Frankenthal
Stadtklinik: Winziger Silberstreif am Horizont
Der Jahresabschluss für 2024 weist einen Fehlbetrag von rund 7,7 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor klaffte noch ein Finanzloch von 10,4 Millionen Euro im Etat. Im Wirtschaftsplan 2024 war noch ein Defizit von 9,8 Millionen Euro prognostiziert worden.
Angesichts dieser Ergebnisverbesserung um fast 22 Prozent zeigte sich Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) in der Sondersitzung des Krankenhausausschusses verhalten optimistisch. „Die Entwicklung zeigt, dass sich die Stadtklinik trotz schwieriger Rahmenbedingungen in einem gewissen Aufwärtstrend stabilisiert hat“, führte er aus. Neben den strukturellen Leistungssteigerungen habe hierzu die neue Führung mit dem kaufmännischen Direktor Andor Toth beigetragen. Gemeinsam mit der medizinischen Leitung und allen Beschäftigten sei es gelungen, operative Prozesse zu verbessern, Mehrleistungen zu erbringen und dadurch die Erlöse zu steigern.
Der OB ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass das Defizit nach wie vor zu hoch sei. Er wies darauf hin, dass die Probleme nicht allein hausgemacht seien, sondern die gesamte Krankenhauslandschaft beträfen. „Steigende Tarifabschlüsse, höhere Sachkosten und eine unzureichende Refinanzierung durch das aktuelle System belasten alle Kliniken.“
Verwaltung will Schuldenschnitt vornehmen
Was das laufende Jahr angeht, so rechnet die Stadtklinik laut Wirtschaftsplan mit einem weiteren Abspecken des Fehlbetrages um gut ein Drittel auf rund 4,9 Millionen Euro. Aufgrund der massiven Belastung des Krankenhauses durch die aus der hohen Verschuldung resultierende Zinslast sieht Nicolas Meyer baldigen Handlungsbedarf.
Angestoßen durch einen Antrag der FWG-Fraktion im Finanzausschuss, habe die Verwaltung die Möglichkeit einer Entschuldung intensiv geprüft. Sie beabsichtige, im Doppelhaushalt 2026/27 einen Schuldenschnitt in Höhe von rund 29 Millionen Euro vorzunehmen – unter dem Vorbehalt, dass die städtischen Gremien zustimmen und auch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion dazu ihren Segen gibt.
Auch wenn sich ein winziger Silberstreif am Horizont abzeichnet, riet der OB, realistisch zu bleiben. „Nur mit einer strukturellen Stärkung der Krankenhausfinanzierung auf Bundesebene sowie unserer kommunalen Entschuldung werden wir die Stadtklinik nachhaltig auf sichere Beine stellen können“, führte Meyer aus.
MVZ schreibt schwarze Zahlen
Der Wirtschaftsprüfer Jürgen Dreßler stellte nach Erläuterung des Zahlenwerkes fest, dass mit dem Jahresabschluss alles seine Richtigkeit hat. Der Ausschuss sah keinen Diskussionsbedarf und stimmte zu.
Etwas leichter tat sich das Gremium, den Jahresabschluss 2024 des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) an der Stadtklinik zu billigen. Das MVZ erwirtschaftete einen Gewinn von rund 30.600 Euro. Im Jahr zuvor konnten lediglich rund 21.000 Euro auf der Habenseite verbucht werden. 2024 wurden 6008 ambulante Behandlungen abgerechnet, was einer Steigerung um mehr als 16 Prozent entspricht.