Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel 300 Demonstranten protestieren gegen Schließung der Gastronomie

Viele Demonstranten haben Schilder mitgebracht.
Viele Demonstranten haben Schilder mitgebracht.

Rund 300 Demonstranten haben sich am Samstag auf dem Rathausplatz versammelt. Der Frankenthaler Gastwirt Sotirios Topouzis hatte zu einem Demonstrationszug mit anschließender Kundgebung aufgerufen – wegen der Corona-bedingten Schließung der Lokale.

„Es geht so nicht mehr weiter. Seit sieben Monaten sind unsere Lokale zu“, machte Sotirios Topouzis zu Beginn der Kundgebung auf dem Rathausplatz seinem Ärger Luft. „Der Infektionsträger sitzt nicht in der Gastronomie, er sitzt in Berlin“, rief er den Demonstranten zu.

„Stell Dich Deinen Bürgern“

„Ihr werdet an die Wand genagelt. Euch tritt man in den Rücken. Öffnet sofort die Gastronomie. Das Hygienekonzept hat gezeigt, dass es funktioniert“, sagte Mitorganisator Manfred Weiß, Vorsitzender des Sportvereins DJK Schwarz-Weiss Frankenthal. Die Gastronomie sehe er nicht als Infektionstreiber, wohl aber als einen der Hauptleidtragenden der Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie. Richtung Rathaus rief er, dass dort die Angst regiere: „Stell Dich Deinen Bürgern. Dafür bist Du gewählt“, so die Aufforderung von Weiß, die in erster Linie an OB Martin Hebich (CDU) gerichtet war. Den Betreiber der Lambsheimer Beachbar, der seit 25. März geöffnet hat, kritisiert Topouzis als unsolidarisch.

Die meisten Teilnehmer der Kundgebung haben sich an die Abstands- und Hygieneregeln gehalten.
Die meisten Teilnehmer der Kundgebung haben sich an die Abstands- und Hygieneregeln gehalten.
Stavroula Scholz hat das Mikrofon in der Hand.
Stavroula Scholz hat das Mikrofon in der Hand.
Auch gegen OB Martin Hebich (CDU) richtet sich die Wut der Demonstranten.
Auch gegen OB Martin Hebich (CDU) richtet sich die Wut der Demonstranten.
Rund 300 Menschen sind auf den Rathausplatz gekommen.
Rund 300 Menschen sind auf den Rathausplatz gekommen.
Die Polizei hat die Veranstaltung fest im Blick.
Die Polizei hat die Veranstaltung fest im Blick.
Viele Menschen sind auf den Rathausplatz gekommen, um ihrem Unmut Luft zu machen.
Viele Menschen sind auf den Rathausplatz gekommen, um ihrem Unmut Luft zu machen.
Aufgerufen zur Kundgebung hatte ein Frankenthaler Gastwirt.
Aufgerufen zur Kundgebung hatte ein Frankenthaler Gastwirt.
Hauptredner Sotirios Topouzis steht am Mikrofon, dahinter wartet Manfred Weiß (rechts).
Hauptredner Sotirios Topouzis steht am Mikrofon, dahinter wartet Manfred Weiß (rechts).
Der Demonstrationszug ist durch die Speyerer Straße gelaufen.
Der Demonstrationszug ist durch die Speyerer Straße gelaufen.
»Social Distancing ist asozial« steht auf diesem Schild geschrieben.
„Social Distancing ist asozial“ steht auf diesem Schild geschrieben.
Bei dem Demonstrationszug waren nicht nur Gastronome dabei.
Bei dem Demonstrationszug waren nicht nur Gastronome dabei.

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André Oberbeck, der das Brauhaus zur Post führt, meinte am Rande der Veranstaltung auf Nachfrage der RHEINPFALZ, dass viele Gastronomen ihr Lebenswerk, ihre Perspektiven in Gefahr sehen würden. Schulden würden angehäuft, die Altersvorsorge aufgebraucht. Personal wandere ab. Die Finanzhilfen seien nur teilweise gezahlt worden. Viele hätten die Anträge zur dritten Hilfe nicht gestellt, weil sie dafür in die Zukunft blicken können müssten. Ähnlich wie Topouzis sieht Oberbeck es kritisch, wenn die Gastwirte von ihren Kunden negative Schnelltests verlangen, oder sie selbst durchführen müssten. „Das mache ich nicht“, so Oberbeck.

Weitgehend ruhig verlaufen

„Wir sind sauer“, „Wir sind das Volk“, riefen die Demonstranten, als sie vor der Kundgebung durch die Speyerer Straße zogen. Doch nicht nur Gastwirte protestierten. „Schluss mit der Corona-Diktatur“, „Social Distancing ist asozial“, „Das System muss weg“, „Die AfD ist nicht rechtsextrem, sie ist Recht“ stand da auf Schildern zu lesen.

Es kamen auch jene am Mikrofon zu Wort, die hinter den Corona-Maßnahmen ein System sehen, das Kontrolle über die Menschen ausüben soll. Eine Rednerin aus Neustadt meinte, dass der Lockdown nicht zum Schutz der Menschen sei, sondern zu deren Vernichtung. Ein Mediziner und Unternehmer habe einen Impfstoff ohne Nebenwirkungen entwickelt, der absichtlich zurückgehalten werde, behauptete die spontane Rednerin. „Volksverräter“ wurde vereinzelt gerufen. Insgesamt verlief die Kundgebung ruhig, die meisten Teilnehmer hielten sich an die Abstands- und Hygieneregeln. Am Ende wurde dazu aufgerufen, die Lokale am 1. April zu öffnen. Nach Ostern wolle man erneut demonstrieren, dann um 21 Uhr, so Topouzis in Anspielung auf die Ausgangsbeschränkung.

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