Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Stadtklinik: Schwierig
So viel ist sicher: Die sogenannte Stadtklinik-Affäre und ihre Folgen sind ein Erbstück aus der Amtszeit seines Vorgängers Martin Hebich (CDU), auf das der neue Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) liebend gerne verzichtet hätte. Ihm fällt jetzt die Aufgabe zu, eine adäquate Stelle für den früheren Kaufmännischen Direktor des Krankenhauses zu erfinden und diese gut dotierte Aufgabe den Kassenwarten der Kommunalaufsicht als sinnvoll zu verkaufen. Ob die ADD angesichts der klammen Finanzen der zweiten Möglichkeit im Fall Kraut, einer Abfindungszahlung, zustimmen würde? Eher nicht.
Das alles sind kitzlige Themen mit Potenzial für ordentlich Zoff zwischen den Fraktionen in Stadtrat und Fachausschuss. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass die Verwaltung das Ganze am allerliebsten hinter verschlossenen Türen verhandeln und auch die umfangreiche Anfrage der SPD dazu nur nicht-öffentlich behandeln möchte. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat sie sich deshalb ein Rechtsgutachten schreiben lassen, dass ihre Auffassung wortreich auf mehreren Seiten bestätigt.
Zumindest ungeschickt ist aber die Tatsache, dass die Verfasser der Expertise für dieselbe Kanzlei tätig sind, die seit vier Jahren die Stadt in den arbeitsrechtlichen Verfahren rund um die Klinik-Misere vertritt. Offenbar ist diese Erkenntnis inzwischen auch im Rathaus gereift. Nun soll ein weiteres Gutachten einer weiteren Kanzlei besorgt werden. Kostet zwar alles noch weiteres Geld. Sei’s drum: Angesichts von Lohnnachzahlungen, Abfindungen und Beraterhonoraren in Millionenhöhe kommt es darauf jetzt auch nicht mehr an. Jörg Schmihing
Stadtbücherei: Witzig
Vielleicht erschließt sich ja in einer anderen Einrichtung der Stadt eine völlig unerwartete Einnahmequelle: Die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei haben jedenfalls absolut Potenzial, als Influencerinnen im Netz eine wachsende Fangemeinde zu begeistern. Neuester Coup: eine köstliche Persiflage auf den Modetrend „Hot Librarian“, bei dem Models aussehen sollen, wie Fachkräfte aus dem Bibliothekswesen – beziehungsweise, wie einige Designer sich diese klischeehaft vorstellen. Mausgrau und leicht schrullig, gerne mit leicht laszivem Silberblick. RHEINPFALZ-Kulturredakteur Markus Clauer hatte den Trend am Donnerstag unter der Schlagzeile „Die Stunde der Bibliothekarinnen“ beleuchtet.
Statt sich über sexistische Stereotypen zu ärgern, kontert das Büchereiteam auf Instagram. Mit Cardigan und Perlenkette, Brille und Karo-Mini posieren vier der Frankenthaler Fachkräfte vorm Bücherregal und hinter der Ausleihtheke. Und stellen damit mal wieder unter Beweis, wie modern die hiesige Bücherei aufgestellt ist. Längst gibt es hier neben Büchern, Zeitschriften und CDs auch Videospiele, Filmstreaming und E-Bücher. In einer „Bibliothek der Dinge“ können sich Nutzer ab April in der Welschgasse von der Bohrmaschine bis zum Skateboard Alltagsgegenstände ausleihen. Regelmäßig lernen Kinder hier Programmieren, in Workshops entstehen „sprechende Bücher“.
Die Fotos für den Instagram-Beitrag wurden übrigens bereits im November gemacht – als die trendbewussten Mitarbeiterinnen das erste Mal über die neue Online-Mode stolperten. Der RHEINPFALZ-Artikel sei letztlich am Donnerstag nur noch der Auslöser gewesen, den „Reel“ genannten Kurzfilm fertig zu bearbeiten, sagt Medienpädagogin Dorle Voigt. Sonja Weiher