Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenend-Kolumne
KBA-Gelände: Angeschlagen
Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Bezogen auf aktuelle Nachrichten mag dieser arg strapazierte Satz zutreffen; bei langfristigen Entwicklungen stimmt er nicht. Ein solcher Prozess ist die Konversion des früheren KBA-Betriebsgeländes. Dass dort etwas Neues, etwas Besonderes entstehen sollte – diese Perspektive bot nach massivem Personalabbau und der Konzentration der verbleibenden Aktivitäten auf einen kleinen Teil des Areals zumindest etwas Trost. In der RHEINPFALZ vom 21. Dezember 2016 las sich das so: „Als die Frage im Raum stand, was wir mit dem Gelände anfangen, nachdem wir uns dramatisch verkleinert hatten, war schnell klar: Wir machen das nicht so, wie es oftmals in den USA zu beobachten ist, wo Unternehmen zuweilen einen Standort verlassen und buchstäblich alles stehen und liegen lassen.“ Ein Zitat des Vorstandsvorsitzenden Claus Bolza-Schünemann, der im selben Interview auch die „sehr schönen Bauten“ auf dem Grundstück rühmt und Ideen für deren Nutzung skizziert.
Der plötzliche Verkauf des Geländes vier Jahre später legt nahe: Der traditionsreiche Druckmaschinenkonzern ist angeschlagen und braucht offenbar vor allem Geld. Das lässt Zweifel daran aufkommen, ob der 2016 mit großem Getöse präsentierte Masterplan für die Industriebrache das Papier noch wert ist, auf dem er gedruckt wurde. Der neue Eigentümer des Geländes hält sich hinsichtlich seiner Pläne jedenfalls weiter bedeckt. Noch ein Zitat aus dem erwähnten Interview gefällig? „Die Bürger sollen in fünf oder zehn Jahren sagen können, da ist etwas Tolles entstanden – etwas, das alle überzeugt und das für die Region und die Stadt herausragend ist.“ Von dieser Überzeugung ist man an der Lambsheimer Straße weiter entfernt als je zuvor. Jörg Schmihing
Temperatur: Angewärmt
Es wird kalt in der Republik. Das liegt zum einen daran, dass der Winter vor der Tür steht. Oder zumindest das, was der Klimawandel noch als Winter zulässt. Zum anderen wird gerade gelüftet, was das Zeug hält. Das liegt am Coronavirus. Kalt war es auch am Dienstagabend im Sitzungssaal des Beindersheimer Rathauses. Das lag aber weder am Klimawandel noch an einer Lüftungsorgie. Der Grund war dermaßen trivial, dass er schon erheiternd war: „Die Heizung geht nicht“, meinte Walter Lohse (FWG), Vorsitzender des Friedhofausschusses. Und bei der Problemerörterung mit Bürgermeister Ken Stutzmann (SPD) wurde es noch detaillierter. Offenbar war kein Druck auf dem Kessel. Und so froren Ausschussmitglieder, Verwaltungs- und Pressevertreter, bis die drei Tagesordnungspunkte abgearbeitet waren. Die Fenster blieben zu. Wobei: Im Nachhinein hätte man wohl darauf bestehen sollen, die Fenster zu öffnen. Nicht wegen Corona. Wahrscheinlich wäre von draußen etwas wärmere Luft reingekommen.
Lesebrille: Angetan
Sind Sie manchmal auch so genervt, wenn Ihnen ein kleiner Gebrauchsgegenstand des Alltags kaputt geht? So war’s bei mir am Dienstag, als das Etui meiner Lesebrille auf einmal den Geist aufgab. Also in der Mittagspause ab zum Optiker in der Frankenthaler Innenstadt. Kurz darauf hielt ich das neue Stück, farblich perfekt abgestimmt auf mein Nasenfahrrad, in der Hand. Nur bezahlen durfte ich nicht. „Das ist schon okay“, meinte der freundliche Optiker, der mich zuvor noch nie gesehen hatte. „Machen Sie einfach ein bisschen Werbung damit für uns.“ Das sei hiermit gerne getan. Kleine Geschenke erhalten nicht nur die Freundschaft, sie helfen auch, lächelnd aus einer Situation rauszugehen, in der man anfangs noch, weil genervt, die Augen verdreht hat, dass wohl nur noch das Weiße zu sehen war. Einen kleinen Obolus für die Kaffeekasse gab’s übrigens trotzdem von mir. Und auf diesem Weg noch mal ein herzliches Dankeschön. Christian Treptow