Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei: Keine Poser- oder Tuner-Szene in der Stadt

Ein Problem mit sogenannten Posern, wie es die Polizei in Mannheim beschäftigt, sehen die Frankenthaler Beamten nicht.
Ein Problem mit sogenannten Posern, wie es die Polizei in Mannheim beschäftigt, sehen die Frankenthaler Beamten nicht.

Satter Sound, mehr Leistung und schicke Felgen? Viele Fahrer wollen kein schlichtes Auto von der Stange, sondern ein Gefährt, das Freunde und/oder Passanten beeindruckt – und das nicht immer nur im positiven Sinn. Die Frankenthaler Polizei hat auf vermehrte Hinweise in diese Richtung reagiert und Kontrollen verstärkt. Eine Poser- oder Tuning-Szene gibt es in der Stadt aber nicht, betont Polizeihauptkommissar Thomas Bader im RHEINPFALZ-Interview.

Elf sichergestellte Autos mit illegalen Umbauten innerhalb weniger Tage – das klingt erst einmal sehr viel. Gibt es in Frankenthal und Umgebung eine Szene dafür?
Ich würde nicht von einer Szene sprechen. Grob gesagt haben wir es hier mit Angehörigen aus drei unterschiedlichen „Gruppen“ zu tun. Da sind die Poser, denen es vor allem darum geht, aufzufallen und sich mit ihren Autos zu produzieren. Dann gibt es die Tuner, die mehr oder weniger fachgerecht an ihren Fahrzeugen herumschrauben und sie technisch verändern. Und dann haben wir Leute, für die hat das Ganze eine stärkere Event-Komponente. Die wollen sich treffen, zum Musikhören, zum Quatschen und manchmal auch zum Trinken. Die gehören weder zu den Posern, noch zu den Tunern und sind oftmals auch in ganz normalen Fahrzeugen unterwegs. Man muss mit den Begriffen also differenziert umgehen, kann nicht alle über einen Kamm scheren.

Von Problemen in benachbarten Städten war schon oft zu lesen. Aber warum ist denn derzeit in Frankenthal so viel los?
Es könnte damit zu tun haben, dass in Frankenthal früher als in anderen Kommunen die Corona-Regeln gelockert worden sind und die Treffen wieder möglich waren. Vermutlich hat sich das deshalb in den zurückliegenden Wochen etwas geballt. Denkbar ist auch ein gewisser Verlagerungseffekt, weil es zuletzt verstärkte Kontrollen im Grünstadter Raum gab. Aber vergleichbar mit Mannheim, wo zu bestimmten Zeiten die Fressgasse gesperrt werden musste, ist das Phänomen hier in der Stadt auf keinen Fall. Die Leute, auf die wir treffen, sind nicht mit denen vergleichbar aus Mannheim. Wir haben auf Hinweise zu den Parkplätzen in der Wormser Straße reagiert und bleiben an diesem Thema dran.

Gibt’s denn in Frankenthal so etwas wie eine Paradestrecke, auf denen diese Autos zu schnell oder zu laut unterwegs sind?
Nicht wirklich. Unter denjenigen, die wir kontrolliert haben, kommen viele gar nicht von hier. Sie sind größtenteils nicht so einfach in eine der eingangs erwähnten Kategorien einzuordnen – eine bunte Mischung.

Worum geht es den Schraubern, die ihre Autos umbauen oder umbauen lassen?
Relativ häufig sind Veränderungen wie der Einbau eines Klappenauspuffs oder die Veränderung einer vorhandenen Klappe, damit der Motor oder Auspuff besser röhrt. Dasselbe wird auch mit Sportluftfiltern erreicht. Bei den Rädern und Reifen ist das Ziel: größer und breiter. Da wird zum Teil sogar mit Distanzringen gearbeitet. Es gibt vieles, das mit einer Eintragung in die Fahrzeugpapiere erlaubt ist: Wenn im Radlauf genügend Platz ist, dann kann man durchaus eine größere Felge montieren, sofern sie zulassungsfähig und auch eingetragen ist. Aber manche Veränderungen sind so stümperhaft oder schlicht gefährlich, dass wir und die Ingenieure, mit denen wir zusammenarbeiten, sagen müssen: So geht’s nicht!

Warum verzichten manche darauf, die technischen Veränderungen in die Papiere eintragen zu lassen?
Schwer zu sagen. Vielleicht ist es der Aufwand oder vielleicht sind es die Kosten. Grundsätzlich gibt es Fälle, da kann so ein Umbau mit einer einfachen Abnahme bei Tüv oder Dekra erledigt sein – beispielsweise wenn Teilen oder Umbaukits eine allgemeine Betriebserlaubnis beiliegt. In komplizierten Fällen, in denen es um sehr individuelle Umbauten geht, kann allerdings eine Einzelabnahme durch einen Gutachter notwendig sein.

Wie reagieren die Fahrer, die Sie bei Kontrollen erwischen und bei denen Einträge fehlen?
Manche lassen das mehr so über sich ergehen. Ich hatte am vergangenen Wochenende jemanden, der dafür wenig Verständnis hatte.

Interview: Jörg Schmihing

Spricht von mehreren Gruppen von Autofans, die man differenziert betrachten muss: Polizeihauptkommissar Thomas Bader.
Spricht von mehreren Gruppen von Autofans, die man differenziert betrachten muss: Polizeihauptkommissar Thomas Bader.
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