RHEINPFALZ-Sommertour RHEINPFALZ Plus Artikel Neubau für Stadtklinik: Leser sind erste Gäste auf Baustelle

Rosige Aussichten: Chefarzt Matthias Münch am Tresen der neuen psychiatrischen Stationsleitung.
Rosige Aussichten: Chefarzt Matthias Münch am Tresen der neuen psychiatrischen Stationsleitung.

In der Stadtklinik geht’s bald kunterbunt zu. Ein schräger Lattenzaun fällt 25 Lesern beim exklusiven Blick in den Neubau jedenfalls sofort ins Auge. Und Donuts gibt’s auch.

„Plant ihr, nach der Eröffnung am Empfang auch einen Lageplan auszuteilen?“ Die scherzhafte Frage eines RHEINPFALZ-Lesers bei der Sommertour gestern durch die Stadtklinik Frankenthal ist berechtigt. Nach fast eineinhalb Stunden Rundgang durch den oberen Teil des kurz vor der Fertigstellung stehenden Neubaus drohen die zwei Dutzend Gäste die Orientierung zu verlieren. Dabei kann man sich im Grunde nicht verlaufen, beruhigen Bauingenieur Bernd Schröder und Chefarzt Matthias Münch. Die Etagen der künftigen Psychotherapie und Station für Sucht und Doppeldiagnose auf der mittleren Etage sind wie zwei aneinander klebende, runde Donuts geformt, mit lichten Innenhöfen als Öffnungen. Die Architektur hat einen tieferen Sinn: Patienten sollen sich nicht eingeengt fühlen.

Und was geschieht mit dem verpönten sechsten Stock, in dem sie seit den 1980er-Jahren behandelt worden sind? „Da zieht künftig die Verwaltung ein“, informiert Münch, Leiter der Psychiatrie und Psychotherapie in der Stadtklinik, und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Immerhin genießt man da oben eine schöne Aussicht“, tröstet eine Leserin. Überhaupt geht es ungezwungen zu auf der fast dreistündigen Sommertour, die zur freudigen Überraschung der Teilnehmer mit einem Mittagessen im Speisesaal endet.

Die Verwaltung hat groß aufgefahren. Der Kaufmännische Direktor Andor Toth begrüßt und wartet zunächst mit Zahlen auf: 770 Mitarbeiter kümmern sich um die Gesundheit von jährlich über 9000 Patienten, jeder sechste arbeitet abseits einer Station, in der Haustechnik, in der Küche, beim Warentransport. „Wenn wir am Ende dieser Tour ein Lächeln in Ihr Gesicht haben zaubern können, haben wir unser Ziel erreicht.“

Proppenvolle Klinikapotheke

Es wird nicht nur viel gelacht und gescherzt auf dem Rundgang, auf dem die Gäste nicht einem Patienten begegnen. Es werden auch viele Fragen gestellt. Das beginnt schon in der Klinikapotheke, die weit mehr ist als eine Medikamentenausgabe. Ehe die Blister im Stationsschrank deponiert werden, durchlaufen sie eine ausgefeilte Logistik und Kontrolle. 3500 Packungen mit Arzneimitteln und Medizinprodukten fallen jeden Tag vom Förderband in eine der Kisten. Sie gehen auch an acht umliegende Krankenhäuser, die Frankenthal mit versorgt. Über dieses Aufgabenfeld hinaus bereitet ein Teil des rund 20-köpfigen Teams um Leiterin Kerstin Filipowski-Geißelmann und ihrem Stellvertreter Tim Mertesacker unter penibel eingehaltenen Vorgaben Infusionen vor, etwa für Chemotherapien, aber auch für Frühchen.

