Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Gedenktag: Vergessen
Der 9. November ist ein in mehrfacher Hinsicht historisch bedeutsames Datum: An einem 9. November hat Philipp Scheidemann die erste Republik auf deutschem Boden ausgerufen. An einem 9. November fiel die Mauer zwischen Bundesrepublik und DDR. Am 9. November 1938 wurden jüdische Geschäfte, Wohnungen, Gebetshäuser zum Ziel nationalsozialistischer Brandstifter, Schläger und Plünderer. Dass diese Ereignisse im kollektiven Gedächtnis der Stadt bleiben, ist das große Ziel des Frankenthaler Fördervereins für jüdisches Gedenken. Wann und wie auch immer die Planung für den Sitzungskalender der kommunalen Gremien stattgefunden hat: Es saß offenbar niemand mit am Tisch, dem aufgefallen ist, dass es bessere Termine als den 9.11. für ein Treffen des Stadtrats gegeben hätte. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) hat in seiner Rede vor dem eigentlichen Beginn der Sitzung gute Worte gefunden, indem er auf weiterhin allgegenwärtigen Antisemitismus hinwies und ermahnte, dass die Demokratie hierzulande keine Selbstverständlichkeit darstelle. Die kritische Anmerkung des Grünen Gerhard Bruder zur ungeschickten Terminwahl hat ihm das nicht erspart. Das Bewusstsein und die Sensibilität, dass sich solches nicht wiederhole, sei in der Verwaltung jetzt aber vorhanden, sagte der OB. Diese Zusage freilich könnte ein harter Test fürs kollektive Gedächtnis der Stadtverwaltung werden. Auf einen Mittwoch – traditionell der Sitzungstag des Stadtrats – fällt das nächste Mal erst wieder 2033 ein 9. November. Zum Vormerken: Danach gilt das für die Jahre 2039, 2044 und 2050. Jörg Schmihing
Schottergärten: Verbieten
So richtig gut scheint die Schottergärten, die sich auch in Frankenthaler Vorgärten immer weiter ausbreiten, im Stadtrat niemand zu finden. Zumindest schwiegen mögliche Fans dieser Gestaltungsart am Mittwochabend. Mit ihrem Antrag, die Neuanlage von Schottergärten in der Stadt und in den Vororten gänzlich zu untersagen, trafen die Grünen bei Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) einen Nerv. „Eine Zeiterscheinung und ein Ärgernis“ nannte er den Trend, bei der Gestaltung des eigenen Gartens statt auf Blumenwiese und Rasen auf Folie und Steine zu setzen. Mit entsprechenden Folgen für Klima und Artenschutz. Regen kann auf diese Weise nicht versickern, Bienen finden kein Futter, Städte heizen sich zusätzlich auf. Neuere Bebauungspläne in der Stadt schreiben deshalb bereits einen Anteil der Grundfläche fest, der bepflanzt werden muss. Doch ein pauschales Verbot hält der OB für schwierig – zumal die Bauaufsicht personell gar nicht in der Lage wäre, jede Schotterfläche zu ahnden. Nichtsdestotrotz soll das Thema in einem der nächsten Ausschüsse behandelt werden. Für die FDP hat deren Fraktionsvorsitzender Thomas Börstler – der noch wenige Wochen zuvor bei der Bebauung einer Wiese im Ziegelhofgebiet sein grünes Herz entdeckt hatte – bereits bekundet: „Wir reagieren allergisch auf Verbote.“ Sein Vorschlag: Das Ganze über einen Aufschlag auf die Grundsteuer zu regeln. Schottergärten also nur noch für Bürger mit Schotter? Dieser Idee hat Hebich direkt eine Absage erteilt. Sonja Weiher