Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Würde den Kubus vor dem Rathaus enorm aufhübschen: der Hut von Olli Herrmann.
Würde den Kubus vor dem Rathaus enorm aufhübschen: der Hut von Olli Herrmann.

Amtsgericht: Klappe halten

„Ihr Problem ist, dass Sie andere nie ausreden lassen“: Diese doch eher menschliche als juristische Einschätzung gab Amtsrichter Thomas Henn am Dienstag ab. Auf der Anklagebank saß Sotirios Topouzis, der sich nach einer aus dem Ruder geratenen Corona-Kontrolle im Mai 2021 nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung verantworten musste. Der Geschäftsführer der „Jägerstuben“ hatte in der Pandemie bei Demonstrationen gegen die Kontaktbeschränkungen gerne mal auf dem Rathausplatz das Wort ergriffen und seine Sicht der Lage übers Megafon mitgeteilt. Und auch in der Verhandlung fiel es dem 54-Jährigen sichtlich schwer, sich zurückzuhalten. Als Topouzis, der zuvor noch munter mit dem Gericht über die Höhe seiner Geldstrafe gefeilscht hatte, dann auch noch während der Urteilsverkündigung seinen Senf dazu gab, platze dem erfahrenen Richter Henn der Kragen. „Jetzt bin ich dran“, beschied er dem mitteilungsbedürftigen Angeklagten. Einfach mal die Klappe halten, das hat – auch außerhalb des Gerichtssaals – noch selten geschadet.

Wahlkampf: Karte anschauen

Ein Vertreter der Bundespolitik, der auch eher nicht für seine verbale Zurückhaltung bekannt ist, war diese Woche zu Gast in Frankenthal. Na ja, zumindest virtuell. Für ein knappes Stündchen flog CDU-Parteichef Friedrich Merz im Pop-up-Loft von OB-Kandidat Bernd Knöppel ein. Nicht im Privatjet, sonder über die Datenleitung. Dass es allerdings auch dabei auf eine zielsichere Navigation ankommt, zeigte sich bei Knöppels Frage nach Unterstützung beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Da hatte der Sauerländer Verständnis dafür, dass man „im ländlichen Raum von Frankenthal“ nicht so leicht auf das Auto verzichten könne. Nur mal so als Tipp: Mit 2,4 Millionen Einwohnern und rund 920.000 Beschäftigten ist die Metropolregion Rhein-Neckar der siebtgrößte Ballungsraum Deutschlands. Und mit dem Regionalexpress kommt man von Frankenthal sogar in 35 Minuten in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Vielleicht trifft der CDU-Bürgermeister ja dort auf ortskundigere Förderer? Sonja Weiher

Strohhutfest: Kiste verpacken

Der dunkle Kubus, der die Stele des Erkenbert-Brunnens seit ein paar Tagen verhüllt, ist eins mal in jedem Fall nicht: hübsch. Zweckmäßig wäre vielleicht noch das Freundlichste, was einem zur Optik des Klotzes einfällt. Im Rathaus scheint sich insofern die Meinung durchgesetzt zu haben: So kann das nicht bleiben! Und auch die Kreativabteilung des Frankenthaler Carneval-Vereins, dessen Stand beim Strohhutfest rund um das Gebilde aufgebaut sein wird, hat sich schon Gedanken gemacht. Aber was geht denn neben der offenbar favorisierten Idee, die Kiste zu einer Art Programm-Info-Säule umzufunktionieren?

Man könnte für die vier Festtage, an denen der OB-Wahlkampf ja vermutlich unvermindert weitergeht, auf jede Seite einen der Kandidaten platzieren – und den fünften obendrauf. Schwierig. Der Favorit der Redaktion: Weil das „Feschd“ 2023 ja voraussichtlich das letzte von Grabowsky und High Voltage musikalisch begleitete sein wird, könnte man eine Art Pilgerstätte für Fans gestalten: mit einer Gitarre von Alex Hüther, einem Bass von Willi Brausch und dem Hut von Olli Herrmann. Und auf der Spitze ein riesiges Dubbeglas mit Schorle, das nie leer wird. Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Jörg Schmihing

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