seine Hoffnung: deutliche Ertragssteigerungen in der näheren Zukunft. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) – bis Jahresende noch als Krankenhausdezernent im Amt – warnt allerdings davor „ein geschöntes Bild zu zeichnen“. SPD-Politiker Dieter Schiffmann weist darauf hin, dass die Fehlbeträge der Stadtklinik letztlich auch die Spielräume im städtischen Haushalt einschränkten. Welches der Hebel für den Turnaround sei, habe er noch nicht erkannt, sagt Schiffmann. Die Frage, „wie lange es so weitergehen soll“, stellt auch Gerhard Bruder (Grüne/Offene Liste).

Als Paradebeispiel für plötzliche Effekte, die sich auf die Wirtschaftlichkeit der Stadtklinik auswirken können, nennt Björn Walter die von der Kassenärztlichen Vereinigung angekündigte Schließung der Bereitschaftspraxis in den Räumen der Stadtklinik. Die konkrete Befürchtung lautet, dass über die Notaufnahme nachts und an Wochenenden Patienten in der Inneren Abteilung und in der Chirurgie landen und diese Fälle dann unter Umständen schwer oder gar nicht mit den Krankenkassen abzurechnen seien. Deshalb überlegen die Klinikchefs, ob dieses Mehraufkommen über das Medizinische Versorgungszentrum des Hauses laufen kann. Eine zusätzliche Stelle sei – bislang mit Sperrvermerk – im Wirtschaftsplan vorgesehen.

Neues Ultraschallgerät

Investiert wird im kommenden Jahr aber auch noch: in Digitalisierung und in Brandschutz. Und in ein neues Ultraschallgerät für die Innere Medizin. Dass es höchste Eisenbahn dafür sei, verdeutlicht Chefarzt Volker Ohler sehr trocken: Es gehe um die Ersatzbeschaffung für einen Apparat, den die Stadtklinik vor 15 Jahren zum Start seines Amtsvorgängers Alfred Edelmann gekauft habe.

Zur Sache: Wirtschaftsplan 2024

Die Stadtklinik wird nach Schätzung der Verantwortlichen im kommenden Jahr Erträge in einer Gesamthöhe von rund 66,86 Millionen Euro erwirtschaften. Der weitaus größte Teil davon – 53,53 Millionen Euro – sind Erlöse aus dem Kerngeschäft der stationären Behandlung in dem 320-Betten-Haus. Demgegenüber stehen Aufwendungen von etwa 71,84 Millionen Euro. Dickster Brocken auf dieser Seite der Bilanz: die Personalkosten mit 45,84 Millionen Euro. Unterm Strich steht für 2024 inklusive Abschreibungen, Zinsen und Steuern ein Minus von 5,76 Millionen Euro – weniger als das noch nicht vom Wirtschaftsprüfer testierte negative Jahresergebnis 2023 von 7,24 Millionen Euro und der vorläufige Abschluss fürs Jahr zuvor, der mit 4,53 Millionen Euro in den roten Zahlen rangiert.

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