Frankenthal
Stadtbücherei: Berührungsängste bei digitaler Selbstbuchung schnell verflogen
Ob Ausleihe, Verlängerung oder Rückgabe von Medien: „Es geht ruckzuck“, sagt Stadtbücherei-Nutzerin Juliane Schwarz. Die Frankenthalerin steht zum dritten Mal vor dem Automaten und hat längst keine Berührungsängste mehr. Sie zieht ihren Bibliotheksausweis über die Fläche, legt einen Stapel Bücher auf, drückt erst auf „Ausleihe“ und dann auf „fertig“. Abschließend nimmt sie eine Quittung entgegen, auf der das Fälligkeitsdatum für die Rückgabe steht. Drei Handgriffe, mehr Aufwand ist es nicht. Die Rückgabe funktioniere nach dem gleichen Prinzip, erläutert Schwarz.
Mehr Zeit für Bildungsarbeit
Die digitale Selbstbuchung sei schnell, angenehm, unkompliziert, und man habe auch mehr Privatsphäre, betont Büchereileiterin Christine Wieder und ergänzt: „Unsere Mitarbeiter an der Theke erklären und helfen gerne, wenn jemand unsicher sein sollte.“ Technische Berührungsängste seien meist schnell verflogen. Die Befürchtungen einiger Nutzer, dass in ihrer Bücherei durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren gingen, habe sie ausräumen können, sagt Wieder. Ein weiterer Vorteil der neuen Technik: Die Mitarbeiter hätten nun Kapazitäten frei für die Bildungsarbeit sowie für die Vermittlung digitaler Angebote oder Workshops im Schul- und Freizeitbereich für verschiedene Altersgruppen.
Selbstbuchungsautomaten wie sie jetzt im Thekenbereich der Stadtbücherei stehen, gibt es schon lange an Universitäten und in Großstädten. Finanziert wurden die Geräte als Teil des Förderprojekts „WissensWandel“, das aus Bundesfördermitteln des Programms „Neustart Kultur“ aufgelegt und vom Deutschen Bibliotheksverband koordiniert worden ist. Die Fördersumme von 70.000 Euro, die 90 Prozent der Investionskosten abdeckt, wurde verwendet für die beiden Selbstbuchungsautomaten und das Sicherungstor sowie für die Aufrüstung der Digitalen Lernwerkstatt mit zehn Laptops, 20 Tablet-PCs, WLAN, Smartboard. Außerdem gibt es zwei externe Workshops zum Thema Demokratie und Medienbildung.
Kerngeschäft Ausleihe
Während der langen Schließzeit der Stadtbücherei zwischen Dezember 2020 und April 2021 hatte Christine Wieder mit 17 Mitarbeitern und zwei Auszubildenden nicht nur das digitale Angebot der Onleihe ausgeweitet, sondern auch den Präsenzbestand von rund 70.000 Medien gesichtet und etliches davon aussortiert. Für das neue Ausleihverfahren musste jedes einzelne Medium konvertiert, das heißt mit einem Chip und digitalen Sicherungsetiketten, sogenannten „RFID-Etiketten“ (Radio Frequency Identification), versehen werden. Einzige Ausnahme: Nintendo-Switch-Spiele werden extra gesichert und müssen aufgrund der Diebstahlgefahr nach wie vor an der Theke ausgeliehen werden.
Die Ausleihe sei nach wie vor das Kerngeschäft der Stadtbücherei. Christine Wieder und ihr 19-köpfiges Team wollen die Bibliothek in der Welschgasse 11 künftig als Bildungseinrichtung weiterentwickeln. Geplant seien erweiterte Öffnungszeiten. Dienstags bis freitags soll das Haus künftig von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 15 Uhr geöffnet sein. Montags soll Ruhetag sein. Doch darüber muss noch der Kulturausschuss der Stadt entscheiden. Ein digitaler Bibliotheksausweis als App für das Smartphone ist laut Wieder ein Thema für die Zukunft, sei aber erst einmal nicht vorgesehen.