Frankenthal
Stadtbücherei: Ab Dezember verbuchen Nutzer Medien selbst
Die einfache Rechnung, die Büchereileiterin Christine Wieder im Kulturausschuss am Dienstag aufmachte: Durch die technische Neuerung wird weniger Personal an der Ausleihtheke benötigt. Wer Hilfe bei der Selbstverbuchung benötige, bekomme diese aber auch, sicherte Wieders Stellvertreterin Gabriele Kölling auf Nachfrage zu. Außer montags soll die Stadtbücherei ab Sommer an Werktagen acht und samstags fünf Stunden geöffnet sein. Man wolle Besuchern damit signalisieren, dass die moderne Ausleihtechnik für sie Vorteile habe, heißt es in einem Zukunftskonzept für die kommenden vier Jahre. Für die Bibliothek selbst bedeutet die Neuerung, dass sich die Mitarbeiter noch stärker als bereits jetzt auf ihre Bildungs- und Veranstaltungsangebote konzentrieren können.
Neben der Ausleihtheke soll der Eingangsbereich im kommenden Jahr neu gestaltet und mit einer automatisch öffnenden Tür barrierefrei werden. Weitere Verbesserungen, beispielsweise ein eigenständiger Zugang zu einer behindertengerechten Toilette und zum Aufzug in den ersten Stock, seien mittelfristig notwendig. Bodenbeläge und Fenster in dem seit 1982 von der Bücherei genutzten Gebäude müssten erneuert, die Technik verbessert werden. Weil inzwischen viele Besucher die Räume zum Lesen, Lernen und Arbeiten nutzen, soll die Akustik beispielsweise durch Trennwände verbessert werden, alle Arbeitsplätze werden laut Wieder mit Steckdosen ausgestattet. Kosten benennt das Zukunftskonzept nicht. Hier müsse ein Budget festgelegt werden, sagte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) im Ausschuss auf Anfrage.
Newsletter und besseres WLAN
Besonders stark hat die Stadtbücherei zuletzt ihr Engagement im Bereich Medienpädagogik hin zu einer „digitalen Lernwerkstatt“ ausgebaut und dabei unter anderem für die Anschaffung von Tablets und den Ausbau des WLAN Fördermittel genutzt. Zur Wartung aller Geräte, die nicht an das Netzwerk der Stadt angeschlossen sind, soll ein externer Dienstleister engagiert werden. Zielgruppe der digitalen Bildung sind Menschen jeden Alters. Bewusst will man auch mindestens vier generationsübergreifende Veranstaltungen im Jahr planen. Eine neu eingeführte App soll den Überblick über Ausleihen vereinfachen, über eigene Büchereiportale können Filme und Musik gestreamt werden.
Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindertagesstätten, die nicht zuletzt unter den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gelitten hat, soll ausgebaut werden. Um das vielfältige Angebot noch bekannter zu machen, präsentiert sich die Stadtbücherei seit Anfang des Jahres auf Facebook und verschickt regelmäßig Newsletter. Hier denke man über eine noch bessere Ansprache von Lehrern und Erziehern nach. Insbesondere von weiterführenden Schulen würden die medienpädagogischen Kompetenzen des Teams kaum in Anspruch genommen. „Die Stadtbücherei ist viel mehr als eine Ausleihstelle für Bücher und Medien“, betont Wieder.
Jahresbericht 2020
Von März bis Mai und dann wieder ab Dezember war die Stadtbücherei 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt oder durch Onlineformate ersetzt, Ausleihservices wurden, etwa mit Bücherpaketen, neu organisiert. Mitarbeiter waren und sind wöchentlich 20 Stunden am städtischen Corona-Infotelefon eingesetzt. Die Besucherzahl ist von 84.000 (2019) auf 48.000 gesunken, die Anzahl der Medien, die per Onleihe nachgefragt wurden, stieg dafür von 35.000 auf fast 42.000. Der Zuschussbedarf war mit 882.000 Euro (Vorjahr: 854.000) deutlich höher, weil die Erträge sanken. Besonders deutlich wird der direkte Zusammenhang mit dem fehlenden Publikumsverkehr an zwei Posten: Statt 37.000 Euro wurden nur 31.500 Euro an Nutzerbeiträgen eingenommen, bei den Eintrittsgeldern sank der Betrag von 1200 Euro auf 350 Euro.