Tausende Bestellungen: Klinikapothekenleiterin Kerstin Filipowski-Geißelmann am Medikamenten-Förderband.
Tausende Bestellungen: Klinikapothekenleiterin Kerstin Filipowski-Geißelmann am Medikamenten-Förderband.
Der Kaufmännische Direktor Andor Toth begrüßt die RHEINPFALZ-Leser.
Der Kaufmännische Direktor Andor Toth begrüßt die RHEINPFALZ-Leser.
Mit Ausblick bis zum Haardtrand: Blick in eines der Zimmer in der künftigen Geburtshilfestation.
Mit Ausblick bis zum Haardtrand: Blick in eines der Zimmer in der künftigen Geburtshilfestation.
Hinter diesem unscheinbaren Schrank im Hintergrund befindet sich die Notfallversorgung der Stadtklinik.
Hinter diesem unscheinbaren Schrank im Hintergrund befindet sich die Notfallversorgung der Stadtklinik.
Pippi Langstrumpf lässt grüßen: Zaun in einem der beiden Innenhöfe des Anbaus.
Pippi Langstrumpf lässt grüßen: Zaun in einem der beiden Innenhöfe des Anbaus.

Foto 1 von 5

Und dann öffnet sich die Brandschutztür für eine Premiere in der Stadtklinik: Zum ersten Mal wird eine Besuchergruppe durch den dreistöckigen Anbau geführt, in dem noch vor Weihnachten neben der Psychiatrie und Psychotherapie die Geburtshilfe mit zwei Kreißsälen und einer Notsektion, Wochenbettstation und Familienzimmer sowie die geriatrische Einheit einziehen wollen. Im obersten Stock, wo Mütter entbinden können, sind die Bauarbeiten schon weit fortgeschritten. In den Einzel- und Doppelbettzimmern sind schon erste Wandelemente in einem hellen Grün gestrichen, die Türen haben eine warme Holzoptik, Schränke sind in Wandnischen eingelassen.

Noch sind die Decken mit üppigen Versorgungssträngen nicht abgehängt, noch braucht es Fantasie, um sich die offene Atmosphäre rund um den Stationsstützpunkt vorzustellen. Aber Ingenieur Schröder und die neue stellvertretende Pflegedirektorin Eva Kühborth sind mit Blick auf den Zeitplan optimistisch. Die Komplimente der RHEINPFALZ-Leser nehmen sie mit bescheidenem Lächeln entgegen.

17.000 Liter Heizöl pro Jahr

Schröder ist einer der vielen Mitarbeiter, die im Klinikalltag im Hintergrund wirken. So wie seine Chefs, der neue Technische Leiter Henri Allali und dessen Vize Stefan Kuhn. Eine der vielen Aufgaben von ihnen und dem fast zehnköpfigen Team: sicherstellen, dass der Erweiterungsbau ausreichend Strom, Wasser und Wärme hat. Das geht tatsächlich mit der bestehenden Infrastruktur, erläutern sie. Die beiden Brenner mit zusammen 1,2 Megawattstunden Leistung, durch die aktuell pro Jahr 17.000 Liter Heizöl laufen, haben noch ausreichend Kapazitäten, haben sie errechnet. Dank effektiver Wärmerückgewinnung, erläutert Kuhn den Lesern: Die Luft-Wasser-Wärmetauscher hätten es während der Hitzewelle Anfang Juli geschafft, eine Außentemperatur von 38,6 Grad auf letztlich 23 Grad im Innenraum herunterzukühlen.

Pippi Langstrumpf ist zwar nicht in der Stadtklinik behandelt worden, aber der kunterbunte Zaun mit seinen unterschiedlich hohen Latten erinnert nicht nur Chefarzt Münch so sehr an die Kinderbuchheldin, dass er seinen Spitznamen weghat. Überhaupt will er Leichtigkeit in die psychiatrische Abteilung bringen, in der auch die Tagesklinik aus dem Metznerpark mit 20 Plätzen aufgeht. „Wir sind eine ganz normale Station“, bekräftigt er. In einem landesweiten Pilotprojekt soll sie um sechs Betten wachsen, reserviert für Mütter mit Kindern.

x